SCHWEIZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Ikea-Wohnmonitor zeigt: 66 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich zu Hause nur dann wohl, wenn die Wohnung aufgeräumt ist. Gleichzeitig entspricht der Alltag bei 63 Prozent tatsächlich diesem Anspruch. Besonders spannend: Viele greifen bei Ordnungslücken zu behelfsmäßigen Lösungen – und im Zusammenleben wird Unordnung zum regelmäßigen Streitthema. Die Befragung basiert auf 2410 Interviews und macht deutlich, wo im Wohnalltag die größten Konflikte entstehen.

Ordnung ist im Alltag der Schweizer Haushalte nicht nur eine Frage von Ästhetik, sondern wird laut dem „Ikea-Wohnmonitor“ direkt an Wohlbefinden gekoppelt. 66 Prozent der Befragten sagen, sie fühlten sich zu Hause nur dann wirklich wohl, wenn die Wohnung aufgeräumt ist; 63 Prozent erleben diese Vorstellung im Alltag auch tatsächlich so. Damit rückt das Thema vom individuellen Lifestyle ins Zentrum von Routinen: Wer sich regelmäßig mit Stauraum, Sichtachsen und „was kommt wohin?“ beschäftigt, steuert offenbar auch die gefühlte Alltagsqualität.
Interessant ist dabei, dass der Monitor die Umsetzungsgeschwindigkeit und die eingesetzten Strategien sichtbar auseinanderzieht. 59 Prozent räumen mindestens wöchentlich systematisch auf, während 48 Prozent Dinge eher behelfsmäßig beiseiteschieben. Noch deutlicher werden die Unterschiede nach Alter: Bei den unter 35-Jährigen nutzen 55 Prozent solche Notlösungen, bei den über 55-Jährigen schaffen 68 Prozent hingegen systematisch Ordnung. Diese Spannweite deutet darauf hin, dass „Aufräumen“ im Alltag weniger als ein einzelner Akt verstanden wird, sondern als Kombination aus Planung, Habit und der Fähigkeit, auch sperrige Kategorien konsequent zu sortieren.
Beim Entrümpeln zeigt sich dann, wo der Anspruch häufig an der Realität scheitert. Zwar nehmen sich 55 Prozent jährlich eine Entrümpelung vor, aber nur 38 Prozent führen sie am Ende auch durch. Als klassische Problemzonen nennt der Wohnmonitor vor allem Nebenräume: Der Keller gilt für 29 Prozent der Befragten als der am schwersten zu ordnende Ort, dicht gefolgt vom Reduit mit 21 Prozent. Zudem lagern rund 70 Prozent selten Genutztes im Keller; darunter befinden sich bei 79 Prozent saisonale Artikel und bei 74 Prozent sentimentale Erinnerungsstücke. Selbst der „wertvolle Gegenstand“ ist damit emotional aufgeladen: Für ein Drittel der Befragten sind Fotos die wichtigsten Dinge.
Die Untersuchung macht aber auch deutlich, dass viele Haushalte mit Zwischenlösungen arbeiten, statt das System komplett neu aufzuziehen. 96 Prozent nutzen einen festen Ort, um Dinge vorübergehend unterzubringen – und 75 Prozent verfügen über eine klassische Chaos-Schublade, bei der teils mehrere Stück im Haushalt vorkommen. Besonders häufig landen darin Elektronikartikel (60 Prozent) und Büromaterial (41 Prozent). Ähnlich pragmatisch funktioniert auch der Kleiderstuhl: 58 Prozent nutzen Stuhl oder Sessel für getragene Kleidung, 28 Prozent greifen zur Kleiderleiter. Im Schnitt landen dort 3 bis 4 Kleidungsstücke, wobei Frauen im Mittel auf 4,2 und Männer auf 3,4 Teile kommen; hinzu kommt, dass offenbar nicht jeder den Überblick behält, denn nur jede zweite Person kennt den genauen Inhalt des Vorratsschranks.
Damit verbunden ist ein soziales Konfliktpotenzial, das der Wohnmonitor klar benannt. 56 Prozent der Haushalte verzeichnen mindestens einmal im Monat Diskussionen über Ordnung; 26 Prozent sogar mindestens wöchentlich. Als Streitpunkte rangiert das Thema vor anderen Bereichen wie Sauberkeit und Hygiene (20 Prozent), Bildschirmzeiten (19 Prozent) sowie der Verteilung der Hausarbeit (10 Prozent). In Familien mit Kindern von 7 bis 13 Jahren führen fast drei Viertel (72 Prozent) wöchentlich Gespräche über Spielsachen. In Partnerschaften zeigt sich zudem eine unterschiedliche Wahrnehmung: Während 65 Prozent der Männer die Hausarbeit als gleichmäßig aufgeteilt sehen, geben 57 Prozent der Frauen an, die Hauptverantwortung zu tragen. Schon daraus kann sich Alltagsspannung entwickeln – und Unordnung wirkt offenbar als Trigger, denn 37 Prozent der Frauen ärgern sich mindestens einmal pro Woche über Unordnung, bei den Männern sind es 28 Prozent.
Das führt dann bis zu Maßnahmen, die eher auf Konflidernzen als auf langfristige Struktur setzen: Knapp die Hälfte der Frauen und ein Viertel der Männer haben bereits Gegenstände anderer entsorgt; 36 Prozent davon sogar heimlich. Ein Drittel versteckt zudem Dinge vor Mitbewohnern, in Familien sogar 41 Prozent; am häufigsten geht es dabei um intime Gegenstände (51 Prozent) und Snacks (35 Prozent). Für die Praxis bedeutet das: Wer in Haushalten Ordnung schaffen will, muss nicht nur Stauraum „bereitstellen“, sondern auch die psychologische und soziale Dimension mitdenken – also klare Regeln, sichtbarere Zuständigkeiten und weniger Anreize für verdecktes Handeln. Technisch betrachtet ist der Befund damit auch ein Hinweis darauf, wie stark sich Routinen durch messbare Reibungspunkte verändern lassen: Sobald das System aus Ablage, Zugänglichkeit und Entscheidungskriterien für alle nachvollziehbar ist, sinkt tendenziell der Aufwand für Umwege.
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