WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein interner Prüfbericht der US-Notenbank findet keine Hinweise auf strafrechtliches oder administratives Fehlverhalten rund um die teure Renovierung des Fed-Gebäudes. Damit sprechen die Prüfer den früheren Fed-Chef Jerome Powell von den Vorwürfen frei, die Präsident Donald Trump zuvor gegen ihn gerichtet hatte. Der Bericht macht jedoch erhebliche Mängel bei der Projektüberwachung aus. Unabhängig davon bleibt der politische Streit im US-Kongress entlang der Parteigrenzen hoch.

Die Auseinandersetzung um die Renovierung des historischen Fed-Gebäudes in Washington bekommt damit eine neue, juristisch entlastende Ebene: Ein interner Prüfer der US-Notenbank hat nach Angaben des Generalinspekteurs keine Hinweise darauf gefunden, dass im Zusammenhang mit der Kostenexplosion strafrechtliches oder administratives Fehlverhalten vorlag. Genau in diesem Punkt traf der Bericht die zuvor von Präsident Donald Trump aufgegriffene Stoßrichtung, die Kostenexplosion sei auf das Verhalten des damaligen Fed-Chefs Jerome Powell zurückzuführen gewesen. Gleichzeitig verschwindet der Kernkonflikt nicht, weil der Prüfbericht erhebliche Defizite bei der Projektüberwachung festhält und damit eine andere, technisch-operative Frage in den Vordergrund rückt: Wie gut wurden Budgets, Lieferumfänge und Kontrollschleifen während des Umbaus gesteuert?
Trump hatte die Sanierungskosten wiederholt als Beleg für Verschwendung herangezogen und Powell in der Rolle des verantwortlichen Spitzenmanagers unter Druck gesetzt. Der Streit ist politisch eingebettet in eine längere Phase wachsender Spannungen zwischen der Trump-Regierung und der Fed, die sich seit 2018 vor allem um die Geldpolitik drehte. Konkret ging es um Forderungen nach Zinssenkungen und um den Versuch, über personelle Einflussnahme stärker auf die geldpolitische Ausrichtung der Notenbank einzuwirken. In diesem Kontext wird auch verständlich, warum eine Gebäude-Renovierung mehr als nur Facility-Management war: Sie lieferte ein narratives Angriffsfeld, das die Diskussion über Unabhängigkeit und Kontrolle der Institution zuspitzte.
Finanziell ist die Dimension der Debatte klar beziffert: Die Kosten für das Projekt liegen mittlerweile bei rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Das bedeutet laut Quelle eine Überschreitung der ursprünglichen Planung um etwa eine Milliarde US-Dollar. Interessant ist dabei die Argumentationslinie des Prüferberichts: Er stellt klar, dass Bemängelungen, die im politischen Umfeld mit Designdetails wie etwa Marmor oder Wasserspielen verknüpft wurden, nicht wesentlich zur Kostenexplosion beigetragen hätten. Stattdessen seien die Verträge unzureichend gestaltet gewesen. Für die Praxis der Auftragsvergabe heißt das, dass nicht primär einzelne „optische“ Elemente die Budget-Lücke gerissen haben, sondern grundlegende Regelungen für Leistungsumfang, Änderungsprozesse und Verantwortlichkeiten.
Technisch und organisatorisch fällt in dem Bericht vor allem der Punkt Projektüberwachung ins Gewicht. Wenn Verträge und Governance-Strukturen nicht die nötige Robustheit gegen Kostenrisiken bieten, verschieben sich Entscheidungen oft in späte Projektphasen, in denen Änderungen teurer werden und Korrekturen weniger Wirkung entfalten. Der Generalinspekteur sagt zudem, es gebe keinen Grund für die Einschaltung der Strafverfolgungsbehörden. Für Unternehmen und öffentliche Auftraggeber ist das eine wichtige Unterscheidung: Der Bericht spricht nicht von einem strafrechtlichen Problem, aber er liefert einen klaren Hinweis auf Schwachstellen im Controlling und in der Projektsteuerung. Genau an dieser Schnittstelle prallen in der Politik gern Forderungen nach „Aufklärung“ auf das, was Prüfstellen im Tagesgeschäft tatsächlich untersuchen können: Prozesse, Dokumentation, Freigaben und die Wirksamkeit von Kontrollmechanismen.
Parallel dazu läuft der institutionelle Neustart: Der seit Mai amtierende neue Fed-Chef Kevin Warsh erklärte, er werde die Empfehlungen zum Projektmanagement umsetzen und einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beauftragen, der die Richtigkeit aller bisherigen Ausgaben überprüfen soll. Das adressiert einen weiteren Problemtyp aus solchen Fällen: Selbst wenn keine Fehlhandlung nachgewiesen wird, bleibt die Frage bestehen, ob einzelne Kostenpositionen sachlich sauber belegt, korrekt freigegeben und konsistent abgerechnet wurden. Dass Warsh zusätzlich einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer einschaltet, wirkt wie der Versuch, sowohl Transparenz als auch interne Lernkurven zu erhöhen. In der Konsequenz kann die Investitionssteuerung der nächsten Schritte im Projekt stärker an Prüfpfaden und belastbaren Ausgaben-Nachweisen ausgerichtet werden.
Im US-Kongress spiegeln sich die unterschiedlichen Lesarten. Der republikanische Senator Tim Scott bezeichnete die Kostenüberschreitungen als ungeheuerlich und kündigte eine strenge Aufsicht an. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren betont dagegen, die Ergebnisse lieferten keine Grundlage für eine Wiederaufnahme einer „Hexenjagd“ des Präsidenten gegen Powell. Dieses parteipolitische Framing zeigt, dass sich der Konflikt nicht nur an einem Einzelfall entscheidet, sondern an der Deutungshoheit: Handelt es sich primär um ein Governance-Problem in der Projektverwaltung, oder um einen Hebel, um Einfluss auf die Notenbank zu gewinnen? Die Historie mit den Vorladungen durch das Justizministerium im Januar 2026, die Einschüchterungsvorwürfe und die Aufhebung durch einen Bundesrichter im März verdeutlichen, dass das Thema Unabhängigkeit der Fed zugleich rechtliche und symbolische Dimensionen hat.
Für die weitere Entwicklung bleibt offen, wie das Verfahren im Detail fortgeführt wird und in welchem Tempo die Untersuchung vollständig abgeschlossen werden kann. Powell selbst ist inzwischen als Vorsitzender abgetreten, verbleibt aber als einfaches Mitglied im Direktorium, bis die Untersuchung beendet ist. Laut Quelle prüft zudem das Büro der zuständigen Staatsanwältin den Bericht. Damit existieren zwei parallele Zeitschienen: Erstens die organisatorische Umsetzung der Projektmanagement-Empfehlungen durch Warsh, zweitens die verwertungs- und verfahrensbezogene Behandlung des Prüfergebnisses durch die zuständigen Stellen. Genau diese Zweigleisigkeit ist auch für andere Institutionen lehrreich: Selbst eine Entlastung bei Fehlverhalten beseitigt nicht automatisch Reputations- oder Effizienzrisiken, wenn die Kontrolle über Budgets und Verträge systemisch zu schwach war.
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