MORRIS PLAINS / LONDON (IT BOLTWISE) – Honeywell setzt die Abspaltung seiner Luftfahrtsparte um und schafft damit zwei börsennotierte Gesellschaften: Honeywell Aerospace (HONA) und Honeywell Technologies (HON). Für die neue Unternehmensausrichtung steht vor allem Industrieautomation und softwarenahe Performance im Fokus. Der Finanzchef nennt ambitionierte Ziele, darunter ein Gewinn je Aktie von 6,00 US-Dollar bis 2029. Gleichzeitig bleibt eine Beteiligung am Quantencomputing-Umfeld ein versteckter Bewertungshebel.

Honeywell trennt Luftfahrt ab: Gewinnziel 6,00 US-Dollar bis 2029
Honeywell trennt Luftfahrt ab: Gewinnziel 6,00 US-Dollar bis 2029 (Foto: IT BOLTWISE)
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Honeywell geht die nächste Phase seiner strategischen Neuausrichtung konsequent an: Nach der formalen Entscheidung zur Trennung der Luftfahrtsparte entsteht Ende Juni 2026 eine klare Zweiteilung des Konzerns. Für Aktionäre bedeutet das praktisch eine Neuordnung des Depots, weil aus zwei alten Honeywell-Aktien künftig Anteile an der neu strukturierten Luftfahrtgesellschaft fließen. Parallel bleibt ein Restunternehmen bestehen, das den Schwerpunkt stärker in Richtung Industrieautomation und softwarebasierte Services verlagert. Diese Kombination aus Corporate-Spin-off und operativem Fokuswechsel ist in der Industrie ein wiederkehrendes Muster, wenn Managementteams Werttreiber schneller sichtbar machen wollen.

Technisch betrachtet ist der Schritt nicht nur eine Rechts- und Kapitalmarktmaßnahme, sondern verändert die Art, wie Einnahmen und operative KPIs überwacht werden. Honeywell Aerospace wird als eigenständiges Luftfahrt-Asset gebündelt, während Honeywell Technologies den Weg hin zu digitalen Diensten beschleunigen will. Laut Management liefern digitale Services bereits rund 40 Prozent zum Umsatz, und der Plan zielt darauf, diesen Anteil in drei Jahren auf 45 Prozent zu steigern. Für Unternehmen in stark regulierten Industrie-Ökosystemen ist das bedeutsam, weil Software häufig besser planbare Erlöse ermöglicht, während reine Hardware-Zyklen stärker konjunkturabhängig bleiben.

Das Kapitalmarkt-Setup umfasst dabei auch eine konkrete Kapitalmaßnahme: Der verbleibende Konzern trägt künftig den Namen „Honeywell Technologies“ und behält das Kürzel HON. Die neue Luftfahrt-Aktie wird künftig unter HONA gehandelt, nachdem die Spaltung abgeschlossen ist. Damit ist ein umgekehrter Aktiensplit verbunden, der die Zahl der ausstehenden Aktien reduziert; genannt werden rund 317 Millionen Stück nach Umsetzung. Solche Mechaniken wirken auf den ersten Blick wie reine Mathematik, beeinflussen aber die Wahrnehmung bei Privatanlegern und die Liquidität im Handel, während institutionelle Investoren ihre Bewertungsmodelle auf den neuen Zuschnitt anpassen müssen.

Operativ definiert der Finanzchef Stepniak den Rahmen mit einer klaren Ergebniskennziffer: Der Gewinn je Aktie soll bis 2029 auf 6,00 US-Dollar steigen. Für das laufende Jahr wird ein Ziel von 4,05 US-Dollar kommuniziert, was einem zweistelligen jährlichen Wachstumspfad entspricht. In der Praxis ist ein EPS-Ziel immer mehr als ein Quartalsversprechen, weil dahinter Annahmen zu Margen, Kostenentwicklung, Investitionsintensität und dem Mix aus wiederkehrenden sowie zyklischen Erlösen stehen. Ein guter Vergleich dazu sind Industrie-Anbieter wie Siemens oder Emerson, die seit Jahren versuchen, Automatisierung enger mit datengetriebenen Services zu verzahnen, um Schwankungen im Equipment-Geschäft abzufedern.

