DRESDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf bündelt mehrere Projekte, die digitale Geodaten aus dem Altbergbau nutzbar machen und Rohstoffgewinnung effizienter planen sollen. Der Bund stellt den beteiligten Teams dafür knapp 20 Millionen Euro Fördermittel in den kommenden drei bis fünf Jahren bereit. Im Fokus stehen besonders kritische Metallrohstoffe, deren Versorgung für Industrie und Energiewende zunehmend riskant wird. Die Arbeiten zielen zugleich auf Robustheit, Datenqualität und eine bessere industrielle Umsetzbarkeit ab.

Die sichere Versorgung mit Rohstoffen rückt für Industrie, Energie- und Mobilitätssektor zunehmend in den Mittelpunkt politischer und technologischer Strategien. In Dresden startet dafür ein Bündel an Forschungsprojekten am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), das explizit die Grundlage für mehr Versorgungssicherheit schaffen soll. Der Bund fördert die beteiligten Forscherteams in den nächsten drei bis fünf Jahren mit knapp 20 Millionen Euro, um sowohl die Erkundung potenzieller Lagerstätten als auch die Verarbeitung komplexer Erze voranzutreiben. Damit bewegt sich das Vorhaben in einem Spannungsfeld aus knapper Verfügbarkeit, geologischen Unsicherheiten und dem Anspruch, Lieferketten resilienter zu gestalten.
Ein Schwerpunkt liegt auf der digitalen Erfassung geologischer Informationen, insbesondere im Kontext des Altbergbaus. Die Forschenden entwickeln dafür Technologien, mit denen sich historische Daten, Messwerte und vorhandene Unterlagen schneller und präziser strukturieren lassen, sodass sie für die moderne Lagerstättenerkundung nutzbar werden. Technisch bedeutet das typischerweise mehr als „Digitalisieren“: Es geht um konsistente Datenmodelle, robuste Entnahme von Signalmerkmalen aus heterogenen Quellen und um die Verknüpfung dieser Informationen mit modernem geowissenschaftlichem Kontext. Im Ergebnis können Explorationsteams früher entscheiden, welche Areale sich wirtschaftlich und technisch lohnen.
Parallel dazu adressiert ein weiteres Projekt die Gewinnung von Gold und strategischen Metallen aus polymetallischen Erzen. Polymetallische Lagerstätten sind für die Industrie interessant, weil sie mehrere nutzbare Komponenten enthalten, zugleich aber auch die Aufbereitung und Trennung technisch komplexer machen. Genau hier setzt die Forschung an: Ziel ist es, Verfahren so weiterzuentwickeln, dass Ausbeute, Prozessstabilität und Materialeffizienz steigen, während der Ressourcen- und Energieeinsatz besser steuerbar bleibt. Aus Sicht der KI-gestützten Prozessoptimierung ist das besonders relevant, weil sich Qualitätsdaten aus Messungen, Laborergebnissen und Prozessparametern mit datengetriebenen Modellen koppeln lassen, um Abweichungen schneller zu erkennen und zu kompensieren.
Wie Branchenexperten berichten, verschärft sich der Druck auf „kritische“ Metallrohstoffe zusätzlich durch die Industrialisierung der Energiewende. Viele der Technologien, die den Alltag prägen, von E-Autos über Solaranlagen bis hin zu Smartphones, hängen an Materialketten, die nicht beliebig ersetzbar sind. Damit steigt das Risiko von Engpässen, steigenden Beschaffungskosten und politisch beeinflussten Lieferströmen. Die EU reagierte darauf mit dem Critical Raw Materials Act, der politische Leitplanken setzt, um Versorgungslücken zu verringern und strategische Souveränität zu stärken. Das HZDR-Vorhaben passt hier besonders gut, weil es zugleich Erkundung (Daten und Auswahl) und Verarbeitung (Rohstoffausnutzung) adressiert.
Auch im Wettbewerb mit anderen Forschungs- und Technologieakteuren entscheidet sich, wer Daten schneller in belastbare Entscheidungen übersetzen kann. In Deutschland treiben neben Helmholtz-Einrichtungen beispielsweise auch Teile des Fraunhofer-Netzwerks sowie geowissenschaftliche Institute der Bundesebene digitale Erkundungs- und Aufbereitungskonzepte voran, oft mit unterschiedlichem Fokus auf Materialanalytik, Prozesskette oder Systemintegration. Was das Dresdner Projekt hervorhebt, ist der Zielkonflikt aus Zeit, Genauigkeit und Skalierung: Daten aus dem Altbergbau müssen so aufbereitet werden, dass sie in modernen Explorations-Workflows funktionieren, ohne dass Teams jeden Datensatz manuell nacharbeiten. Gerade dieser Punkt wird von Expertinnen und Experten als Schlüsselfaktor genannt, um aus „Historie“ wieder strategisches Kapital zu machen.
Im Ausblick können sich für Unternehmen mehrere praktische Hebel ergeben: Erstens verbessern bessere, digital konsolidierte Geodaten die Planbarkeit von Exploration und reduzieren Folgekosten durch Fehlentscheidungen. Zweitens erhöhen effizientere Verfahren für polymetallische Erze die Chance, auch unter veränderten Rohstoffpreisen wirtschaftlich zu bleiben, weil weniger Material „verloren“ geht und Prozesse stabiler laufen. Drittens entsteht durch die Kopplung von Sensorik, Labor- und Prozessdaten eine Grundlage für skalierbares Monitoring in der Produktion. Dabei bleiben Sicherheits- und Compliance-Aspekte entscheidend, etwa wenn Daten aus historischen Bergbauakten rechtlich oder inhaltlich unvollständig sind. Wenn die Ergebnisse wie geplant innerhalb der Förderphase in Pilotansätze überführt werden, dürfte das HZDR-Projekt damit nicht nur Forschungserkenntnisse liefern, sondern mittelfristig messbar die industrienahe Rohstoffkompetenz stärken.
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