SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – Hyperliquid Labs will in Singapur sichtbar werden, obwohl die Monetary Authority of Singapore (MAS) perps und Kryptowährungen für die breite Öffentlichkeit als zu riskant einordnet. Im Raum steht der Auftritt von Gründer Jeff Yan auf der Konferenz Token2049, begleitet von Diskussionen um den Regulierungsstatus. Hyperliquid wirbt nach eigenen Angaben nicht mit einer MAS-Lizenz für seine unregulierten Perpetual-Futures. Damit verschärft sich die Frage, wie ein Stadtstaat Innovation fördern will, ohne die Risikoklasse der Produkte zu unterschätzen.

In Singapur prallen derzeit zwei Kräfte aufeinander: Der Ruf des Stadtstaats als Technologie- und Finanzstandort und die wachsende Skepsis gegenüber bestimmten Krypto-Strukturen. Besonders sichtbar wird das an Hyperliquid Labs, das nach Darstellung der Berichterstattung als eines der „heißesten“ Unternehmen der Branche gilt und zugleich als Beispiel für riskantere Krypto-Derivate herangezogen wird. Der Gründer und CEO Jeff Yan soll im Rahmen der Konferenz Token2049 in Singapur sprechen, die als größtes Krypto-Event der Branche vermarktet wird. Für die Aufsicht ist der Zeitpunkt heikel, weil Hyperliquid sich in diesem Marktumfeld gerade nicht als klassisch reguliertes Derivatgeschäft positioniert, sondern als Plattform für sogenannte Perpetual Futures, kurz „Perps“.
Technisch sind Perps für viele Marktteilnehmer deshalb attraktiv, weil sie spekulatives Trading auf Preisbewegungen ermöglichen, ohne dass Trader bei jeder Preisstellung physische Lieferungen organisieren müssen. Anders als bei traditionellen Terminprodukten laufen diese Kontrakte in der Regel nicht aus, sondern „laufen“ fort und werden über ein Mechanismus-Setup an den Spotpreis des jeweiligen Basiswerts gebunden. Die Idee dahinter: Während Perps kein festes Verfallsdatum erzwingen, koppeln Mechanismen wie Funding-Mechanismen und Preisanker das Derivatverhalten an den Markt für den jeweiligen Vermögenswert. Gerade diese Kombination aus dauerhaftem Handel und offener Positionsstruktur hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Perps auch dann genutzt wurden, wenn reguläre Handelszeiten oder Liquiditätsfenster eingeschränkt sind.
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik an. Verbraucher- und Marktadressaten beschreiben Perps häufig als „besonders gefährliches Produkt“ innerhalb des Krypto-Ökosystems, weil die Struktur typischerweise mit hoher Verschuldung (Leverage) und einem schwerer abzuschätzenden Risikoprofil einhergeht. In der Praxis hängt die Gefährdung nicht nur vom Produkt ab, sondern auch von der Handelsmechanik: Offene Positionen können bei starken Kursbewegungen schnell in einen Bereich geraten, in dem Verluste überproportional werden. Dass Hyperliquid in Singapur mit einem entsprechenden Produktangebot präsent ist, bringt die Monetary Authority of Singapore in ein Dilemma, das in der Finanzaufsicht klassisch ist: Der Stadtstaat will Innovation in digitalen Vermögenswerten für institutionelle Akteure fördern, hält aber Kryptowährungen für Privatanleger nicht für ausreichend passend, um sie ohne besondere Schutzmechanismen breit zuzulassen.
