FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Hugendubel hat seine größte Filiale am Steinweg in Frankfurt für rund 3.000 Quadratmeter über vier Etagen umfassend renoviert. Die Schwitzke Gruppe entwickelte und realisierte das neue Flaggschiff-Konzept, das die Markenidentität stärker herausarbeitet und gleichzeitig die historische Bausubstanz sichtbar lässt. Ein gebündeltes Kompetenzteam aus Schwitzke & Partner, Schwitzke ID und Schwitzke Project koordinierte Gestaltung, Markeninszenierung und Bauumsetzung direkt aus einer Hand. Die Arbeiten liefen im laufenden Betrieb und sollen die Renovierungszeit auf 14 Wochen reduziert haben.

Die größte Hugendubel-Filiale in Frankfurt am Steinweg ist nicht einfach „renoviert“, sondern neu inszeniert worden. Aus Kundensicht fällt vor allem die Größenordnung ins Gewicht: Etwa 3.000 Quadratmeter Verkaufsfläche verteilen sich auf vier Etagen. Dahinter steckt jedoch ein Projektansatz, der mehr mit Umsetzungsarchitektur als mit „Innenausbau“ zu tun hat. Denn die Filiale sitzt in einem Gebäude mit Kinogeschichte und einer auffälligen Architektur, die den Charakter des Hauses prägt. Das neue Konzept versucht daher, den Spagat zwischen modernem Buchhandel und historischer Identität nicht nur gestalterisch, sondern auch organisatorisch zu lösen.
Technisch und prozessual beginnt das Vorhaben mit der Strukturierung der Projektarbeit. Laut Beschreibung der Verantwortlichen entstand ein gebündeltes Kompetenzteam, bestehend aus Schwitzke & Partner, Schwitzke ID und Schwitzke Project. Diese Rollen decken verschiedene Ebenen ab: Gestaltung und Konzeptausarbeitung, Markeninszenierung sowie die bauwirtschaftliche Realisierung im laufenden Betrieb. Genau diese Kette ist ein Unterschied zu typischen Schnittstellenmodellen, bei denen Design und Ausführung später „zusammengeführt“ werden. Wenn Gestaltung, Markenlogik und Bauplanung bereits früh gemeinsam festgelegt werden, reduziert sich die Zahl der spätere Korrekturschleifen. Im Ergebnis nennt der Text eine Renovierungszeit von 14 Wochen im laufenden Betrieb – ein Wert, der gerade bei einer Innenstadtlage mit Baustellenlogistik als Indikator für straffe Planung und klare Entscheidungswege gelesen werden kann.
Die Neugestaltung zielt dabei auf eine präzisere Übersetzung der Hugendubel-Markenidentität in Ladenräume. Das umfasst nicht nur die optische Gestaltung, sondern auch die räumliche Logik, also wie Kunden Sortimente finden und wie Themen visuell „andocken“. Entsprechend wurde die Anordnung des Sortiments angepasst. Gleichzeitig wurden einzelne Genres – darunter „Romance“, „Manga & Comic“ sowie „English Books“ – gestalterisch neu inszeniert. Solche Genre-Blöcke sind im stationären Handel mehr als Regalaufteilung: Sie wirken wie Navigationssysteme, die Zeit sparen und die Entdeckungswahrscheinlichkeit erhöhen. Dazu kommt ein neu etablierter Hessenshop, der regionale Themen und Produkte stärker in den Fokus rückt. In der Summe wird damit eine Mischung aus Markenführung (Hugendubel-Designsprache) und lokaler Differenzierung (Hessenbezug) orchestriert, statt den Standort wie eine austauschbare Filiale zu behandeln.
Besonders sichtbar wird das Zusammenspiel von Historie und Marke über konkrete Erlebnisbereiche. Der Text verweist auf das neugestaltete „Henris Bistro“, bei dem Schwitzke ID die Geschichte des Gebäudes mit der über 130-jährigen Tradition des Familienunternehmens Hugendubel verknüpft. Damit entsteht ein Ort im Laden, der nicht nur Verweildauer erzeugt, sondern auch kulturelle Kontinuität vermittelt. Bei einem ehemaligen Kino sind typische Gestaltungselemente – etwa eine markante Raumwirkung oder der bauliche Charakter der Hülle – ohnehin vorhanden. Entscheidend ist hier, wie stark diese Elemente erhalten werden. Laut Beschreibung wurden die bestehende historische Bausubstanz und die Gebäudestruktur bewahrt und harmonisch in das neue Erscheinungsbild integriert. Das ist eine wichtige betriebliche Aussage: Wenn die Struktur bleibt, müssen neue Einbauten, Boden- und Wandflächen sowie Wegeführungen darauf ausgerichtet werden. Das beeinflusst wiederum Kostenplanung, Taktung der Bauabschnitte und die Abstimmung mit dem laufenden Geschäft.
