LONG ISLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Alfred University und der Startup Ranial Systems bauen einen KI-gestützten Battery-Storage- und Microgrid-Controller. Der neue System-on-Chip-Ansatz startet im Juni mit der Arbeit am Energy-Management- und Battery-Management-System und soll im November fertig werden. Im Projekt koppelt das Team Sensorik und Software mit strengen Hardware-in-the-Loop-Tests, um die Leistung unter realitätsnahen Netzbedingungen zu validieren. Ranial Systems liefert dabei CognitEMS als edge-natives, agentisches KI-Backend für verteilte Energiesysteme.

KI-Controller für Microgrids: Alfred University und Ranial Systems starten HIL-Tests
KI-Controller für Microgrids: Alfred University und Ranial Systems starten HIL-Tests (Foto: IT BOLTWISE)
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Die nächste Generation von Microgrids hängt nicht nur an besseren Akkus, sondern vor allem an der Steuerung, die Lastflüsse und Schutzfunktionen in Echtzeit beherrscht. Genau hier setzt eine Kooperation zwischen der Inamori School of Engineering der Alfred University und dem clean-tech Startup Ranial Systems an: Beide Parteien entwickeln einen KI-gestützten Battery-Storage- sowie Microgrid-Controller, der für netzskalierende Batteriespeicher genauso gedacht ist wie für gewerbliche und industrielle Microgrids. Das Ziel wirkt dabei weniger wie ein reines Software-Add-on, sondern eher wie ein durchgängiges Energiemanagement-System, das bis in die Hardware hinein optimiert wird.

Technisch beginnt das Projekt im Juni mit der Arbeit an einem „System-on-Chip“-Energy-Management- sowie Battery-Management-System-Controller. Diese Trennung ist zwar aus der Praxis vieler Betriebs- und Schutzkonzepte bekannt, wird hier aber in einem gemeinsamen Baustein zusammengeführt, um Datenströme und Steuerlogik effizienter zu koppeln. Die Entwicklung soll bereits im November abgeschlossen werden, was für ein überschaubares Zeitfenster spricht und damit besonders hohe Anforderungen an die Entwicklungsdisziplin stellt. Im Kern arbeitet das Team daran, KI-Modelle zu bauen und zu testen, Sensoren zu integrieren und das Ergebnis anschließend in eine verifizierbare, testbare Systemarchitektur zu überführen.

Entscheidend wird in diesem Setting die Validierung unter realistischen Randbedingungen. Dafür nutzt das Projekt Hardware-in-the-Loop-Tests (HIL), bei denen physische Hardware mit einer Echtzeit-Simulation gekoppelt wird, um die Systemleistung unter kontrollierten, aber realitätsnahen Netzbedingungen zu prüfen. Solche Tests sind in der Energie- und Automatisierungstechnik wichtig, weil reine Modellrechnungen typische Abweichungen aus der Sensorik, Signalverarbeitung und Laufzeit berücksichtigen müssen. In Alfreds Umgebung findet das in einem klar auf Energieanwendungen ausgelegten Labor statt: Das GE Vernova Advanced Power Grid Lab stellt mit Advanced Energy Management System (AEMS) und Advanced Distribution Management Solutions (ADMS) Softwareplattformen Werkzeuge bereit, um die Controller-Performance zu simulieren, gegen Mess- und Modellkriterien zu benchmarken und die HIL-Ergebnisse vergleichbar zu machen.

Für die „edge-nativen“ KI-Ansätze liefert Ranial Systems dabei die Grundlage über CognitEMS, seine proprietäre edge-agentic KI-Plattform. Damit zielt das Projekt auf eine durchgängige Zusammenführung von Batterie- und Energiemanagement für verteilte Energieressourcen, also genau den Bereich, in dem zentrale Leitwarten oft an Grenzen stoßen: zu viele Kommunikationsschnittstellen, zu heterogene Erzeuger- und Speicherprofile, zu unterschiedliche Betriebsmodi. Die technische Idee dahinter passt zur breiteren Entwicklung in der KI-Entwicklung: Statt Modelle rein im Cloud- oder Serverumfeld zu betreiben, werden sie näher an Sensorik und Aktorik gebracht, um Latenzen zu senken und Entscheidungen näher am Betriebsgeschehen zu treffen. Dass ein Startup hier eine Plattform-Komponente beisteuert, kann außerdem die Brücke zwischen Forschungsprototyp und produktionsnaher Umsetzung verkürzen.

Im Projektteam übernimmt Chandan Kumar die Leitung; er ist Assistant Professor für Informatik an Alfred University. Unterstützung kommt sowohl durch einen Graduate Student als auch durch Dr. Xingwu Wang, Professor für Elektrotechnik, der als Co-Principal Investigator genannt wird. Inhaltlich setzt das Vorhaben auch auf die Lern- und Transferdimension: Die Beteiligten sollen praxisnah an der Schnittstelle aus Machine Learning, Sensorintegration und Hardwarevalidierung arbeiten. In einem Bereich wie intelligenter Energieinfrastruktur ist das mehr als ein akademisches Übungspaket, weil die Anforderungen an Robustheit, Testbarkeit und Systemverhalten im Feld schnell über Erfolg oder Misserfolg von Piloten entscheiden. Das Projekt soll zudem demonstrieren, wie sich unüberwachtes Lernen aus dem reinen Laborumfeld in die Steuerung von Stromnetzen übertragen lässt.

Finanziert wird das Vorhaben über einen Zuschuss in Höhe von 65.000 US-Dollar von New Energy New York (NENY), einem Zusammenschluss zwischen Binghamton University und dem New York Battery and Energy Storage Technology Consortium (NY-BEST). Für den Kontext der Region ist auch relevant, dass NENY im Mai fast 315.000 US-Dollar an vier Empfänger ausgegeben hat, um Batterietechnologien weiterzuentwickeln und Speicherinnovationen in Upstate New York auszubauen. Für Unternehmen und Entwickler im Energiesektor bedeutet das: Förderprogramme dieser Art reduzieren das Risiko beim Einstieg in Testumgebungen und beschleunigen die Verfügbarkeit von Hardware-nahem Know-how. Gleichzeitig bleibt offen, wie schnell aus dem Controller-Prototyp ein Produkt für mehrere Einsatzszenarien wird, denn die HIL-Ergebnisse müssen später in Feldtests und mit unterschiedlichen Netz- und Nutzerprofilen reproduzierbar bleiben.

Auch für die Wettbewerbsdynamik ist das Timing bemerkenswert. Während viele Marktakteure ihren Fokus auf bessere Akkuzellen, Leistungselektronik oder Cloud-Analytik legen, verlagert dieses Projekt den Schwerpunkt sichtbar auf das Zusammenspiel von KI-Logik, Energiemanagement und Hardwarevalidierung. Der Ansatz, Battery Management und Energy Management in einem Controller-Design zusammenzudenken und dabei mit edge-agentic KI zu arbeiten, könnte sich besonders dann auszahlen, wenn Microgrids zunehmend dynamische Anforderungen aus Dreiphasennetzen, Frequenzhaltung und variablen Einspeiseprofilen erfüllen müssen. Für die nähere Zukunft ist deshalb weniger die reine Modellgüte der wichtigste Messpunkt, sondern die Frage, wie stabil sich Entscheidungen in Echtzeit unter realen Störeinflüssen umsetzen lassen – und genau dafür sind die HIL-Tests bereits ein zentraler Schritt.


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