LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – iBonds-ETFs von BlackRock kombinieren die Diversifikation eines Fonds mit einer fest definierten Laufzeit. Genau deshalb entscheidet das Kreditrating der enthaltenen Anleihen stärker als bei klassischen, offenen Bond-ETFs. High-Yield-Segmente liefern zwar höhere laufende Erträge, aber das Ausfallrisiko und damit der reale Rückfluss bis zum Laufzeitende können die Rendite deutlich schmälern. Der Artikel ordnet die Unterschiede bei Ausfallraten, Portfoliostruktur und Renditezusammensetzung ein.

iBonds-ETFs zielen auf eine Eigenschaft ab, die viele Anleger im Bond-Bereich unterschätzen: Sie wollen den Zeitpunkt der Kapitalrückzahlung planbarer machen. Technisch entsteht dieser Effekt, weil das Fondsvehikel einen Term-Mechanismus nutzt und Anleihen mit einem gemeinsamen Fälligkeitsziel bündelt. Der zentrale Haken liegt jedoch im Detail: Am Laufzeitende ist nicht „garantiert“ im Sinne eines Staatsanleihenversprechens, sondern hängt daran, ob die im Portfolio enthaltenen Emittenten Zins und Rückzahlung leisten. Genau deshalb unterscheidet sich die Endrendite zwischen Investment-Grade- und High-Yield-iBonds oft stärker als die reine Blickrichtung auf die laufende Rendite vermuten lässt.
Der Unterschied beginnt beim Kreditrating und wirkt dann durch mehrere Renditebestandteile nach. Laut der „Annual Global Corporate Default And Rating Transition Study“ von S&P Global Ratings lag die Ausfallrate im Speculative-Grade zuletzt bei knapp vier Prozent pro Jahr, während sie im Investment-Grade-Segment auf rund 0,03 Prozent sank. Über den langfristigen Durchschnitt über Jahrzehnte ergibt sich ein ähnliches Bild: High Yield kommt auf gut drei bis dreieinhalb Prozent jährlich, Investment Grade auf lediglich 0,08 Prozent. Entscheidend ist auch die Verteilung der Ausfälle: Fast alle tatsächlichen Defaults entfallen auf Emittenten, die unmittelbar vor dem Ausfall im schwachen Bonitätsbereich lagen.
Für die Praxis wird dieser Zusammenhang im iBonds-Universum von BlackRock besonders sichtbar, weil dort zwei Kategorien mit definierter Laufzeit nebeneinander stehen: ETFs, die ausschließlich Investment-Grade-Anleihen halten, und solche, die auf High-Yield-Titel setzen. Damit ist das Risiko nicht „verschwommen“, sondern systematisch in der Portfoliozusammensetzung angelegt. Im High-Yield-iBonds 2029 (IBHI) entfallen laut BlackRock-Factsheet fast 16 Prozent auf CCC-bewertete Anleihen, weitere knapp 40 Prozent auf B-Ratings. Zusammengenommen liegt damit über die Hälfte des Portfolios in einem Segment, in dem Ausfälle historisch eben keine Ausnahme sind. Die Laufzeitstruktur kann das Ausfallrisiko dann innerhalb des Fondszeitfensters voll sichtbar werden lassen.
Weshalb die Mehrrendite nicht automatisch „Mehrertrag“ bedeutet, lässt sich an der Renditelogik festmachen. High-Yield-iBonds zahlen im Vergleich höhere laufende Erträge, weil der Markt eine Risikoprämie verlangt: So wies der iShares iBonds 2029 Term High Yield and Income ETF zuletzt eine 30-Day-SEC-Rendite von mehr als sieben Prozent aus, während der iShares iBoxx Investment Grade Corporate Bond ETF (LQD) bei gut fünf Prozent lag. Diese Differenz ist konzeptionell keine freie Marge, sondern eine Entschädigung für die höhere Wahrscheinlichkeit von Ausfällen und potenziellen Kapitalverlusten. Am Laufzeitende ist der Rückfluss dann oft niedriger als der Nennwert – besonders, wenn im Insolvenz- oder Restrukturierungsfall die Verwertungsquote nicht hoch genug ausfällt.