Die bauliche Umsetzung lag demnach beim Generalübernehmer Schwitzke Project, wiederum mit Koordination über alle Etagen. Im laufenden Betrieb sind solche Projekte meist besonders anspruchsvoll, weil nicht nur Handwerkerströme organisiert werden müssen, sondern auch Kundenwege, Sicherheit, Lärmschutz und die Verfügbarkeit von Flächen. Die Beschreibung nennt abschnittsweise Arbeiten über alle Etagen, um den durchgängigen Geschäftsbetrieb zu gewährleisten. Daneben wird auch ein zweiter Schwerpunkt genannt: nachhaltige Materialstrategien. Das ist in der Praxis häufig mehr als „ökologische Baustoffe“ – es umfasst die Auswahl wiederverwendbarer oder langlebiger Komponenten, die Minimierung von Abbruch und die nachhaltige Weiterverarbeitung vorhandener Strukturen. Gerade wenn historische Substanz erhalten wird, bietet sich außerdem ein ökologischer Hebel über den Erhalt statt über vollständigen Ersatz an.
Ein weiterer Punkt ist die Aufenthaltsqualität, die im Text ausdrücklich als verbessert beschrieben wird. Beispielhaft werden die bereits etablierten Leseinseln im Lichthof genannt, die gestalterisch aufgewertet wurden, ihre zentrale Funktion als Anlaufpunkt aber behalten. Leseinseln sind im stationären Handel eine Art „ruhiger Kern“: Sie schaffen Orte, an denen Kunden verweilen können, ohne dass der gesamte Laden in Dauerbewegung verkehrt. Technisch betrachtet bedeutet das, dass auch akustische und ergonomische Faktoren berücksichtigt werden müssen – von Sitzpositionen bis zur Abschirmung gegenüber Laufrouten. Gleichzeitig ist der Lichthof in vielen Bestandsobjekten ein architektonisches Qualitätsmerkmal, das Raumtiefe erzeugt. Wenn man diesen Bereich aufwertet und zugleich die Funktion erhält, entsteht eine bessere Nutzerführung, die nicht auf Lautstärke oder Überreizung setzt, sondern auf Komfort.
Für den stationären Buchhandel ist das Projekt zudem ein Signal, wie „Erlebnis“ konkret umgesetzt werden kann. Die Neugestaltung wird im Text als Symbiose aus moderner Buchhandelspräsentation und Respekt vor der baulichen Vergangenheit beschrieben. Genau diese Kombination ist marktseitig relevant, weil stationäre Händler unter Druck geraten, wenn Onlineangebote in Breite und Geschwindigkeit punkten. Ein stationäres Flaggschiff muss dann nicht nur Sortiment zeigen, sondern das gesamte Einkaufserlebnis strukturieren: Orientierung, Themeninseln, Aufenthaltsorte, Gastronomie und ein stimmiges Markenbild. Dass der Ansatz zugleich standortspezifische Elemente wie den Hessenshop einbindet, reduziert zudem den „Copy-Paste“-Effekt, den Kunden bei austauschbaren Filialen wahrnehmen.
Für die Schwitzke Gruppe und ähnlich aufgestellte Projektteams liegt der Mehrwert vor allem in der Umsetzungskompetenz unter Betriebsbedingungen. Die Renovierung über 14 Wochen bei laufendem Geschäft zeigt, dass Designentscheidungen, Bauabschnittsplanung und Materialkonzept eng verzahnt sein müssen. Besonders interessant ist dabei die frühe Kopplung von Gestaltung, Markeninszenierung und bauwirtschaftlicher Realisierung. Wenn diese drei Ebenen nicht erst später zusammenlaufen, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Nacharbeiten und die Planbarkeit steigt. Für Unternehmen, die ihre eigenen Flächen modernisieren wollen, lässt sich daraus ein praktikabler Leitgedanke ableiten: Nicht die einzelne Maßnahme ist entscheidend, sondern das Zusammenspiel aus Konzept, Markenführung und baulicher Realisierung – und zwar so früh im Prozess, dass die Ladenlogistik nicht zum Bremsklotz wird. Hugendubel demonstriert damit, wie man eine Flächenmodernisierung nutzt, um Charakter zu erhalten und zugleich neue Erlebnisbereiche zu schaffen.
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