LONDON (IT BOLTWISE) – Während Bitcoin und Ether unter Druck geraten, fließt Geld in HYPE-Exchange-Traded-Funds. Bitwise und 21Shares haben HYPE-Spot-ETFs auf Hyperliquid aufgelegt und sammeln seit Mai beachtliche Zuflüsse, obwohl klassische Krypto-Wetten deutlich abverkühlen. Grayscale ergänzt das Portfolio mit einem eigenen Hyperliquid-Staking-ETF, der Anlegern über die vertraute Börsenhülle einen strukturierten Zugang zu einem bislang wenig bekannten Protokoll bietet.

Bitcoin rutscht ab, aber an einer vergleichsweise kleinen Ecke des Krypto-Marktes entsteht gerade eine andere Dynamik: In HYPE-Exchange-Traded-Funds (ETFs) fließen offenbar frische Gelder ein, während die großen Leitwährungen wie Bitcoin und Ether gleichzeitig deutliche Verluste verzeichnen. Der Kontrast ist für Marktbeobachter deshalb so interessant, weil er nicht nach einer einfachen Rotation innerhalb derselben Asset-Klasse aussieht, sondern nach einer Hinwendung zu etwas, das für viele Privatanleger bislang unbekannt war. Das gilt besonders, da Spot-Bitcoin-ETFs vielerorts Vermögen verlieren und entsprechende Produkte in den letzten Wochen spürbar unter Abflüssen litten.
Im Mai starteten Bitwise und 21Shares die ersten Spot-ETFs, die den Index eines dezentralen Krypto-Assets namens HYPE abbilden. Die Produkte werden unter den Tickern BHYP und THYP gehandelt und sollen auf einer eigenen Blockchain- und Handelsumgebung basieren, nämlich auf Hyperliquid. Seit dem Launch berichten Marktakteure von nahezu 150 Millionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen und in der Mehrzahl positiven Nettozufluss-Tagen. Genau dieses Muster zog den Fokus von Nate Geraci, Präsident von NovaDius Wealth Management, auf sich, weil es zeigt, dass Anleger auch in einem angespannten Marktumfeld nicht nur „halten“, sondern gezielt neue Schwerpunkte setzen.
Technisch lohnt sich der Blick auf Hyperliquid, weil das Protokoll sich in der Wahrnehmung offenbar stark von vielen traditionellen Krypto-Tokens unterscheidet. Hyperliquid wird als dezentrale Perpetual-Futures-Plattform beschrieben, die rund um die Uhr Handel ermöglicht und außerhalb der USA für Trader operiert. Ein Teil des Überraschungsmoments hängt mit dem Zeitpunkt des Wiederentdeckens zusammen: Berichten zufolge erreichte das Handelsvolumen im Sommer nach geopolitischen Spannungen zeitweise Größenordnungen, die bis in den Bereich von etwa einer Milliarde US-Dollar täglich sogar in einzelnen Rohstoffbezügen reichten. So entsteht ein Netzwerk aus Nutzeraktivität, Handelsgebühren und der Token-Mechanik, die für ETF-Anleger in einer einzigen Kennzahl „konsumierbar“ wird.
Aus ETF-Sicht ist jedoch weniger die gehandelten Volumina als vielmehr das ökonomische Design entscheidend. Wie Branchenexperten erläutern, fließen nahezu 99% der über die Plattform generierten Gebühren in einen Mechanismus, der HYPE zurückkauft. Dadurch entsteht eine enge Rückkopplung („tight loop“) zwischen der Plattformnutzung und dem Wertversprechen des Tokens. Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise, ordnet das als Marktreife ein: Es sei ein Markt mit nur etwa 1% Durchdringung des möglichen Potenzials, und viele Marktteilnehmer wüssten noch nicht ausreichend, was Hyperliquid leistet. Zach Pandl, Leiter Research bei Grayscale, ergänzt die Anlegerperspektive: Viele Investoren würden einen verständlicheren Revenue-Ansatz suchen, während viele andere Krypto-Tokens nur indirekt mit der Plattformaktivität verknüpft seien.
Damit schließt sich der Kreis zu einem Marktmechanismus, den klassische Equity-Investoren sofort wiedererkennen würden: Aktienrückkäufe. Stephen Coltman, Vice President bei 21Shares, beschreibt die Token-Logik als funktional ähnlich zu Corporate Buybacks, nur dass die Token-Rückführung hier über eine fortlaufende Handels- und Gebührenumgebung angestoßen wird. Grayscale hat als Wettbewerbsantwort bereits nachgelegt: Nachdem Bitwise und 21Shares Spot-Produkte platziert hatten, startete Grayscale am Mittwoch mit einem eigenen Grayscale Hyperliquid Staking ETF (HYPG). Während der neue Staking-ETF zum Startzeitpunkt erst rund 4,5 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten auswies, verzeichneten 21Shares mit etwa 75,8 Millionen US-Dollar und Bitwise mit rund 71,14 Millionen US-Dollar bereits deutlich höhere Bestände. Auch die laufenden Kosten geben eine Richtung vor: Grayscale liegt mit 0,29% unter den 0,30% von 21Shares und den 0,34% von Bitwise.