Zusätzlich setzt Honeywell einen Bewertungsakzent, der in der öffentlichen Wahrnehmung leicht übersehen werden kann: In der Bilanz bleibt eine Beteiligung, und zwar mit 47 Prozent an Quantinuum. Das Quantencomputing-Unternehmen soll noch im Juni an die Börse gehen, wodurch sich perspektivisch eine Neubewertung ergeben kann. Der Buchwert der Beteiligung liegt nach Angaben im Text bei geschätzten sieben Milliarden US-Dollar. Für Investorinnen und Investoren ist das ein Beispiel für „optionale“ Wertbestandteile, die in einem Spin-off zwar nicht automatisch die operative Performance bestimmen, aber die Gesamtbewertung und das Sentiment beeinflussen können. Gerade bei Technologie-getriebenen Industrieunternehmen wird diese Komponente häufig als Stillhalter gesehen.

Die Marktreaktion fällt laut Bericht positiv aus: Die Honeywell-Aktie notiert am Freitag bei 199,60 Euro und liegt damit rund 19 Prozent über dem Stand seit Jahresbeginn, zugleich über dem gleitenden Durchschnitt von 190,49 Euro. Solche Preisbewegungen lassen sich häufig als Bestätigung dafür interpretieren, dass Investoren den neuen Zuschnitt plausibel finden und die operativen Ziele nicht als reine PR ansehen. In Branchenanalysen wird der Spin-off-Effekt zudem oft damit begründet, dass Kapitalmärkte „unterschiedliche Bewertungslogiken“ trennbarer Geschäftsbereiche besser abbilden können: Luftfahrt wird anders bewertet als Industrial Software und Services, auch wenn beide technologisch profitieren.

Wesentliche Industrie-Auswirkung hat derweil die Strategie der Industrieautomation, die durch Softwarekomponenten verstärkt werden soll. Für die praktische Umsetzung bedeutet das typischerweise, dass Unternehmen in der Fertigung und in Versorgungsprozessen nicht nur Sensorik und Steuerung erwerben, sondern zunehmend Plattformen, Integrationen und Laufzeit-Services erwarten. Genau hier entstehen auch Abhängigkeiten: Datenqualität, Schnittstellen zu Leitsystemen, Cybersecurity im Betrieb sowie die Fähigkeit, Modelle oder Optimierungslogiken fortlaufend zu aktualisieren. Aus Expertensicht ist das der Bereich, in dem Wettbewerber am ehesten nachziehen oder eigene Angebote als Bündel schnüren; zugleich lohnt sich die Investitionslogik, wenn wiederkehrende Einnahmen stabiler werden und die Kundenbindung steigt.

Für die Zukunft zeichnet sich damit ein zweistufiger Fahrplan ab. Kurzfristig ist entscheidend, dass in den letzten Junitagen der reguläre Handel der neuen Luftfahrt-Aktie startet und Aktionäre die Umstellung in ihren Depots nachvollziehen können. Mittelfristig wird die Frage sein, ob Honeywell Technologies das Ziel von 45 Prozent Umsatzanteil durch digitale Dienste erreicht und ob das EPS-Wachstum bis 2029 belastbar bleibt. Technisch wie regulatorisch spielt außerdem Sicherheit eine Rolle: Sobald Software und Datenflüsse stärker in den Betrieb wandern, werden Datenschutz, Zugriffssteuerung und Resilienz gegen Angriffe zu Pflichtbausteinen. Wenn Honeywell diese Themen sauber integriert, entsteht für Entwicklerinnen und Entwickler in der Industrie ein realer Hebel, weil neue Service- und Daten-APIs schneller Skalierungseffekte ermöglichen. Gleichzeitig bleibt die Beteiligung im Quantenumfeld als Bewertungsoption ein potenzieller Katalysator.


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