TEL AVIV / LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei israelische Quantum-Startups sollen Berichten zufolge über SPAC-Mergers an die Wall Street gehen. Im Raum stehen Bewertungen zwischen 2 und 5 Milliarden US-Dollar je Unternehmen, während Investoren trotz noch begrenzter Umsätze Kapitalnachschub suchen. Besonders Quantum Art verfolgt dabei einen Hardware-Fokus auf Trapped-Ion-Systeme, während Classiq eine Software-Schicht für KI- und Quantenanwendungen auf mehreren Plattformen anvisiert. Für den Markt ist der Schritt vor allem ein Signal: Die Finanzierungsexplosion in frühen Projektphasen nimmt zu – mit entsprechendem Risiko- und Governance-Bedarf.

Israels KI- und Quantum-Startups peilen mit SPACs den Wall-Street-Launch an
Israels KI- und Quantum-Startups peilen mit SPACs den Wall-Street-Launch an (Foto: IT BOLTWISE)
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Israels Quantum-Szene bekommt Rückenwind aus den US-Kapitalmärkten: Berichten zufolge führen die Hardware-Route von Quantum Art und die Software-Route von Classiq fortgeschrittene Gespräche, um über SPAC-Mergers an der Wall Street gelistet zu werden. Im Raum stehen dabei Bewertungen von jeweils etwa 2 bis 5 Milliarden US-Dollar. Der Kern der Nachricht ist weniger der exakte Deal-Status, sondern der Zeitpunkt: Investoren erhöhen ihr Risikoexposure, obwohl die Branche aktuell noch weitgehend pre-Revenue ist und die Entwicklungskosten hoch bleiben. Gleichzeitig zeigt das Interesse, dass Quantum-Anwendungen—je nach Fortschritt bei skalierbaren Prozessoren—später in dieser Dekade kommerziell greifbarer werden könnten.

Technisch betrachtet verfolgen die beiden Unternehmen sehr unterschiedliche Teile des Quantum-Stacks. Quantum Art entwickelt ein vollständiges Quantencomputersystem auf Basis von Trapped-Ion-Technologie: Dabei werden elektrisch geladene Atome in einem elektromagnetischen Feld gehalten, und die Quantenzustände dienen als Träger für Quanteninformation. Diese Systeme gelten als vielversprechend für qualitativ hochwertige Quantenvorgänge, doch der Weg zu großen, stabilen, praktisch nutzbaren Prozessoren bleibt anspruchsvoll. Quantum Art wurde 2022 gegründet, beschäftigt laut Berichten rund 60 Mitarbeitende und hat zuletzt 140 Millionen US-Dollar aufgenommen, wodurch die Gesamtfinanzierung auf etwa 200 Millionen US-Dollar steigt.

Classiq setzt dagegen auf die Softwareebene und adressiert damit die Frage, wie Organisationen Quantencomputing nutzen können, ohne an jede Hardware-Variante gebunden zu sein. Die Plattform zielt darauf, Anwendungen so zu modellieren und zu konvertieren, dass sie auf verschiedenen Quantencomputern laufen können—vergleichbar mit einer Betriebssystemschicht, die typische Entwicklungsarbeiten für herkömmliche Rechner abstrahiert. Das ist auch deshalb marktentscheidend, weil Hardware-Ökosysteme selten sofort kompatibel sind. Branchenberichte ordnen Classiq zudem als Player ein, dessen Umsatz zwar ebenfalls nicht mit etablierter Software mithält, aber im Vergleich zu vielen frühen Quantum-Startups bereits höher liegen soll. Laut Berichten arbeitet Classiq unter anderem mit NVIDIA, Microsoft und AWS zusammen.

Am Kapitalmarkt zahlt sich die Strategie der „schnelleren Sichtbarkeit“ aus: Laut den Berichten sollen seit Beginn 2026 bereits mehrere Quantum-Startups über SPAC-Mergers an die Börse gegangen sein, während weitere Firmen in fortgeschrittenen Verhandlungen stehen. Für die Investoren ist ein SPAC-Deal oft schneller als der klassische Weg über ein IPO, weil er—je nach Struktur—relativ schnell Hunderte Millionen US-Dollar bereitstellen kann. Genau diese Liquidität ist in Quantum wichtig: Die Entwicklung erfordert über Jahre Forschung, Spezialhardware und hochqualifiziertes Personal, bevor sich wiederholbare Umsätze abzeichnen. Als Vergleich werden an der Börse erreichte Größenordnungen genannt: So kommen öffentlich gelistete Akteure wie IonQ, Quantinuum oder Rigetti teils auf sehr hohe Bewertungen gemessen am Umsatz.

