BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die ILA Berlin geht am Flughafen BER mit rund 110.000 Besuchern und damit einem Plus gegenüber 2022 zu Ende. Im Umfeld der Messe kündigt die Branche nach dem FCAS-Aus konkrete Schritte für ein neues Kampfflugzeug an. Gleichzeitig sorgten Protestaktionen für eine angespannte Sicherheitslage rund um den Zugang. Der Abschluss zeigt, wie eng Luft- und Raumfahrt als Industrie- und Technologieplattform mit geopolitischen Erwartungen, Exportregeln und Cybersicherheitsfragen verknüpft ist.

ILA Berlin endet mit Besucherplus – neue Kampfflugzeug-Pläne nach FCAS
ILA Berlin endet mit Besucherplus – neue Kampfflugzeug-Pläne nach FCAS (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin (ILA Berlin) ist am Flughafen BER zu Ende gegangen und hat dabei nicht nur ein Schlagwort-Programm geliefert, sondern messbar mehr Publikum angezogen. Rund 110.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen zur Messe gekommen sein, berichten die Veranstalter. Zwei Jahre zuvor waren es 95.000 Gäste. Dieses Besucherplus wirkt wie ein Indikator dafür, dass trotz wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Spannungen das Interesse an Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungstechnologien hoch bleibt. Wie die Hauptgeschäftsführerin des BDLI, Marie-Christine von Hahn, betonte, sind Luft- und Raumfahrt zugleich Schlüsselindustrie und strategische Infrastruktur.

Technisch lässt sich die ILA dabei als Schaufenster für mehrere Entwicklungspfade lesen: von neuen Flugvorführungen über modernisierte Avionik bis hin zu Sensorik, die sowohl zivile als auch militärische Anforderungen adressiert. An einem Messestand laufen solche Themen selten als isolierte Produktdemonstration, sondern als Kombination aus Systemintegration, Datenverarbeitung und Prototyp-Validierung zusammen. Genau deshalb sind Flug- und Demonstrationsformate so wichtig: Sie zeigen, ob Konzepte wie Effizienzsteigerungen oder verbesserte Navigations- und Kommunikationsketten im realen Betrieb funktionieren. Dass zivile und militärische Vorführungen nebeneinander stattfanden, unterstreicht den Industrieanspruch, Technologien über Domänengrenzen hinweg zu skalieren.

Auf der Ausstellungsfläche präsentierten sich 765 Aussteller aus 37 Nationen. Vom 10. bis 14. Juni ging es damit nicht nur um einzelne Neuheiten, sondern auch um internationale Lieferketten und Entwicklungskooperationen. Mit dem Ende des deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekts FCAS rückte ein neuer Fokus in den Vordergrund: Laut Berichten zur Messe signalisierten acht Rüstungsunternehmen ihre Bereitschaft, an einem neuen Kampfflugzeug-Ansatz weiterzuarbeiten. Genannt wurden dabei Airbus, MTU, Hensoldt, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde und Schwarz. Als technologische Klammer sind insbesondere Triebwerkskompetenz, Sensorik und Systemtechnik sowie der Beitrag der Elektronik- und Kommunikationsketten zu verstehen.

Marktseitig ist die ILA auch deshalb relevant, weil sie in einen Wettbewerb der großen europäischen Luftfahrtmessen hineinwirkt. Während die ILA vor allem im DACH-Raum stark verankert ist, konkurriert sie faktisch um Aufmerksamkeit und Geschäftsabschlüsse mit Formaten wie der Paris Air Show oder der Farnborough International Airshow. In einem Umfeld, in dem Kunden stärker auf Lieferfähigkeit, Interoperabilität und Lifecycle-Kosten achten, verschiebt sich der Wettbewerb von „Wer zeigt die spektakulärste Maschine“ hin zu „Wer kann die Systemkette glaubwürdig vorführen“. Experten ordnen das Besucherwachstum und die inhaltliche Ausrichtung deshalb als Hinweis darauf ein, dass Auftraggeber bei Umstellungen schneller als gedacht wieder investieren.

Ein weiterer Aspekt, der den Verlauf der Messe prägte, war die Verbindung aus politischem Diskurs und Sicherheitslogik. Pro-Palästina-Aktivisten hatten sich am 10. Juni auf die Straße geklebt und damit den Zugang zur Messe versperrt. Polizisten lösten die Demonstrierenden von der Straße. Für Veranstalter und Behörden bedeutet das: Sicherheitskonzepte müssen nicht nur gegen klassische Risiken funktionieren, sondern auch gegen störungsintensive Aktionen im öffentlichen Raum, bei denen die Freihaltung von Rettungswegen und die Vermeidung von Eskalation gleichzeitig Priorität haben. Aus Unternehmenssicht ist das eine Erinnerung daran, dass Compliance und Sicherheitsplanung bei Großevents zum operativen Kerngeschäft gehören.

Auch im Hintergrund der angekündigten Kampfflugzeug-Entwicklungsaktivitäten spielen regulatorische Fragen eine Rolle, die auf Messen oft nur indirekt sichtbar werden. Gerade im Verteidigungsumfeld treffen nationale Sicherheitsinteressen, Exportkontrollen und ein striktes Regelwerk für Technologie- und Datenflüsse zusammen. Zudem gewinnt Cybersicherheit als Querschnittsthema an Gewicht, weil moderne Luftfahrtsysteme über verschiedenste Schnittstellen verfügen, angefangen bei Kommunikations- und Datenlinks bis hin zu Wartungs- und Diagnoseumgebungen. Wenn Unternehmen ihre Roadmaps für neue Plattformen formulieren, müssen sie parallel nachweisen, dass Architekturentscheidungen zu Security-by-Design passen und nicht nur Funktionsumfang, sondern auch Abwehrfähigkeit erhöhen.

Historisch ist die ILA ein gutes Beispiel dafür, wie sich Technologie-Schwerpunkte über Jahrzehnte verschieben. Die Ausstellung begann 1909 mit einer internationalen Luftschifffahrt-Ausstellung in Frankfurt am Main, wechselte später nach Berlin und war zeitweise auch in Hannover zu Gast. Seit 1992 findet sie in Berlin-Schönefeld statt und ist inzwischen am BER angekommen. Dass die Messe heute sowohl zivile als auch militärische Bereiche adressiert, ist dabei keine bloße Trendbewegung, sondern folgt dem Grundmuster technologischer Evolution: Viele Systembausteine entstehen zunächst in gemischten Innovationsumfeldern und werden anschließend in unterschiedliche Einsatzprofile „übersetzt“. Insofern ist die ILA weniger ein statisches Event als ein fortlaufendes Staging für industrielle Reifegrade.

Für die Zukunft lässt sich aus dem ILA-Abschluss ein klares Signal ableiten: Die nächsten Schritte im europäischen Verteidigungs- und Luftfahrtumfeld werden stärker von Engineering-Umsetzbarkeit und Skalierung geprägt sein als von einzelnen Programmschlagzeilen. Der FCAS-Rückschlag erhöht zwar den Erwartungsdruck, gleichzeitig kann ein neuer Entwicklungsfokus helfen, offene Lücken in Zulieferketten, Testmethoden und Systemarchitekturen schneller zu schließen. Für Entwickler und Unternehmen bietet das Chancen, wenn sie sich früh auf standardisierte Schnittstellen, Nachweisverfahren für Sicherheit und planbare Integrationspfade ausrichten. Damit entscheidet sich in den kommenden Monaten nicht nur die politische Schlagrichtung, sondern auch, wie schnell sich Fortschritt in nutzbare Systeme übersetzen lässt.


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