LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin handelt nach einem starken Lauf wieder nahe der 79.000-US-Dollar-Marke, und damit rückt auch das Ziel von 1 Million US-Dollar pro Coin in den Fokus. Markus Thielen von 10x Research hält diese Größenordnung jedoch für mathematisch nicht erreichbar. Er argumentiert mit der notwendigen Kapitalmenge und dem sogenannten Money-Multiplier. Gleichzeitig zeigt der Text, wie stark der tatsächliche Zufluss über Spot-ETFs bis 2030 beschleunigt werden müsste, um selbst ein „optimistisches“ Rechenmodell zu erfüllen.

Kann Bitcoin bis 2030 auf 1 Million US-Dollar steigen? Rechenzweifel von 10x Research
Kann Bitcoin bis 2030 auf 1 Million US-Dollar steigen? Rechenzweifel von 10x Research (Foto: IT BOLTWISE)
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Bitcoin hat nach dem jüngsten Kursschub den Bereich um 79.000 US-Dollar wieder im Blickfeld vieler Anleger. Genau in solchen Phasen tauchen die extremen Preisziele aus dem letzten großen Bull Market besonders laut auf: von „einst“ bis „möglicherweise schon 2030“ und eben der vielzitierte Gedanke, dass eine einzelne Bitcoin-Einheit eines Tages eine Million US-Dollar wert sein könnte. Markus Thielen, der Research-Leiter bei 10x Research, stellt diese Erwartung allerdings frontal infrage und bezeichnet sie als mathematisch unmöglich. Entscheidend ist dabei weniger die Frage, ob sich Bitcoin in Zyklen bewegt, sondern ob die Größenordnung über den Mechanismus der Kapitalzuflüsse in der Realität herstellbar ist.

Thielens Kernargument beginnt mit der einfachen Bilanzlogik: Heute liegt der Marktwert von Bitcoin nach den Angaben im Text bei rund 1,6 Billionen US-Dollar und verteilt sich auf etwa 20,1 Millionen Coins. Um Bitcoin bei 1 Million US-Dollar pro Coin zu bewerten, müsste allein die bereits existierende Versorgung rund 20,1 Billionen US-Dollar wert sein. Selbst wenn man die maximal mögliche Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin als „100% in Umlauf“ ansetzt, läge der resultierende Marktwert bei gut 21 Billionen US-Dollar. Da die reale zirkulierende Menge bis 2030 nur langsam wächst, müsste der Marktwert bis dahin um etwa 18,5 Billionen US-Dollar zulegen, als obere Grenze. Thielen rechnet dabei sogar mit einem etwas geringeren Kapitalbedarf (im Text: „um $15 Billionen“), aber auch das ist eine Größenordnung, die in keiner normalen Marktdynamik nebenher passiert.

Um diesen Abstand einzuordnen, greift der Text den Vergleich zur realen Welt auf: $15 Billionen entsprechen laut Rechnung ungefähr einem Fünftel des gesamten US-Aktienmarkts, der mit rund $75 Billionen beziffert wird. Genau hier kollidieren krypto-fokussierte Preisfantasien oft mit der Art, wie Geld tatsächlich in Märkte fließt. Bitcoin „erscheint“ nicht einfach durch steigende Erwartungen im selben Maß wie etwa ein Unternehmen durch neue Umsätze. Stattdessen muss Kapital auf der Käuferseite in den Handel und letztlich in die Assets wandern. Und selbst wenn ein Teil davon aus bestehenden Krypto-Beständen umgeschichtet wird, bleibt die grundlegende Frage: Kann die benötigte Netto-Nachfrage in kurzer Zeit groß genug werden, ohne dass Liquidität, Risikoaversion und Preisdynamik den Prozess unterbrechen?

