LONDON (IT BOLTWISE) – Der Iran-Krieg und die stark schwankenden Kerosinpreise drücken auf die Lufthansa-Gewinne. Vorstandschef Carsten Spohr rechnet für 2026 im Tagesgeschäft nun doch mit einem möglichen Gewinnrückgang. Im zweiten Quartal sinkt das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro. Zusätzlich belasteten Streiks, ein reduziertes Flugangebot und höhere Treibstoffkosten im Netzwerk- sowie im Passagiergeschäft.

Die Lufthansa bekommt den Kostenschock aus dem internationalen Luftverkehr nun auch in den Zahlen deutlich sichtbar. Während der Konzern in der ersten Jahreshälfte noch auf Preiswirkung gesetzt hat, kommt der nächste Gegenwind aus dem Treibstoffmarkt: Der Krieg im Nahen Osten verschärft die Lage bei Kerosin, gleichzeitig wurden im April Streiks wirksam. Vorstandschef Carsten Spohr ordnete diese Gemengelage bei der Vorlage der Quartalszahlen in Frankfurt ein und ließ damit offen, dass das Gewinnziel im Jahres- und insbesondere im Tagesgeschäft nicht mehr so stabil ist wie zuvor gedacht.
Im Tagesgeschäft hält Spohr für 2026 inzwischen „einen Gewinnrückgang“ für möglich. Der Manager argumentierte dabei gleich doppelt: Höhere Ticketpreise hätten den starken Anstieg der Treibstoffkosten bisher nicht ausgleichen können. Dazu kommt ein operatives Timing-Problem, weil Kunden deutlich kurzfristiger buchten, während die Kerosinpreise stark schwankten. Diese Kombination ist für Airlines besonders relevant, weil sich kurzfristige Nachfrageverschiebungen und volatile Treibstoffkosten schwerer gegeneinander hedgen lassen als in ruhigeren Marktphasen.
Die Ergebnisbremse zeigt sich bereits im zweiten Quartal. Trotz eines Umsatzanstiegs um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro rutschte das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ab. Auch der Überschuss fiel spürbar: Um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro. Als zusätzlicher Effekt floss ein positiver Steuereinfluss aus dem Vorjahr nicht mehr in der gleichen Stärke gegen, während gleichzeitig laufende Belastungen nachwirkten. Für die Einordnung am Kapitalmarkt ist das entscheidend, weil die Lufthansa damit auch weniger verdiente als Analysten im Schnitt erwarteten.
Technisch und betriebswirtschaftlich lässt sich der Knackpunkt an zwei Treibern festmachen: Kerosinpreise und Angebotsstruktur. Der Konzern hebt zwar hervor, dass einzelne Sparten wie Lufthansa Cargo und Lufthansa Technik ihre bereinigten operativen Gewinne steigern konnten. Im Passagiergeschäft dagegen schlugen die höheren Treibstoffkosten zusammen mit den Streiks durch. Parallel hatte die Lufthansa ihr Flugangebot spürbar verringert, unter anderem durch das plötzliche Betriebsende der Regionaltochter Lufthansa Cityline. Konzernweit sank die Zahl der Fluggäste daher um vier Prozent auf 35,6 Millionen, was die Fixkostenbelastung je Passagier zusätzlich erhöhen kann.
Auch die Netzwerk-Airlines zeigen die Wirkung der Treibstoffkosten besonders klar. Laut den Angaben im Bericht schlug das Kerosin bei Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels und Ita im zweiten Quartal um mehr als 600 Millionen Euro teurer zu Buche als im Vorjahr; konzernweit waren es sogar rund 750 Millionen mehr. Zwar gelang es der Lufthansa vor allem auf Asien-Strecken, höhere Ticketpreise durchzusetzen. Doch insgesamt konnte das die Mehrkosten nicht decken, weil Preiserhöhungen zeitversetzt wirken und nicht jede Nachfragerunde die gleichen Spielräume bietet. In Summe lag der bereinigte operative Gewinn der Netzwerk-Airlines im zweiten Quartal bei 137 Millionen Euro, fast eine halbe Milliarde weniger als ein Jahr zuvor. Die Punkt-zu-Punkt-Airlines wie Eurowings fielen unter Belastungen im Ableger Sunexpress sogar in die Verlustzone, hier mit 37 Millionen Euro.
Am Finanzmarkt spiegelte sich die Unsicherheit sofort in der Kursreaktion wider: Die Lufthansa-Aktie verlor am Dienstag im frühen Handel 8,7 Prozent auf 8,42 Euro. Im bisherigen Jahresverlauf gewann das Papier trotz erheblicher Schwankungen lediglich leicht an Wert. Zugleich schob der Konzern den Blick auf das kommende Jahr in Richtung eines „angepassten“ Bildes: Das bereinigte Ebit für 2026 dürfte demnach 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro erreichen. Bisher hatte Spohr den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden trotz der massiv gestiegenen Treibstoffkosten deutlich übertreffen wollen; der zweite Quartalsverlauf zeigt nun, wie schnell sich diese Annahmen verschieben.
Trotz der insgesamt belastenden Lage sieht das Management bei den Kerosinpreisen zumindest kleinere Lichtblicke. Die Treibstoffkosten sollen den Angaben zufolge trotz anhaltender Schwankungen jetzt „nur“ auf 8,7 Milliarden Euro steigen, also 200 Millionen Euro weniger als im Mai erwartet. Allerdings bleibt die Richtung zweischneidig: Selbst wenn sich Prognosen im Detail verbessern, kann eine reduzierte Flugkapazität oder eine zu späte Preisweitergabe die Ergebniswirkung begrenzen. Interessant ist damit vor allem, wie die Lufthansa kurzfristige Buchungsmuster künftig operational besser abfedern will und wie das Unternehmen seine Preis- und Kapazitätssteuerung zwischen Netzwerk und Point-to-Point ausbalanciert, sobald die Treibstoffvolatilität wieder stärker ins Spiel kommt.
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