TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – Japans neue Premierministerin Sanae Takaichi hat mit ihrer Haltung zu extremen Arbeitszeiten eine hitzige Debatte entfacht. Ihre Aussagen, nur zwei Stunden Schlaf zu benötigen und Work-Life-Balance abzuschaffen, sorgen für Aufruhr. Experten warnen vor einer Rückkehr zur gefährlichen Kultur der Überarbeitung, die in Japan bereits zu vielen Todesfällen geführt hat.

Die Ernennung von Sanae Takaichi zur ersten Premierministerin Japans hat nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich für Aufsehen gesorgt. Ihre Aussagen über extreme Arbeitszeiten und die Abschaffung der Work-Life-Balance haben eine hitzige Debatte über die Arbeitskultur in Japan entfacht. Takaichi, die sich offen an Margaret Thatcher orientiert, propagiert harte Arbeit als politische Währung und fordert von ihren Abgeordneten, wie Pferde zu schuften, um politische Ziele zu erreichen.
In einem Land, das weltweit für seine harte Arbeitskultur bekannt ist, stoßen solche Ansichten auf gemischte Reaktionen. Japaner arbeiten im Durchschnitt rund 1600 Stunden im Jahr, wobei viele Überstunden unbezahlt bleiben und in keiner Statistik auftauchen. Die Angst vor Karoshi, dem Tod durch Überarbeitung, ist allgegenwärtig. Takaichis Aussagen, sie schlafe nur zwei Stunden pro Nacht, haben diese Ängste erneut angefacht.
Besonders brisant ist Takaichis Vorschlag, die bestehenden Grenzen für Überstunden zu lockern. Die Reform von 2019, die das Maximum auf 45 Überstunden pro Monat begrenzte, sollte vor allem Frauen und Teilzeitkräfte entlasten. Takaichi stellt diese Reform nun infrage, um Beschäftigten, die freiwillig mehr arbeiten wollen, neue Möglichkeiten zu bieten. Kritiker sehen darin jedoch die Gefahr eines Dammbruchs, der den Druck auf Arbeitnehmer weiter erhöhen könnte.
Die politische Signalwirkung von Takaichis Aussagen ist nicht zu unterschätzen. Unternehmen könnten den Druck auf ihre Mitarbeitenden erhöhen, was genau das Gegenteil dessen wäre, wofür Japan in den letzten Jahren gekämpft hat. Die Balance zwischen Disziplin und Erschöpfung bleibt ein zentrales Thema, während das Land versucht, ein neues Verhältnis zur Arbeit zu finden.
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