LONDON (OFFICE) / LONDON (IT BOLTWISE) – IKEA hat die KALLSUP-Kleinlautsprecher für das Ketten mehrerer Geräte beworben, doch getestet wurde das im Alltag kaum. In einem Londoner Büro entstand daher eine echte „Wall of Sound“ aus 150 Stück – bis am Ende wegen eines Transportschadens 149 Geräte spielten. Die Kette ließ sich laut Bericht in rund 30 Minuten aufbauen und reagierte auch bei steigender Lautstärke noch stabil. Entscheidend bleibt aber: Für „Hi‑Fi“ reicht das Prinzip nur bedingt, selbst wenn es bei moderatem Pegel überraschend geschlossen wirkt.

Was als Marketing-Claim klingt, wird selten im echten Haushalt geprüft: IKEA nennt für seine sehr günstigen Bluetooth-Lautsprecher KALLSUP die Möglichkeit, mehrere Geräte miteinander zu koppeln und als Klangwand zu nutzen. Genau diese Lücke haben Entwickler aus dem Umfeld eines Technik-Tests geschlossen – nicht mit einer Labor-Apparatur, sondern mit einem Stapel aus 150 baugleichen Lautsprechern im Londoner Büro. Damit sollte vor allem beantwortet werden, ob das Ketten wirklich „vom Smartphone aus“ funktioniert und wie weit sich die Kopplung praktisch treiben lässt, wenn nicht 2 oder 3 Geräte, sondern eine ganze Reihe Mini-Würfel beteiligt sind.
Im Zentrum steht die KALLSUP-Hardware: pro Lautsprecher arbeitet ein einzelner 1,8-Zoll-Full-Range-Treiber mit einem 3-Watt-Verstärker, ergänzt um Bluetooth 5,3. Es gibt damit keine klassische Aufteilung in Hochtöner und Tieftöner – der Klang entsteht also aus einem einzigen Chassis, das entsprechend begrenzen muss, was Frequenzgang und Basswiedergabe leisten. Für den Einzelbetrieb klingt das Gerät „okay“, aber etwas blechern; die typischen Probleme günstiger Vollbereichssysteme – fehlende Tiefbass-Power und ein eher dünnes Grundbild – werden auch im Test nicht wegdiskutiert. Die Frage ist also nicht, ob jeder einzelne KALLSUP überzeugt, sondern ob viele kleine Treiber zusammen den Nachteil im Aggregat überdecken.
Der technische Ablauf der Kopplung wirkt bewusst simpel: Nach dem Pairing eines KALLSUP mit dem Zuspielgerät – im Test ein iPhone 16 Pro – wird der nächste Lautsprecher im laufenden Betrieb zugeschaltet. Dazu wird der weitere Würfel eingeschaltet und der Play-Knopf so lange gehalten, bis ein Signalton den Wechsel in den „Multi-Speaker“-Modus bestätigt; danach startet das neue Gerät synchron die Wiedergabe dessen, was bereits über Bluetooth verbunden ist. Laut Bericht dauerte das Verketten aller Geräte nicht Stunden, sondern etwa 30 Minuten. Interessant ist zudem die Beobachtung, dass die Grenze nicht schon früh erreicht wurde: Zwar stieg bei größeren Ketten die Wahrscheinlichkeit, dass ein zusätzlicher Lautsprecher beim ersten Versuch nicht sofort in die Kette springt, aber bis zum Aufbauende verweigerte keiner der aktiven Geräte mehr als zweimal die Mitspielbereitschaft.
Bei der eigentlichen „Wall of Sound“ gab es allerdings einen Einschnitt: Während der Versandphase aus Schweden ging offenbar ein einzelner KALLSUP zu Schaden. Das betroffene Gerät zeigte sich beim Hochfahren zwar im Lichtbild korrekt, produzierte aber nur ein bedrohliches Rasseln und weigerte sich danach vollständig, Audio wiederzugeben. Dadurch endete die Kette faktisch bei 149 Lautsprechern statt der angepeilten 150. Rechnet man das in die Physik eines einzelnen Treibers um, wird die Größenordnung greifbar: Mit 149 Einzeltreibern entspricht die kombinierte wirksame Treiberfläche in etwa einem einzigen großen 22-Zoll-Fahrer. Und weil jeder KALLSUP eine eigene 3-Watt-Stufe besitzt, ergibt sich rechnerisch eine „rated output“-Summe von 447 Watt – auch wenn das akustische Verhalten nicht wie ein einzelner 447-Watt-Subwoofer oder ein konventionelles Großsystem ausfallen kann.