Für die Marktwirkung ist zudem der Timing-Faktor relevant. Spot-Bitcoin-ETFs stehen in der aktuellen Phase unter Druck, unter anderem weil etwa der iShares Bitcoin Trust (IBIT) nach Wochenverlauf im unteren zweistelligen Prozentbereich notierte. Dass parallel HYPE-ETFs Zuflüsse verzeichnen, spricht laut Analysten weniger für eine schnelle „Umschichtung“ aus bestehenden Krypto-Positionen und eher für einen Zukauf von Investoren, die neu in diese Teilwelt wechseln. Zach Pandl formuliert es sinngemäß so: Hyperliquid ziehe eher einen anderen Anlegertyp an als Bitcoin, und die ETF-Struktur senke die Hürde gegenüber dem selbstständigen Wallet-Management oder der Bedienung dezentraler Börsen. Genau hier liegt die Marktanalyse eines potenziellen Brückeneffekts: ETFs könnten als „Bridge“ zwischen TradFi und DeFi fungieren, indem sie Komplexität auslagern und gleichzeitig eine regulierte Handelsoberfläche bieten.
Gleichzeitig bleibt die Risikoseite präsent, weil die Bekanntheit noch niedrig ist und der Wettbewerb sowohl aus TradFi als auch aus dem DeFi-Umfeld zunimmt. Geraci weist auf die offene Regulierungsfrage hin und macht deutlich, dass Awareness allein keine Garantie für nachhaltige Zuflüsse ist. Für die Anbieter ist außerdem entscheidend, wie schnell sich Kosten- und Produktdifferenzierung durchsetzen lassen, denn bei niedrigen Gebühren wirkt jeder Zehntelpunkt stärker, wenn der Markt wählt. 21Shares verweist zudem auf einen früheren Schritt in Europa, bei dem bereits im August 2025 ein entsprechendes HYPE-Produkt gelistet wurde. In der Praxis bedeutet das: Wer früh in verschiedenen Jurisdiktionen experimentiert, kann schneller skalieren, wenn sich die regulatorische Landschaft entspannt.
Regulatorisch bleibt Hyperliquid in den USA vorerst nicht verfügbar, was die Reichweite begrenzt. Pandl erwartet dennoch einen möglichen Zulassungspfad mit einem Zeithorizont bis 2027, der mit ausreichend regulatorischer Klarheit rund um dezentrale Börsen zusammenfallen könnte, sodass US-Nutzer später direkt teilnehmen können. Allerdings warnt der Markt, dass bis dahin bereits mehr Wettbewerb entsteht: Ein Wachstumsstory mit schnellen ETF-Zuflüssen kann das Produktinteresse anziehen, zugleich aber neue Anbieter auf den Plan rufen, die ähnliche Token-Ökonomien in ETFs verpacken wollen. Für Unternehmen und Entwickler ist das vor allem ein Signal: Der Zugang zu On-Chain-Mechaniken über standardisierte Investmentvehikel könnte in den nächsten Jahren mehr Ökosysteme an die klassischen Kapitalmärkte anbinden.
Aus dieser Entwicklung ergeben sich mehrere Implikationen für die nächsten Quartale. Erstens steigt der Bedarf an belastbaren Datenfeeds, Governance-Transparenz und sauberer Abbildung der Token-Mechanik in Index- und ETF-Logik, damit Anleger die Performance nachvollziehen können. Zweitens wird ein Security- und Compliance-Fokus wichtiger, weil die Brücke zwischen DeFi und TradFi nur dann tragfähig bleibt, wenn technische Risiken wie Smart-Contract-Ausfälle, Manipulationspfade oder Verwahrungs-/Abwicklungsfragen über Audits und klare Betriebsprozesse adressiert werden. Drittens könnte sich das Geschäftsmodell von „Return Engines“ stärker durchsetzen: Token-Modelle, deren Wert sich direkt an Gebühren- und Rückkaufmechanismen knüpft, werden für institutionelle Akteure attraktiver. Und viertens: Wenn der Regulierungsrahmen tatsächlich bis 2027 präziser wird, könnte der Wettbewerb bereits deutlich härter sein, während der Markt gleichzeitig breiter wird.
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