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NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – Auf der iENA in Nürnberg werden ab Samstag 600 Erfindungen aus rund 20 Ländern erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der Veranstalter wirbt dabei gezielt für den Kontakt zwischen freien Erfinderinnen und Erfindern sowie möglichen Forschungspartnern und Unternehmen. Laut DPMA entfallen bei Patentanmeldungen rund 95 Prozent auf große Unternehmen und Forschungseinrichtungen, nur etwa 5 Prozent auf freie Erfindende. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie ein NFC-geschützter Trinkschutz, „Sleep-Ride“ für Kinderwagenräder und ein Notfallstromkoffer, wie nah technische Idee und Alltag inzwischen beieinander liegen.

iENA in Nürnberg: 600 Innovationen, Patente und der Weg vom Prototyp zur Marktreife
iENA in Nürnberg: 600 Innovationen, Patente und der Weg vom Prototyp zur Marktreife (Foto: IT BOLTWISE)
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Die iENA ist jedes Jahr ein Stimmungsbarometer dafür, ob der deutsche Erfindergeist vor allem im klassischen Maschinen- und Automobilumfeld stattfindet oder ob sich neue Felder wie KI, Nachhaltigkeit und Elektromobilität tatsächlich in Prototypen übersetzen. In Nürnberg treffen ab Samstag rund 600 Erfindungen aus etwa 20 Ländern aufeinander, und der Messeauftritt soll nicht nur ausstellen, sondern vor allem Türen öffnen: zu Kontakten mit Forschungseinrichtungen, zu potenziellen Industriepartnern und damit zur Frage, wie eine Idee den Schritt von der Werkbank in den Markt schafft. Der iENA-Geschäftsführer Henning Könicke ordnet den Messecharakter als „einmalige Chance“ ein, die für viele Einzelpersonen besonders wertvoll ist, weil dort die passenden Gesprächspartner auf engem Raum zusammenkommen.

Aus Sicht des Schutzrechts wird schnell klar, warum diese Brückenfunktion für freie Erfinderinnen und Erfinder so entscheidend ist. Til Huber vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) beschreibt den Bedarf an Know-how, wenn es darum geht, eine Erfindung überhaupt erst zu sichern und später zu vermarkten. Besonders auffällig ist dabei die Verteilung der Patentanmeldungen: Etwa 95 Prozent gehen dem DPMA zufolge auf große Unternehmen und Forschungseinrichtungen zurück, während nur rund 5 Prozent von freien Erfinderinnen und Erfindern stammen. Das ist weniger ein reines Interessenproblem als ein Kapazitäts- und Prozessproblem, denn bürokratische Hürden bei der Patentanmeldung sowie beim späteren Vermarktungsweg können genau in den Phasen teuer werden, in denen aus einer technischen Idee erst ein belastbarer Business Case wird.

Auch die Zahlenlage zeigt, dass sich der Innovationsdruck nicht vollständig in Schubladen erledigt. Seit dem Einbruch während der Corona-Krise sind die Anmeldezahlen bei Patenten, Gebrauchsmustern und Marken dem DPMA zufolge bereits das vierte Jahr in Folge gestiegen. Für 2026 kann das Amt allerdings noch keine konkreten Werte nennen, zugleich deutet Huber an, dass in diesem Jahr beinahe wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht werden könnte. In der Praxis bedeutet das: Unternehmen und Forschungseinrichtungen nutzen Schutzinstrumente wieder stärker, während sich für Einzelpersonen die Lücke vor allem dann schließt oder vergrößert, wenn Finanzierung, juristische Begleitung und technische Weiterentwicklung zusammenkommen. Könicke greift diesen Punkt auf, indem er betont, dass Deutschland zwar über Erfindergeist verfügt, die Transformation aber schwerer fällt als in anderen Ländern.

Technisch und thematisch spiegelt sich das unter anderem in der Bandbreite der ausgestellten Ansätze. Viele Erfindungen auf der iENA drehen sich laut Messekommunikation um Nachhaltigkeit, KI, neue Baustoffe sowie Energiegewinnung. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung auch, dass Innovation nicht zwingend mit „großen Sprüngen“ beginnt: Alltagshelfer können genauso viel Potenzial haben wie klassische Industrietechnik. Beispiele dafür sind etwa Schwimmflügel oder goldene Rettungsdecken, die früher erstmals auf der Messe zu sehen waren und später offenbar den Weg in den Alltag fanden. Genau diese Geschichte liefert für Start-ups und Einzelerfinder einen wichtigen Realitätscheck: Sichtbarkeit auf der Messe kann der Anfang sein, aber die eigentliche Wirkung entsteht, sobald ein Produkt wiederholt verkauft, genutzt und verbessert wird.

