EINDHOVEN, NIEDERLANDE / LONDON (IT BOLTWISE) – Der erste InSpace AI Visibility Index untersucht 481 Websites niederländischer KMU aus fünf Branchen und zeigt deutliche Lücken bei maschinenlesbaren Unternehmensinfos. 58,7 % der barrierefreien Websites liefern laut Auswertung nicht genug Kontext zu Unternehmen und Dienstleistungen. Während nur 1,4 % KI-Crawler aktiv ausschließen, fehlen auf vielen Seiten konkrete Servicebeschreibungen und Unternehmensdarstellungen. Für KMU bedeutet das: Nicht nur technische Zugänglichkeit, sondern verständliche Fachkompetenz muss online auffindbar werden.

InSpace beschreibt den Befund als Übergang in eine neue Auffindbarkeitsrealität: Unternehmen werden nicht mehr ausschließlich über klassische Suchmaschinen selektiert, sondern zunehmend über KI-Assistenten und Agenten, die im Namen der Nutzer recherchieren, vergleichen und Empfehlungen vorbereiten. Der Hintergrund klingt zunächst strategisch, die Messung ist aber recht konkret. Im „InSpace AI Visibility Index“ hat das Unternehmen 481 Websites niederländischer KMU aus fünf Branchen analysiert, darunter auch Anbieter von IT- und Rechtsdienstleistungen sowie weitere Dienstleisterkategorien. Entscheidend dabei: Untersucht wurde nicht nur, ob Seiten grundsätzlich abrufbar sind, sondern ob sie Informationen bereitstellen, die für KI-Systeme tatsächlich nutzbar werden.
Technisch dreht sich die Studie um maschinenlesbare Unternehmens- und Servicedaten, also um Inhalte, die nicht nur für Menschen lesbar sind, sondern sich auch strukturiert auslesen und in Zusammenhänge bringen lassen. Laut den Ergebnissen bieten 433 Websites eine barrierefreie Ausspielung; dennoch finden sich bei 58,7 % dieser Seiten keine ausreichenden maschinenlesbaren Informationen über das Unternehmen und seine Dienstleistungen. Besonders auffällig ist daneben die „Inhaltstiefe“: 84,5 % der untersuchten Websites verfügen nicht über eine eigene Seite oder Beschreibung für jede einzelne Dienstleistung. Wenn eine Seite damit nur eine grobe Leistungsübersicht liefert, entsteht für KI-Assistenten ein Informationsmangel – selbst wenn das Layout zugänglich ist und die Seite technisch korrekt gecrawlt werden kann.
Gleichzeitig räumt InSpace mit einer verbreiteten Sorge auf: Die Befürchtung, Unternehmen würden ChatGPT oder andere KI-Systeme aus technischen oder strategischen Gründen blockieren, erweist sich den Angaben zufolge als weitgehend unbegründet. Nur 1,4 % schließen KI-Crawler aktiv aus. Das ist eine wichtige Verschiebung für die Praxis, denn sie lenkt den Fokus von „Zugriff verhindern“ hin zu „Verständlichkeit ermöglichen“. Wenn ein KI-System grundsätzlich auf eine Website zugreifen kann, entscheidet häufig die Qualität der bereitgestellten Informationen darüber, ob es die eigenen Antworten damit stützen kann. In der Studie wird genau dieses Problem spürbar, denn bei fast der Hälfte der Seiten fehlen zusätzlich maschinenlesbare Informationen über das Unternehmen selbst.
