LONDON (IT BOLTWISE) – Das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) hat beschlossen, keine neuen Prüfungsstandards für Künstliche Intelligenz einzuführen. Stattdessen werden flexible Leitlinien entwickelt, um den dynamischen Technologiewandel zu bewältigen. Diese Entscheidung basiert auf umfangreichen Konsultationen mit Experten und soll Prüfungsunternehmen weltweit unterstützen.

Das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) hat sich entschieden, vorerst keine starren Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaftsprüfung zu etablieren. Stattdessen setzt das Gremium auf die Entwicklung flexibler Praxishilfen, um den rasanten technologischen Wandel zu adressieren. Diese Entscheidung folgt auf Konsultationen mit über 240 Experten und zielt darauf ab, Prüfungsunternehmen weltweit bei der Anwendung bestehender Regelwerke auf KI-Anwendungen zu unterstützen.
Die dynamische Entwicklung von KI-Systemen hat das IAASB dazu veranlasst, auf die sofortige Schaffung neuer, verbindlicher Standards zu verzichten. Stattdessen werden nicht-autoritative Leitlinien entwickelt, die den risikobasierten Ansatz der neuen Qualitätsmanagementstandards ISQM konkretisieren. Diese Standards bieten bereits ein robustes Fundament, das nun auf KI-spezifische Herausforderungen übertragen werden soll. Ein detaillierter Aktionsplan wird für die Vorstandssitzung im März 2026 erwartet.
Ein zentrales Thema der Konsultationen war die Bewertung der Eignung komplexer KI-Systeme, deren Entscheidungswege oft intransparent bleiben. Die Leitlinien müssen Prüfern klare Kriterien an die Hand geben, wann sie sich auf KI-Ergebnisse verlassen können und wann eine manuelle Nachprüfung unerlässlich ist. Die finale Verantwortung muss beim menschlichen Prüfer bleiben, um das Vertrauen in jede Abschlussprüfung zu gewährleisten.
Prüfer und Prüfungsgesellschaften, die KI-Systeme einsetzen oder bewerten, stehen zudem vor neuen rechtlichen Pflichten. Ein praxisnaher Umsetzungsleitfaden zur EU-KI-Verordnung erklärt Risikoklassen, Kennzeichnungspflichten und die notwendigen Dokumentationsanforderungen, um Compliance sicherzustellen und Bußgelder zu vermeiden. Diese Entwicklungen bestätigen indirekt die jüngsten Reformen der ISQM-Standards, die einen proaktiven, risikobasierten Ansatz verfolgen.
Für Deutschland beobachten das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) und die Wirtschaftsprüferkammer (WPK) die internationalen Entwicklungen genau. Sie werden die Leitlinien voraussichtlich in nationale Verlautbarungen und die Berufspraxis überführen. Die Branche steht vor einem Balanceakt: Sie muss die Effizienzvorteile der KI nutzen, ohne die fundamentalen Säulen der Prüfung – Qualität, Unabhängigkeit und Skepsis – zu beschädigen.
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