MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Interhyp-Leistbarkeitsstudie 2026 zeigt, wie stark die Stimmung im deutschen Immobilienkauf kippt: 46 Prozent bewerten Wohnungen und Häuser in ihrer Region als „kaum leistbar“. Gleichzeitig kalkulieren Kaufinteressierte deutlich höhere Budgets von rund 383.900 Euro. Dass die Politik als Unsicherheitsfaktor wirkt, zeigt sich daran, dass 70 Prozent die aktuelle Lage als Erschwernis empfinden. Für die Praxis bedeutet das: Wer seine monatliche Belastungsgrenze nicht konkret kennt, verliert im Markt deutlich an Handlungsfähigkeit.

Der Wunsch nach Wohneigentum bleibt in Deutschland ungebrochen, aber die Schwelle zur Umsetzung wird spürbar höher. Laut der repräsentativen Leistbarkeitsstudie 2026 von Interhyp bewerten 46 Prozent der Befragten Immobilien in ihrer Wunschregion als „kaum leistbar“ – ein Anstieg gegenüber 2025. Auffällig ist dabei der gleichzeitige Widerspruch aus mehr Budgetplanung und größerer Unsicherheit: Viele Menschen rechnen zwar realistischer, fühlen sich aber durch Preisentwicklung und politische Rahmenbedingungen ausgebremst. Genau in dieser Phase, so die Argumentation der Studie, entscheidet weniger der „Traum vom Eigenheim“ als vielmehr die Fähigkeit, finanzielle Spielräume sauber zu kalkulieren.
Technisch betrachtet ist das Thema Leistbarkeit vor allem ein Modellierungsproblem: Zinssätze, Tilgungspläne, Nebenkosten, Modernisierungskosten und die real verfügbare Liquidität müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Die Studie liefert dafür konkrete Ankerwerte. Das durchschnittlich kalkulierte Budget für Erwerb oder Bau steigt auf rund 383.900 Euro (gegenüber ca. 348.800 Euro im Vorjahr). Zudem zeigt sich, dass viele Entscheidungen noch stärker auf Annahmen als auf belastbaren Rechnungen beruhen: Nur etwa 34 Prozent der „Planer“ haben ihre tragbare monatliche Rate im Detail ausgerechnet. Das verschiebt die gesamte Bewertung in Richtung Fehlkalkulationen und späterer Enttäuschungen bei der Objektauswahl.
Am Marktbild lässt sich diese Lücke ebenfalls ablesen. 39 Prozent nehmen den Immobilienmarkt als „überdreht“ wahr, und 69 Prozent erwarten, dass die Preise in den vergangenen zwölf Monaten weiter gestiegen sind. Entlastung durch sinkende Preise spüren dagegen nur 26 Prozent. Parallel schrumpfen wahrgenommene Verhandlungsspielräume: 42 Prozent sehen aktuell größere Spielräume für Käufer als vor einem Jahr – fünf Prozentpunkte weniger als 2025. Besonders deutlich ist die Erwartung, dass Verkäufer an überholten Preisniveaus festhalten: 83 Prozent glauben, dass die Preisforderungen nicht entsprechend nachgeben. In einem solchen Umfeld wirken Vermittler und Finanzierungsanbieter wie ein Risiko-„Intermediär“, der die Lücke zwischen Marktpreisen und individueller Tragfähigkeit schließen soll.
Verglichen mit anderen Playern der Baufinanzierungsbranche wird dabei ein struktureller Unterschied sichtbar: Während einige Wettbewerber stärker auf standardisierte digitale Erstprüfungen setzen, konzentrieren sich seriöse Finanzierungspartner zunehmend auf eine datengetriebene Beratung, die Eigenkapitalaufbau, Förderlogik und Tilgungsrouten konsistent abbildet. In der Interhyp-Perspektive steht der Eigenkapitalaufbau besonders im Fokus: 67 Prozent sparen regelmäßig aus dem Einkommen, aber unter den „Planern“ setzen 46 Prozent auf Geldanlagen wie ETFs oder Aktien – deutlich mehr als bei den Käufern (29 Prozent). Zudem wird Zeit unterschätzt: 54 Prozent der „Planer“ glauben, das Ansparziel in weniger als fünf Jahren zu erreichen, tatsächlich benötigen 65 Prozent der Käufer länger als fünf Jahre, teils sogar über zehn Jahre.
Die Studie zeigt damit eine klassische Schnittstelle zwischen Haushaltfinanzen und Informationsqualität. Wenn monatliche Belastungsgrenzen nicht konkret berechnet werden und Zeitannahmen unrealistisch sind, entstehen Verzögerungen oder unpassende Angebote – und damit ein Dominoeffekt auf die gesamte Kaufentscheidung. Auch bei der Objektstrategie gibt es klare Signale: 52 Prozent kommen unsanierte Bestandsimmobilien nicht infrage, vor allem wegen des Aufwandes und unkalkulierbarer Kosten. Gleichzeitig bevorzugen viele sanierte Bestände (90 Prozent) und Neubauten (83 Prozent). Beratersichtbar ist hier das Potenzial einer preissensiblen Modernisierung: Laut Interhyp kann gerade bei niedriger Energieeffizienz ein Verhandlungsspielraum entstehen, wenn Modernisierungskosten präzise vorgerechnet und im Angebot berücksichtigt werden.
Regulatorisch und politisch wirkt das Ganze wie ein zusätzlicher „Unsicherheitsfaktor“ im Finanzmodell. 70 Prozent der Befragten empfinden die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage als Erschwernis beim Immobilienkauf. Das beeinflusst das Verhalten direkt: Jeder dritte „Planer“ (34 Prozent) ist unsicher, ob er im aktuellen Umfeld aktiv werden soll. Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe, argumentiert deshalb, dass Politik einen verlässlicheren Rahmen schaffen müsse – mit weniger Bürokratie sowie klaren, planbaren Förderangeboten. Genannt werden gezielte Entlastungen etwa bei der Grunderwerbsteuer und beim Eigenkapitalaufbau, gerade für junge Familien.
Für die kommenden Monate dürfte sich der Wettbewerb in der Baufinanzierung weniger über reine Produktversprechen entscheiden, sondern über Rechen- und Beratungsqualität. Wenn Leistbarkeit stärker datengetrieben wird, steigt der Wert von sauberer Cashflow-Planung, Szenarien für Zins- und Kostenentwicklung sowie einer konsistenten Integration von Förderung und Tilgung. Genau hier liegen Entwicklungschancen für digitale Beratungssysteme: Sie können Transparenz schaffen, Annahmen in Belastungsrechnungen übersetzen und die zeitliche Realistik des Eigenkapitalaufbaus abbilden. Sollte sich die politische Unsicherheit kurzfristig nicht spürbar reduzieren, ist eher mit einer fortgesetzten Verschiebung in Richtung „späterer Kauf oder stärkerer Budgetfokus“ zu rechnen. Interhyps Fazit bringt es auf den Punkt: Wer seine finanziellen Möglichkeiten im Detail kennt und Angebote belastbar vergleicht, erhöht die Chance, den Eigenheimwunsch auch 2026 umzusetzen.
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