ANDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Drei HTL-Absolventen aus Andorf haben ihr 3D-Printing-Recycling-Projekt „PrintReClaim“ in ein erfolgreiches Startup überführt. Sie wurden mit dem Edison Greentech Award 2026 ausgezeichnet und gleichzeitig ins Förderprogramm des Austria Wirtschaftsservice (aws) aufgenommen. Kernstück ist eine kompakte Anlage, die Kunststoffabfälle aus dem 3D-Druck direkt vor Ort wiederaufbereitet. Der nächste Entwicklungsschritt startet im Linzer Techcenter mit mechatronischem Labor und Werkstatt.

In einer Region, in der 3D-Druck längst zum Werkzeug für Prototypen geworden ist, adressiert ein neues Startup ein Problem, das im Alltag häufig erst sichtbar wird, wenn Ausschuss entsteht: die Kunststoffabfälle direkt am Druckplatz. „PrintReClaim“ kommt aus Andorf und wurde von drei HTL-Absolventen entwickelt, die aus einem Maturaprojekt eine vorzeigbare Technologieplattform gemacht haben. Lukas Schopf (Münzkirchen), Alexander Eggetsberger (Natternbach) und Florian Gaisberger (Bad Goisern) setzen dabei nicht auf eine nachgelagerte Entsorgungslogik, sondern auf eine zirkuläre Schleife, die im Betrieb möglichst nah am Entstehungsort ansetzt.
Technisch betrachtet drehen sich die Arbeiten um eine kompakte Anlage, die Kunststoffabfälle aus dem 3D-Druck direkt vor Ort recycelt. Statt Material erst aus dem Prozess auszuschleusen, wird der Ausschuss wiederaufbereitet und anschließend erneut für 3D-Druck-Bauteile nutzbar gemacht. Für Unternehmen ist genau diese Nähe zum Arbeitsprozess entscheidend, weil sie den Transport von Abfallfraktionen, Zwischenlagerungen und die Abstimmung mit externen Recyclingströmen reduzieren kann. Für Privathaushalte ist der Anspruch ähnlich, nur mit anderer Auslegung: Das System soll so handhabbar sein, dass es auch außerhalb industrieller Umgebungen betrieben werden kann.
Das Echo auf die Idee kam gleich in mehreren Schritten. Mit dem Edison Greentech Award 2026 in Linz erhielt das Team einen mit 5.000 Euro dotierten Preis; die Auszeichnung ist dabei nicht nur ein Geldbetrag, sondern auch ein Signal, dass die Technologie bis zur Prototypenreife gebracht werden konnte. Im Preis inbegriffen sind zusätzlich ein Firmenbüro, ein mechatronisches Labor sowie eine Werkstatt im Linzer Techcenter. Genau diese Infrastruktur ist für eine Anlageklasse wie „PrintReClaim“ besonders wichtig, weil Recycling nicht bei der Software beginnt: Man braucht robuste Mechanik, kontrollierte Prozessparameter und eine verlässliche Kopplung zwischen Aufbereitung und dem Material, das danach wieder in den Druckprozess geht.
Auch im Förderumfeld war das Projekt überzeugend. Das Austria Wirtschaftsservice (aws) nimmt das Startup in sein Förderprogramm auf; laut vorliegender Meldung setzte sich das Team gegen rund 150 Mitbewerber durch und erhielt eine Förderung in Höhe von 49.000 Euro. Diese Kombination aus Preis und Förderung ist strategisch, weil sie typischerweise zwei typische Engpässe adressiert: erstens die Beschleunigung der Entwicklung über konkrete Labor- und Werkstattressourcen und zweitens die finanzielle Planungssicherheit für die nächsten Prototypen. Für ein kleines Team bedeutet das vor allem einen schnelleren Übergang von der ersten Funktionsidee zu einem System, das im realen Betrieb reproduzierbar funktioniert.
Der nächste Entwicklungsschritt ist bereits definiert: Im Linzer Techcenter sollen die nächsten Prototypen entstehen, während parallel die Eignung für verschiedene Zielgruppen weiter konkretisiert wird. Aus Sicht der Produktentwicklung liegt die Herausforderung weniger im Grundprinzip des Recyclings, sondern in der Prozesskette: Welche Abfallform entsteht im Druckbetrieb, wie konstant sind Korngröße und Zusammensetzung, und wie gut lässt sich daraus wieder Material herstellen, das im 3D-Druck die erwartete Qualität liefert? Je sauberer diese Parameter kontrolliert werden, desto eher lassen sich Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit aufbauen, weil Nutzererwartungen meist am Ergebnis hängen, nicht am Recyclingprinzip.
Für die Branche zeigt „PrintReClaim“ vor allem, dass Zirkularität im Fertigungsprozess zunehmend als Produktmerkmal verstanden wird. 3D-Druck erzeugt zwar oft weniger Abfall als klassische Fertigung, aber er produziert eben auch „prozessnahen“ Ausschuss, der in der Praxis schnell liegen bleibt. Wenn eine kompakte Anlage diesen Ausschuss wieder in den Kreislauf zurückführt, kann das nicht nur Kosten senken, sondern auch die Planbarkeit von Materialbeständen verbessern. Gleichzeitig ist die Markteinordnung klar: Mit dem Fokus auf lokale Verarbeitung konkurriert das Startup nicht primär gegen große Recyclinganlagen, sondern positioniert sich als pragmatische Ergänzung für Druckteams, Werkstätten und perspektivisch für Haushalte, die ihren Prozess stärker selbst steuern wollen.
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