MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Infineon setzt auf die Automatisierung von 300-mm-Wafer-Fabriken, um der wachsenden Konkurrenz aus China entgegenzutreten. Eine neue Partnerschaft mit NVIDIA soll zudem die Innovationskraft stärken und den europäischen Halbleitermarkt sichern.

Die europäische Halbleiterindustrie steht unter zunehmendem Druck durch die rasante Expansion chinesischer Hersteller, die ihre Produktionskapazitäten bei Leistungs- und Analogchips erheblich ausbauen. In diesem Kontext hat Infineon-Manager Thomas Altenmüller die Notwendigkeit betont, die Automatisierung von 300-mm-Wafer-Fabriken in Europa deutlich zu beschleunigen. Diese Automatisierung gilt als Schlüssel zur Erreichung von Kostenparität mit der chinesischen Konkurrenz, da 300-mm-Wafer eine höhere Ausbeute pro Fertigungsschritt ermöglichen und somit die Produktionskosten erheblich senken.
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die politische Unterstützung durch den EU Chips Act 2.0, den Altenmüller als wesentlich für die technologische Souveränität Europas in der Leistungselektronik bezeichnet. Neben dem Neubau von Fabriken legt Infineon auch Wert darauf, bestehende Standorte durch gezielte Automatisierungsinvestitionen zukunftsfähig zu halten. Diese umfassende Strategie soll sicherstellen, dass Infineon im globalen Wettbewerb bestehen kann, ohne die Margen dauerhaft zu belasten.
Parallel zur Kapazitätserweiterung erschließt Infineon neue Anwendungsfelder, insbesondere im Bereich der humanoiden Robotik. Interne Kalkulationen beziffern den Halbleiterwert pro Robotik-Einheit auf rund 500 US-Dollar, wobei Infineon-Komponenten in der Motorsteuerung, Energieverwaltung und Sensorik zum Einsatz kommen. Eine vertiefte Kooperation mit NVIDIA im Bereich der Systemarchitekturen für physische KI soll zudem die Innovationskraft stärken. Während NVIDIA die Rechenleistung beisteuert, liefert Infineon die Schnittstellen zur physischen Welt, einschließlich Sicherheitssystemen und hochpräziser Aktuatorik.
Die Analystenmeinungen zur Infineon-Aktie sind gespalten. Während UBS das Rating auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 45 Euro belässt, zeigt sich Bernstein Research optimistischer und sieht den Titel als „Outperform“ mit einem Kursziel von 52 Euro. Der aktuelle Aktienkurs liegt bei rund 40 Euro, etwa fünf Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Die eigentliche Herausforderung für Infineon bleibt, die Transformation zu hochautomatisierten Fabriken zu finanzieren, ohne die Margen dauerhaft zu belasten.
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