SPANIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das grüne Stahl-Startup Hydnum Steel führt offenbar fortgeschrittene Gespräche über den Verkauf von bis zu 50 Prozent seiner Anteile. Ziel ist es, die Finanzierung eines staatlich geförderten Projekts zur Stahlherstellung mit grünem Wasserstoff abzusichern. Eine Unterzeichnung könnte noch vor Jahresende erfolgen, während die Gespräche eng von Beratern vorbereitet werden. Als grobe Orientierung wird ein Anteilspreis genannt, der das Unternehmen auf mindestens 150 Millionen Euro bewertet.

Hydnum Steel steht offenbar vor einem Eigentümerwechsel, der für den europäischen Stahlumbau mehr als nur eine Schlagzeile sein dürfte. Wenn ein Startup im Umfeld der Dekarbonisierung teilweise seine Anteile verkauft, geht es meist um einen Engpass, den klassische Projektfinanzierung allein nicht schließt: Kapital für frühe Anlagen- und Infrastrukturschritte, bevor der kommerzielle Regelbetrieb stabil läuft. In diesem Fall drehen sich die Verhandlungen um den Verkauf von bis zu 50 Prozent der Beteiligung, um ein staatlich gefördertes Projekt zur Herstellung von Stahl mit grünem Wasserstoff zu finanzieren. Für Beobachter ist dabei entscheidend, dass das Vorhaben nicht auf die reine Anlagenhardware reduziert wird, sondern auf eine Kette aus Energie, Chemie und industriellen Prozessschritten zielt.
Technisch betrachtet ist der Kern des Ansatzes der Einsatz von grünem Wasserstoff als Reduktionsmittel statt Kokskohle. Konventionelle Stahlherstellung basiert historisch auf Hochofenkonzepten, bei denen Kohlenstoff nicht nur als Prozessbestandteil, sondern vor allem als Träger für die Reduktion von Eisenerz dient. Grünstahl versucht, diese Funktion in den chemischen Randbedingungen zu ersetzen: Wasserstoff nimmt die Rolle beim Entzug von Sauerstoff aus dem Erz ein, wodurch im Idealfall deutlich weniger CO2 im Vergleich zu kohlebasierten Wegen entsteht. Dass der Deal offenbar bereits in einem fortgeschrittenen Stadium steckt, deutet darauf hin, dass die beteiligten Parteien die technische Umsetzbarkeit und die Förderfähigkeit als hinreichend belastbar einschätzen oder zumindest mit entsprechenden Sicherheiten strukturieren wollen.
Marktseitig zeigt sich hier ein Muster, das in der Industrieinvestition immer häufiger sichtbar wird: Nicht die eigentliche Idee ist das Hauptargument, sondern die Kombination aus Projektfahrplan, Finanzierungshebeln und Skalierbarkeit. In den Gesprächen arbeiten die Aktionäre demnach mit Beratern zusammen, um den möglichen Teilverkauf vorzubereiten. Als grobe Orientierung wird ein Bewertungsrahmen genannt, der einen Anteil des Unternehmens auf mindestens 150 Millionen Euro einordnet. Für Startups in der Phase zwischen Technologiedemonstration und großindustrieller Umsetzung ist genau dieser Schritt typisch: Investoren zahlen häufig nicht für „fertige Fabriken“, sondern für das Risiko, das durch Meilensteine und Fördermittel reduziert werden kann. Damit verschiebt sich der Fokus von Wagniskapital-Logik hin zu einer Mischung aus strategischer Beteiligung, Projektfinanzierung und langfristigem Abnahmeinteresse.
In Spanien profitiert Hydnum Steel dabei von einem Umfeld, das in den vergangenen Jahren gezielt Anreize gesetzt hat, um Wasserstoff- und Grünstahlprojekte schneller auf die Schiene zu bringen. Solche Förderprogramme sind für die gesamte Wertschöpfungskette relevant, weil der größte Kostendruck nicht nur in der Stahlanlage selbst sitzt, sondern häufig bei der Verfügbarkeit und Preisbildung von grünem Wasserstoff. Gerade dort entscheidet sich, ob der Prozess im industriellen Maßstab wirtschaftlich werden kann. Gleichzeitig wirkt die politische Unterstützung als Signal: Sie senkt für Investoren die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelnes Projekt frühzeitig scheitert, und erhöht die Planbarkeit für Partner aus Energie, Anlagenbau und Logistik.
Der größere Kontext bleibt jedoch unverändert anspruchsvoll. Die Stahlindustrie zählt weltweit zu den größten CO2-Emittenten, und der Wechsel zu wasserstoffbasierten Reduktionswegen gilt in Europa als ein zentraler Hebel zur Dekarbonisierung. Dass in der Region parallel ähnliche Vorhaben angekündigt wurden, unterstreicht den Wettbewerb um Standorte, Wasserstoffquoten, Anlagenbaukapazitäten und langfristige Lieferverträge. Für deutsche Anleger und Abnehmerindustrien ist das Thema dennoch unmittelbar anschlussfähig: Wenn EU-Klimaziele strenger werden, steigt tendenziell die Nachfrage nach nachweislich emissionsärmerem Stahl. Unternehmen aus stark emissionsintensiven Lieferketten, etwa aus der Automobilindustrie, sehen sich zunehmend unter Druck, nicht nur den Betrieb, sondern auch die vorgelagerten Materialien zu dekarbonisieren.
Für Hydnum Steel bedeutet ein solcher Teilverkauf vor diesem Hintergrund vor allem eines: Er kann ein zusätzlicher Finanzierungs- und Vertrauensanker sein, der das Projekt aus dem Finanzierungsmodus „Warten auf nächste Runde“ in Richtung „Umsetzung und Skalierung“ drückt. Sollte der Deal zustande kommen, wäre das ein weiteres Indiz für das anhaltende Interesse von Investoren an klimafreundlichen Industrieprojekten in Europa. Ob und wie sich das wirtschaftlich genau auf die Zukunft des Startups auswirkt, bleibt aber offen, bis eine offizielle Mitteilung die Bewertung, die Konditionen und den Zeitplan des Projekts verbindlich macht. Bis dahin bleibt auch die zentrale Frage, wie die Finanzierungslücke zwischen Förderung, CAPEX und dem Hochlauf der Produktion geschlossen wird.
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