An dieser Stelle wird Thielens Argument gleichzeitig greifbar und angreifbar, weil der Text den „Money-Multiplier“ ins Spiel bringt. Dieser Mechanismus beschreibt, dass neues Kapital nicht linear bei „Null“ startet, sondern beim Handel wirkt: Wenn Käufer aus dem Bestand eines Verkäufers Coins übernehmen, wird jeder vorhandene Coin im Ergebnis neu bewertet. Der Marktwert bewegt sich dabei nicht im Verhältnis 1:1 zum eingesetzten Cash, sondern über einen Multiplikator. Thielen’ Modell impliziert dem Text zufolge einen Money-Multiplier von rund 1,2 für Bitcoin heute. Zum Vergleich nennt der Text Schätzwerte aus einer anderen Ecke der Bitcoin-Finanzierungslandschaft: Für den Aktienmarkt läge der Multiplikator eher bei etwa 5, für Gold zwischen 2 und 3. Für Bitcoin werden in dem zitierten Umfeld Werte zwischen 15 und 50 diskutiert – wobei ausdrücklich bleibt, dass niemand die „wahre“ Zahl zuverlässig kennt.

Diese Unschärfe entscheidet am Ende über die Interpretation des 1-Million-Ziels. Denn wenn man einen deutlich höheren Money-Multiplier ansetzt, reduziert sich der Kapitalbedarf pro zusätzlichem Marktwert deutlich. Der Text rechnet ein Beispiel mit einem Mittelpunkt von 25 vor: Dann würde ein Marktpreis von 1 Million US-Dollar pro Coin nur etwa 740 Milliarden US-Dollar an realen Netto-Zuflüssen erfordern. Aber genau deshalb warnt der Text vor dem Schluss, man könne „einfach nur“ auf die Zielmarke setzen. Entscheidend ist nicht, ob ein Modell theoretisch aufgeht, sondern ob die notwendigen Zuflüsse in der realen Zeitreihe erreichbar sind. Besonders konkret wird das anhand von Spot-Bitcoin-ETFs: Bis Dezember 2025 sollen laut Text US-Spot-ETFs 58 Milliarden US-Dollar Nettozuflüsse verzeichnet haben, also rund 30,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Um dennoch auf 740 Milliarden US-Dollar Zuflüsse bis 2030 zu kommen, müssten die Zuflüsse im Text zufolge mehr als fünfmal so hoch ausfallen – und zwar über die nächsten vier Jahre hinweg, ohne größere Unterbrechungen. Das ist aus Marktsicht eine harte Bedingung, weil ETF-Zuflüsse typischerweise stark von Risikoappetit, Makro-Lage, Wechselkursen, Erwartungsmanagement und auch von Preisdynamik abhängen. Selbst wenn einzelne Phasen sehr starke Käufe sehen, sind gleichmäßige, mehrjährige Beschleunigungen ohne Rücksetzer eher die Ausnahme als die Regel. Gleichzeitig ist der Schluss nicht „Bitcoin ist nutzlos“ oder „Bitcoin ist unmöglich“, sondern deutlich weniger spektakulär: Bitcoin kann für einen langfristigen Hold attraktiv sein, auch wenn 1 Million US-Dollar bis 2030 nicht erreicht werden. Gerade die Diskussion um den Money-Multiplier zeigt dabei den Unterschied zwischen einem „Preisziel“-Narrativ aus dem Bull Market und einer „Zufluss“-Logik, die sich mit Kapitalflüssen, Produktmechanik und Zeitachsen verknüpfen lässt.

Für Entscheider und technisch orientierte Teams in der Finanz- und Krypto-Infrastruktur folgt daraus vor allem eine Praxisregel: Bei sehr weit entfernten Zielmarken sollte man nicht nur die Marktfantasie, sondern die Transportlogik des Kapitals prüfen. Spot-ETFs sind dafür ein zentraler Beobachtungspunkt, weil sie Zuflüsse in einer strukturierten, vergleichbaren Form bündeln. Ebenso lohnt sich der Blick auf die Annahmen, die in Multiplikator-Modelle eingehen: Wie stark wirkt Wiederanlage? Wie viel Nachfrage kommt aus neuen Marktteilnehmern statt aus Umverteilung? Und wie stabil bleibt die Risikobewertung, wenn Preise bereits stark gestiegen sind? Der Text macht damit weniger eine Wette gegen Bitcoin als eine Einladung, Zielmarken mathematisch und zeitlich auseinanderzunehmen – und genau das ist bei KI-gestützten Prognosemodellen, Trading-Bots oder Risiko-Frameworks oft der Unterschied zwischen „Output“ und belastbarer Entscheidungsgrundlage.


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