Diese Bewertungslogik bringt allerdings ein klares Risiko- und Governance-Thema mit sich. Berichten zufolge werden öffentlich gehandelte Quantum-Unternehmen häufig mit Umsatzmultiplikatoren von über 100x bepreist, obwohl fault-tolerante Quantencomputer, die große reale Probleme zuverlässig lösen, noch nicht etabliert sind. Marktanalystisch lässt sich das so einordnen: Der Kurs spiegelt weniger „heutige Einnahmen“, sondern „Option Value“ auf zukünftige Technologiereife wider. Gleichzeitig erhöht das die Sensibilität für Transparenz, Meilensteine und die Qualität der Risikoangaben. Für Unternehmen bedeutet das: Wer an SPACs teilnimmt, muss nach der Kapitalaufnahme besonders belastbare Fortschrittsmetriken liefern—inklusive technischer Benchmarks, Betriebssicherheit und klarer IP-/Datenstrategie.

In Israel ist der Schritt auch vor dem Hintergrund einer über Jahre gewachsenen Forschungsbasis zu sehen. Berichten zufolge gibt es dort etwa 20 Quantum-Unternehmen bei rund 270 weltweit, mit Ursprung in Institutionen wie Weizmann Institute und Technion. Die Investitionsdynamik wird ebenfalls quantifiziert: In Summe seien rund 800 Millionen US-Dollar in israelische Quantum-Firmen geflossen, wobei allein Quantum Art, Quantum Source und Classiq zusammen ungefähr 500 Millionen US-Dollar in 2025 auf sich vereint haben sollen. Damit rangiert Israel in der globalen Wahrnehmung weit vorn bei Gesamtinvestments—ein Umfeld, in dem mehrere Startups parallel skalieren und Kapitalbedarf in vergleichsweise kurzen Abständen erneut adressieren.

Für die technische Umsetzung nach dem Listing wird vor allem relevant, wie schnell Engineering-Ressourcen in produktnahe Systeme umgewidmet werden können. Im Quantum-Kontext heißt das: Personal muss nicht nur Forschung machen, sondern auch Mess- und Fertigungsfähigkeit aufbauen, Testumgebungen und Software-Pipelines verstetigen sowie die Qualität der Quantensteuerung verbessern. Der Softwareansatz von Classiq kann dabei als „Taktgeber“ wirken, weil er Übergänge zwischen Hardware-Generationen abfedern soll. Der Hardwareansatz von Quantum Art dagegen hängt stark von Skalierungs- und Stabilitätsfortschritten ab—hier ist die Vergleichbarkeit zu Branchenakteuren wie IonQ und Quantinuum relevant, deren Ökosysteme Anleger oft als Gradmesser für Reife heranziehen.

Regulatorisch und sicherheitstechnisch bleibt Quantum zwar nicht automatisch „regulatorisch besonders“, aber Unternehmen sollten beim Börsengang aus Investorensicht die richtigen Schutzrahmen mitliefern. Dazu zählen saubere Datentrennung bei Trainings- und Simulationsdaten, nachvollziehbare Zugriffskonzepte für Forschungs- und Steuerdaten sowie ein konsistentes Modell für geistiges Eigentum und Lieferantenrisiken. Besonders im Zusammenspiel mit großen Cloud-Partnern und Kundenbeziehungen, die in den Berichten für Classiq genannt werden, steigt die Bedeutung von Audits, Vertragsgestaltung und Datenschutz-Folgenabschätzungen. Ausblickend dürften die nächsten Schritte in Richtung größerer Prozessoren und stärker standardisierter Software-Toolchains den Ausschlag geben—und damit auch, ob sich die aktuell hohen Erwartungen in belastbare, wiederholbare Umsätze übersetzen.


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