Für die Einordnung lohnt der Blick auf die Leistungsklasse nach Branchen. InSpace ordnet die Websites von KMU auf einer Skala von 0 bis 5 ein und nennt als Durchschnittswert 2,35. IT-Dienstleistungen schneiden mit 2,76 am besten ab, Rechtsdienstleistungen liegen mit 2,13 am unteren Ende. Daraus lässt sich weniger eine „Branchenkompetenz“, sondern eher ein Muster ableiten: Technische Angebote werden häufiger mit konkreten Leistungen, Formulierungen und strukturierbaren Leistungsbausteinen beschrieben, während andere Dienstleister offenbar öfter bei generischen Texten oder unzureichend granularen Seitenstrukturen bleiben. Auch das Domain-Level-Differenzial fällt auf: 39,1 % der Websites mit Endungen wie „.com“ oder „.eu“ bieten unzureichenden Kontext, während es bei „.nl“-Websites 62,1 % sind. Welche Rolle dabei weniger das TLD als vielmehr die je nach Marktsegment gängigen Web-Templates und Content-Strategien spielen, bleibt allerdings eine offene Frage.
Was bedeutet das nun für KMU, die in der KI-Ära gefunden werden wollen? InSpace formuliert die Kernbotschaft pragmatisch: Unternehmen müssten nicht plötzlich KI-Experten werden. Sie müssten aber darlegen, was ihr Unternehmen gut macht, welche Probleme sie lösen und für wen. Genau diese drei Informationsachsen entsprechen auch dem, was KI-gestützte Assistenzsysteme bei der Zusammenführung von Antworten benötigen: eine klare Leistungszuordnung, ein verständlicher Use-Case und ein Zielprofil. Wenn diese Punkte auf der Website kaum beantwortet werden, fehlen für KI-Systeme die Grundlagen, um Empfehlungen verlässlich zu untermauern. InSpaces Einschätzung wird durch die Methode noch nicht vollständig aufgelöst, aber die Messdaten deuten auf ein strukturelles Content-Problem hin: Hohe technische Zugänglichkeit ersetzt keine inhaltliche Struktur.
Auch die Marktimplikationen sind klar. Wenn Agenten im Namen von Kunden prüfen und vergleichen, verschiebt sich der Wettbewerb von „wer hat die beste Positionierung im klassischen Ranking“ zu „wer liefert die best verwertbaren Daten für den KI-Kontext“. Das betrifft nicht nur SEO im engeren Sinn, sondern die gesamte Informationsarchitektur: von der Frage, ob es pro Dienstleistung eine eigene Seite gibt, bis hin zu konsistenten Unternehmensbeschreibungen, die maschinell extrahierbar sind. Für IT- und andere serviceorientierte KMU liegt hier eine konkrete Priorisierung nahe: Nicht jede Seite muss umgebaut werden, aber die Informationsgrundlagen für KI-Antworten sollten gezielt ergänzt werden – etwa durch granularere Service-Teasings, präzisere Unternehmensdarstellungen und stärker strukturierte, wiederauffindbare Leistungsbeschreibungen. InSpaces Methodik wird auf Anfrage verfügbar gemacht; für Unternehmen dürfte in der Zwischenzeit vor allem der Abgleich mit der eigenen Website hilfreich sein: Wo bleiben KI-Systemen trotz technischer Barrierefreiheit Informationen indirekt oder unvollständig?
„Unternehmer müssen nicht plötzlich zu KI-Experten werden. Sie müssen jedoch darlegen, was ihr Unternehmen gut macht, welche Probleme es löst und für wen. Wenn ihre Website diese Fragen kaum beantwortet, fehlen die Grundlagen. Allereden davon, im Bereich der KI präsent zu sein. Wir sehen viele Unternehmen, die ihre eigene Fachkompetenz online kaum erläutert haben.“ sagte Jelle Engels, Chief Visionary Officer, InSpace. InSpace selbst positioniert seine NOVA-Plattform als Unterstützung, damit Unternehmen auf Google und KI-Plattformen gefunden werden. Mit Sitz auf dem High Tech Campus Eindhoven und der Betreuung von über 500 Kunden liefert der Index damit nicht nur Benchmarks, sondern auch ein Argument dafür, dass Sichtbarkeit in KI-Workflows weniger eine Frage des Zugriffs als eine Frage der adressierbaren Fachinformation ist.
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