LONDON (IT BOLTWISE) – In der fünften Folge der 20. Staffel sichert sich Don Quiff 120.000 Euro von Judith Williams und Frank Thelen, zahlt dafür aber mit 30 % statt den geforderten 20 % ein. Zenny erhält 100.000 Euro von Ralf Dümmel und gibt dafür ebenfalls mehr ab als verlangt. PEANUT von Levantto schnappt sich 100.000 Euro zu 25 % und HEIONTEC scheitert trotz einer elektrochemischen Idee an der Präsentation. Insgesamt realisieren drei von sechs Startups diesmal Deals – und die Quoten bleiben selektiv.

Die fünfte Folge der 20. Staffel von „Die Höhle der Löwen“ zeigt erneut, wie eng in diesem Format Technik, Story und die richtige Bewertung zusammenhängen. Sechs Gründerteams treten an – und am Ende können genau drei von ihnen einen Deal vorweisen. Während Don Quiff den größten Scheck abräumt, bleibt HEIONTEC ohne Investor. Auffällig ist dabei weniger die Frage, ob ein Produkt existiert, sondern ob der Pitch die erwartete Sicherheit liefert: bei Bewertungen, bei Marktannahmen und ganz praktisch bei der Art, wie Investoren Risiken im Vortrag erkennen.
Den größten Abschluss sichert sich Don Quiff aus Salzburg mit einem Haarwachs mit Coffein, das laut Gründern nicht nur stylen, sondern auch die Haarwurzel stärken soll. Gefordert waren 120.000 Euro für 20 %, am Ende steigt jedoch ein Duo ein, das gemeinsam 120.000 Euro zusagt – allerdings für 30 %. Carsten Maschmeyer steigt aus, weil ihm eine Wirkstudie fehlt; außerdem diskutieren die anderen Löwen, ob die Marge und die Produktstory überzeugend genug in die Zukunft reichen. Judith Williams betont dabei vor allem die Lücke im heutigen Männermarkt, Frank Thelen stellt die generelle Haltung „Qualität vor Preis“ in den Vordergrund. Für die Praxis bedeutet das: Der Deal ist weniger ein reines Multiplikator-Spiel, sondern ein Signal, dass Bewertungsabschläge in Bereichen mit Evidenzbedarf besonders häufig vorkommen.
Zenny setzt dagegen auf ein deutlich konkreteres Anwendungsversprechen: ein Set aus Ohrkarten und selbstklebenden Pflastern mit vergoldeten Kapseln für bestimmte Punkte am Ohr. Das Startup wollte 100.000 Euro für 10 % – Ralf Dümmel zahlt zwar die Summe, nimmt dafür aber 20 %. Entscheidender Unterschied ist hier die Verhandlung um das Risiko: Beim Pitch lag der Umsatz laut Darstellung von BASIC thinking erst bei rund 5.000 Euro, bei einem Verkaufspreis von 9,99 Euro und Herstellkosten von maximal 1,50 Euro. Gleichzeitig liefert die Sendung aber auch einen Realitätsanker: Das Set sei bereits seit Sommer 2026 in mehr als 500 Filialen eines Drogerieanbieters verfügbar. Damit entsteht für den Investor eine doppelte Perspektive aus Distribution und Skalierungspotenzial – und die Bewertung verschiebt sich, weil die Hebel für Wachstum zwar da sind, aber die frühe Traktion gleichzeitig noch nicht „voll durchfinanziert“ wirkt.
Bei PEANUT von Levantto geht es um eine Babytragetasche, bei der Babys seitlich liegen sollen statt auf dem Rücken. Das Paar fordert 100.000 Euro für 20 % – und bekommt am Ende 100.000 Euro für 25 %. Die Absagen kommen nacheinander: Frank Thelen setzt bei Babytragen aus, Judith Williams zweifelt an Marke und Marketing, Ralf Dümmel verweist auf die Nutzungsdauer von nur etwa sechs Monaten und auf sinkende Geburtenzahlen. Aus Investorensicht ist das ein klassisches Muster für Produktkategorien mit kurzer Lebensdauer: Der Markt kann trotzdem groß sein, aber die Unit-Economics müssen schneller „ziehen“. Entsprechend bleibt Janna Ensthaler als letzte Löwin übrig, bietet fünf Prozentpunkte mehr als verlangt und nimmt damit dem Team zumindest teilweise die Beweislast ab, dass die Seitenlage nicht nur eine Idee ist, sondern in der Wahrnehmung der Eltern funktioniert.