Reibung entsteht zudem beim Regulierungsverständnis. MAS hat in dem Kontext betont, Hyperliquid nicht wie ein reguliertes Angebot in einer „major jurisdiction“ zu sehen und warnt Investoren ausdrücklich davor, dass Perps möglicherweise nicht in den eigenen Aufsichtsbereich fallen. Gleichzeitig berichten Personen mit Einblick in die Überlegungen der Aufsicht, dass MAS den Sitz von Hyperliquid wegen dessen „dezentraler“ Ausgestaltung nicht automatisch als Grundlage für die Jurisdiktion interpretiere. Hyperliquid widerspricht dem jedoch: Das Unternehmen habe gegenüber der Berichterstattung bestätigt, in Singapur ansässig zu sein, und verweist unter anderem auf Stellenanzeigen, in denen „Singapore office“ explizit genannt war, sowie auf Dokumente, in denen Singapur als registriertes Headquarter erscheint. Auf dieser Basis bleibt die Kernfrage offen, wie MAS den konkreten Betriebs- und Steuerungsort sowie die regulatorische Verantwortlichkeit entlang der Plattformlogik bewertet.
Singapur hat dieses Spannungsfeld nicht zum ersten Mal. Der Stadtstaat galt lange als „Crypto Paradise“, weil viele Handels- und Plattformbetreiber dort ihre Strukturen aufgebaut haben. Doch der Zusammenbruch mehrerer Akteure hat das Vertrauen beschädigt: Terraform Labs sei den Angaben zufolge im Umfeld des TerraUSD-Crashs 2022 registriert gewesen, und Three Arrows Capital habe als in Singapur gestartetes Vehikel zunächst den Status als Fondsverwalter genutzt, bevor es später in den USA in eine Insolvenz gegangen sei. Auch die Vorgehensweise der Aufsicht hat Maßstäbe gesetzt: Ein angekündigtes Vorgehen gegen unlizenzierte Krypto-Börsen in Singapur zwang manche Anbieter innerhalb kurzer Zeit zur Schließung oder zum Umzug ins Ausland. In der Rückschau wird das von Marktbeobachtern als ein gezielter „Bereinigungs“-Schritt interpretiert, der unerwünschte Spieler schnell identifizieren soll.
Parallel dazu zeigt ein Blick über Singapur hinaus, dass Perps-regulatorisch keineswegs einheitlich behandelt werden. In Großbritannien habe die Financial Conduct Authority Investoren gewarnt, Hyperliquid nicht zu regulieren, während in den USA perps für Privatanleger in diesem Jahr den Weg in den Handel gefunden hätten. Präsident Donald Trump habe im August zudem erklärt, die zuständige US-Behörde arbeite daran, Hyperliquid in die USA „vollständig compliant und legal“ zu bringen. Für Unternehmen ist das mehr als ein politisches Signal: Es bedeutet, dass der regulatorische Umbau oft nicht an der Technologie allein hängt, sondern an juristischen Rahmenbedingungen, Kundensegmentierung und daran, ob ein Angebot als reguliertes Derivat oder als nicht-regulierte Plattformstruktur betrachtet wird. Hyperliquid selbst betont laut Darstellung, nicht als von MAS lizenziert oder autorisiert aufzutreten und dennoch im Dialog mit Regulierern bleiben zu wollen.
Für den Markt in Singapur wird es zusätzlich spannend, weil auch traditionelle Infrastrukturanbieter auf ähnliche Produkte zielen. Die lokale Börse SGX soll auf dem Weg sein, als erste klassische Börse Perps-Produkte für US-Institutionen anzubieten, nachdem bereits Produkte in Singapur gestartet wurden. MAS differenziere dabei laut Darstellung „fundamental“ zwischen SGX-Ansätzen und Hyperliquid: SGX-Produkte seien für institutionelle Investoren konzipiert, während MAS Kryptowährungs- und Spekulationsaktivitäten für Privatanleger als zu riskant einstuft und entsprechende Maßnahmen zur Abschreckung ergreift. Genau in dieser Trennlinie liegt der strategische Hebel für Enterprise-Entscheider: Wer in Singapur adressiert, sollte nicht nur auf die Produktmechanik schauen, sondern auch auf den regulatorischen Zuschnitt, die Zielgruppe und die Frage, wie Clearing-, Risikomodell- und Aufsichtskanäle konkret ausgestaltet sind.
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