Wie schnell technische Details in konkrete Lebenssituationen übersetzen, zeigt ein Standbeispiel besonders deutlich: Ein Schutz gegen K.o.-Tropfen für Gläser, entwickelt von Markus Duelli aus Ilmenau in Thüringen. Der Ansatz setzt auf einen Deckel, der sich nur mit einem in einem Ring verborgenen NFC-Chip öffnen lässt. Damit entsteht ein Sicherheitsmechanismus, der nicht nur „absichtlich“ reagiert, sondern die Interaktion zwischen Hardware und Nutzer vereinfacht: Der Schlüssel sitzt nah am Produkt, statt dass Anwender separate Systeme verwalten müssen. Duelli schildert, dass seine Familie viel Geld in die Entwicklung gesteckt hat und dass sich derzeit schwer abschätzen lässt, ob sie davon später auch leben können. Für ihn steht dennoch ein klarer Nutzennutzen im Vordergrund: Er möchte, dass seine Kinder wieder unbeschwert feiern gehen können.

Ähnlich praxisnah ist auch die „Sleep-Ride“-Idee von Christof Sommerauer. Dabei handelt es sich um Überzieher für die Räder von Kinderwagen, die Babys auch auf glattem Asphalt in den Schlaf schaukeln sollen. Technisch betrachtet geht es dabei um eine gezielte Veränderung von Reibung und Fahrverhalten im Zusammenspiel mit der Umgebung, nicht um eine hochkomplexe Elektroniklösung. Sommerauer investiert viel Zeit und betreibt das Ganze bisher als Nebenjob. Der Schritt Richtung Markt ist damit weniger eine Frage von „ob es funktioniert“, sondern eine Frage von Timing, Ressourcen und Skalierbarkeit: Wann er davon leben kann, soll der Markt entscheiden, bis dahin will er zumindest Eltern und Kindern helfen.

Eine ganz andere Perspektive auf den Produktweg liefert ein Projekt aus dem Energie- und Krisenschutzbereich: Liquid2Energy tritt mit einem Notfallkoffer an, der in Krisen Energie liefern soll. Die Zellen des Systems lassen sich dem Bericht zufolge einfach mit Wasser aktivieren. Die Idee stammt dabei von einem griechischen Erfinder, der das Konzept zunächst nicht patentieren ließ; Liquid2Energy führt die Technologie nun nach Deutschland über. In Pilotprojekten sollen zunächst Rettungsdienste und der Katastrophenschutz den Koffer testen, bevor später Modelle für den Hausgebrauch folgen sollen. Das ist ein typischer Weg, bei dem die Validierung in realen Einsatzkontexten den Übergang in den Massenmarkt vorbereitet: Erst die Belastungs- und Akzeptanztests, dann die Ausweitung auf „normal nutzbare“ Produkte.

Für Entscheider in Unternehmen und für Partner aus Forschung und Entwicklung ist die iENA deshalb mehr als eine reine Schaufensterveranstaltung. Sie macht sichtbar, wo Prototypen derzeit ansetzen: einmal beim Patentschutz und bei den Hürden, die freie Erfinder bremsen, und daneben bei technischen Lösungen, die konkrete Probleme adressieren – vom NFC-gestützten Schutzmechanismus bis zur energiespezifischen Aktivierung über Wasser. Für die weitere Entwicklung dürfte entscheidend sein, ob sich die Lücke in der Patent- und Schutzquote zwischen großen Akteuren und freien Erfindern durch begleitende Strukturen verringert: etwa durch Beratungsangebote, gezielte Finanzierung in der frühen Phase oder Partnerschaften, die von der technischen Ausreifung bis zur Vermarktung reichen. Genau an diesem Punkt können Unternehmen ihren Impact besonders schnell messbar machen, wenn sie nicht nur die „Ideen“ sehen, sondern die nächsten Schritte systematisch mitplanen.

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