HEIONTEC geht der Deal hingegen durch den Vortrag verloren. Das Startup aus Schleswig-Holstein entwickelt eine elektrochemische Zelle, die Strom aus Wärme der Umgebung gewinnen soll, sodass Sensoren keinen regelmäßigen Batteriewechsel benötigen. Die Forderung wirkt auf den ersten Blick ambitioniert: 250.000 Euro für 2,5 %, was rechnerisch einer Bewertung von zehn Millionen Euro entspricht. Zwar erkennt man offenbar das technische Thema, doch es gab im Pitch keine ausreichende Überzeugung für die Präsentationsqualität. Frank Thelen kritisiert den Vortrag ausdrücklich als schwach, auch wenn er gleichzeitig einräumt, dass die Technologie ein Potenzial für ein Milliardenunternehmen haben könnte. Ergänzend zeigt der Verlauf, wie solche Deals oft scheitern: Nicht die physikalische Idee steht im Weg, sondern die Frage, ob im Gespräch mit den Investoren genügend Klarheit entsteht, etwa über Systemgrenzen, Skalierung und die „Time-to-Value“ bis zum Serienprodukt.
Zwischen den großen Deals fällt auch das Battle zwischen POP CHARMS und whiffy auf, weil der Gewinner investiert wird, obwohl das unterlegene Team in der Wahrnehmung nicht zwangsläufig „schlechter“ ist. In 90 Sekunden treten die Gründerteams gegeneinander an: POP CHARMS verkauft Anhänger für die Handyhülle, whiffy bietet Duftkapseln fürs Smartphone. Ensthaler und Dümmel stimmen für POP CHARMS, Williams und Maschmeyer für whiffy – am Ende entscheidet Frank Thelen sich für Raibold, und damit ist whiffy ohne Verhandlung aus dem Rennen. Raibold verlangt 70.000 Euro für 20 %, bleibt aber ohne Zustimmung, weil Dümmel die Anhänger als leicht kopierbar einstuft, Maschmeyer an den Werbeplänen zweifelt und Ensthaler den Einstieg als zu früh betrachtet. In Zahlen bleibt der Unterschied ebenfalls spürbar: Bei whiffy werden die Duftkapseln laut Sendungsangaben zu 2,90 Euro einzeln und 9,90 Euro im Dreierpack verkauft. Entscheidend ist damit, dass nicht nur die Produktidee zählt, sondern die konkrete Go-to-Market-Erzählung bis in Details hinein.
Wenn man die Folge als Gesamtbild liest, wird außerdem die Deal-Realität hinter dem TV-Format klar. Vereinbart wird vor der Kamera, unterschrieben wird aber erst nach der Aufzeichnung – und anschließend prüfen die Investoren genauer. Aus den Staffeln 1 bis 19 wurden laut den in der Sendung genannten Auswertungen 505 zugesagte Deals betrachtet, von denen 319 realisiert wurden. Das entspricht einer Deal-Quote von 63,2 %. Für die fünfte Staffel wird damit ein doppelter Maßstab sichtbar: Ein Deal in der Sendung ist ein Signal, aber er ist noch nicht automatisch „Geschäft im Alltag“. Zusätzlich bleibt der durchschnittliche Größenrahmen relevant: Ein realisierter Deal liegt im Schnitt bei 167.764 Euro, ein geplatzter bei 225.466 Euro. In dieser Folge liegen die drei Abschlüsse laut Darstellung bei 120.000 Euro oder darunter – also unter dem Schnitt der geplatzten Zusagen. Für Gründerteams heißt das: Der Pitch muss nicht nur begeistern, sondern auch die Bewertungslogik und die Umsetzbarkeit so darstellen, dass aus dem Handschlag ein belastbarer Business-Case wird.
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