Ein weiterer Punkt, der in der Gesamtrendite häufig untergeht, ist der Charakter vieler Ausfallereignisse. Die S&P-Studie weist darauf hin, dass fast 60 Prozent der Ausfälle eines aktuellen Jahres sogenannte Distressed Exchanges waren: Schuldner tauschen dabei Anleihen zu schlechteren Konditionen um, ohne zwingend ein formelles Insolvenzverfahren einzuleiten. Für Fondsanleger bedeutet das, dass die „realisierte Endrendite“ überproportional gedrückt werden kann, weil der Rückfluss am Laufzeitende geringer ausfällt als ursprünglich angenommen. Ergänzend zeigt das Bank-of-England-Forschungspapier „Exploring the relationship between credit spreads and default probabilities“, dass Credit Spreads bei schlechterer Bonität stärker von der tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeit getrieben werden. Bei Investment Grade dominieren dagegen eher Marktfaktoren wie Liquiditätsprämien, was tendenziell stabilere Preisfindung begünstigt.
Auch die Portfoliostruktur liefert einen konkreten Vergleich der Risikoprofile. Der LQD hält laut Factsheet mehr als 3.000 Positionen und investiert überwiegend in A- und BBB-Ratings; rund 90 Prozent des Portfolios entfallen auf diese Bonitätskategorien. Gleichzeitig sind die Laufzeiten deutlich länger, wodurch zwar das Zinsänderungsrisiko steigt, das Ausfallrisiko pro Titel aber im historischen Mittel gering bleibt. Der High-Yield-iBonds ETF ist zwar mit rund 400 Positionen innerhalb des High-Yield-Segments breit gestreut, aber die Bonitätsverteilung liegt fast vollständig unterhalb von Investment Grade. Auffällig ist zusätzlich die Sektorgewichtung: Consumer Cyclical macht laut Angaben über 20 Prozent aus, gefolgt von Kommunikation und Technologie. In genau solchen Bereichen sind die sektor-spezifischen Ausfallraten laut S&P-Studie oft höher.
Da iBonds einen definierten Endtermin haben, kommt ein zeitlicher Aspekt hinzu, den klassische „Buy-and-hold“-Portfolios weniger transparent machen. S&P-Daten zeigen: Bei Emittenten mit ursprünglich B-Rating dauert es im Schnitt rund fünf Jahre bis zum Ausfall, bei CCC-Emittenten nur etwa zwei Jahre. Das ist für Term-ETFs relevant, weil die Risikorealisierung innerhalb des Fondszeitfensters passieren kann. Während Investment-Grade-iBonds damit eher wie ein Mechanismus für planbare Kapitalrückflüsse funktionieren, kann High-Yield stärker durch tatsächliche oder umstrukturierungsgetriebene Defaults in die Endrendite hineinwirken. Wie Branchenbeobachter es oft auf den Punkt bringen: „Die höhere Rendite ist hier in erster Linie eine Risikoprämie – und sie muss am Ende durch Rückflüsse verdient werden.“
Für die Marktpositionierung ist das auch über BlackRock hinaus relevant, weil Wettbewerber ähnliche Term- oder Fälligkeitskonzepte unterschiedlich schärfen. Andere Anbieter im Bond-ETF-Umfeld setzen zwar ebenfalls auf systematische Ratingscreenings, doch die konkrete Ausgestaltung der Laufzeit, der Rating-Engführung und der Rebalancing-Mechanik unterscheidet sich. Der Blick lohnt sich für Enterprise- und Vermögensverwaltungs-Teams besonders in Kombination mit internen Risikorichtlinien: Wer gestaffelte Fälligkeiten aufbauen will, kann iBonds für die Strukturierung nutzen, aber die Bonität sollte als Parameter erster Ordnung behandelt werden. Künftig dürfte außerdem der regulatorische Fokus auf Transparenz von Kreditrisiken und Produktaufschlüsselung die Relevanz von Rating- und Spread-Analysen weiter erhöhen, während Anleger in Niedrigzinsphasen tendenziell stärker zwischen Laufzeitplanung und Kreditqualität abwägen werden.
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