Auch das Hören zeigt, wo das Prinzip stark ist und wo es an Grenzen stößt. Bei dem Aufbau wurde erst bei 100 Einheiten gestoppt, um die Lautstärke des Zwischenstands zu charakterisieren, bevor die Kette weiter auf Maximum getrieben wurde. Das Kollektiv wurde dabei deutlich lauter, als man für ein System aus 10-Dollar-Geräten erwarten würde. Laut Bericht war das Ergebnis bei maximalem Pegel eher „Feueralarm“ als „Hi‑Fi“: Die Lautstärke war so hoch, dass Gesprächspartner sich gegenseitig kaum hörten und die Wiedergabe stark an Detail und Tonform einbüßte. Gleichzeitig blieb der Stapel mechanisch erstaunlich stabil – trotz der Sorge, dass die gemeinsamen Vibrationen die Konstruktion destabilisieren könnten.
Spannend wird es beim Vergleich mit einem „normalen“ Party-Lautsprecher, der ohne Mini-Armee auskommt: Getestet wurde parallel das LG Xboom Stage 501, ein Gerät mit 5,25-Zoll-Woofern, 2,5-Zoll-Full-Range-Treibern und digitaler Signalverarbeitung. Beide Systeme erreichten im Test vergleichbar unangenehm laute Pegel, aber das LG lieferte erwartbar einen volleren und tieferen Bass sowie ein musikalisch stimmigeres Gesamtbild. Der Grund liegt weniger im Marketing als in der Architektur: Ein größeres System kann Frequenzbereiche kohärenter abdecken, während die KALLSUP-Kette zwar den Schalldruck erhöht, aber die Abbildung von Tiefen und die zeitliche Präzision je Treiber weiterhin begrenzt. Im Test werden sogar kleine Timing-Differenzen als möglicher Faktor für den Verlust an Klarheit bei höherer Lautstärke genannt.
Unterm Strich ist der Wert des Experiments weniger eine Empfehlung für den heimischen Einsatz, sondern ein Belastungstest für die Ketten-Funktion. Immerhin funktionierte das Multi-Speaker-Setup so weitgehend zuverlässig, dass nur ein einziger Ausfall durch den Versandprozess auffiel. Allerdings zeigen die Hinweise zur steigenden Ausfallrate beim Überschreiten von 100 Einheiten, dass die Skalierung nicht grenzenlos ist – IKEA nennt die Kette als prinzipiell möglich, aber die Praxis hängt an sehr vielen Faktoren wie Signalstabilität, Gerät-zu-Gerät-Handshake und möglichen Toleranzen in der Firmware. Für Unternehmen, die solche Consumer-Setups als „Community“-oder Event-Technik im Blick haben, ist das trotzdem relevant: Die Demo zeigt, dass drahtlose Mehrgeräte-Arrays ohne spezielle Sonderhardware machbar sind – allerdings mit dem klaren Ergebnis, dass man für dauerhaft hochwertige Wiedergabe nicht um ein besser abgestimmtes Lautsprechersystem herumkommt.
Wenn man der KALLSUP-Idee eine realistische Grenze geben will, lautet sie vermutlich: als unkomplizierte, kostengünstige Erweiterung funktioniert das Konzept gut – als Klangmonolith für echte Audiotreue bleibt es dagegen ein Experiment. Doch genau darin liegt der Reiz: Man kann per Smartphone sehr schnell sehr viele günstige Treiber synchronisieren, die Lautstärke spürbar steigern und dabei eine überraschend geschlossene Gesamtwirkung bei moderaten Pegeln erreichen. Der Bericht macht damit deutlich, warum solche Tests in der Technikbranche trotz ihres spielerischen Charakters ernst genommen werden: Sie prüfen nicht nur Sound, sondern auch Skalierbarkeit, Synchronisationsmechanismen und die Robustheit der Kopplungslogik im Feld. Und selbst ohne Weltrekord-Niveau zeigt die KALLSUP-Wall, dass „zu viel des Guten“ manchmal zumindest bis knapp unter 150 geht.
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