LONDON (IT BOLTWISE) – AlixPartners Co-CEO Rob Hornby sagt, dass die Kostenkurve für KI zwar schneller fällt als bei früheren Technologiezyklen. Gleichzeitig bleiben die absoluten KI-Ausgaben hoch, weil die Abrechnung pro Token jede Anfrage direkt in reale Kosten übersetzt. Die Branche müsse daher konsequent zwischen produktiver Anwendung und teuren Experimenten trennen. Für Investoren zählt am Ende, wer KI wie jede andere Kapitalallokationsentscheidung mit harter ROI-Logik steuert.

Die Debatte um KI-Budgets bekommt gerade eine unangenehm nüchterne Wendung. Rob Hornby, Co-CEO von AlixPartners, stellt die Entwicklung so dar: Token-basierte Preise mögen schneller sinken als man es von früheren Technologiephasen kennt, aber das garantiert noch lange keine kleine Gesamtrechnung. Wer KI in Produkte und Prozesse integriere, stelle sich nicht automatisch besser, nur weil ein einzelner Rechenvorgang günstiger werde. Entscheidend sei, wie stark die Nutzung wächst, welche Workloads tatsächlich in den Betrieb gehen und ob Unternehmen die Kosten an den richtigen Stellen optimieren.
Technisch betrachtet liegt der Kern des Problems in der Kopplung von Nachfrage und Abrechnung. Wenn KI-Modelle nicht pauschal bezahlt werden, sondern jede Anfrage als Token-Position in der Rechnung auftaucht, wird aus einer „einmal testen“-Schätzung schnell eine skalierende Kostenlinie. Damit verschwindet die sogenannte Pauschalgebühren-Honeymoon-Phase, in der Budgets häufig unabhängig von der tatsächlichen Nutzung geplant werden konnten. Hornbys Argument läuft darauf hinaus, dass Unternehmen die Lücke zwischen Hype und Cashflow jetzt sichtbar „ausbuchen“ müssen: sinkende Preise pro Einheit treffen auf steigenden Verbrauch in echten Workflows.
Der Übergangszustand, den Hornby beschreibt, passt inhaltlich gut zu dem, was man in vielen Organisationen heute in der Praxis erlebt. Es wird weiterhin in Infrastruktur investiert, Teams bauen Pipelines auf, und Modellzugänge werden in mehrere Abteilungen ausgerollt. Gleichzeitig ist die Monetarisierung ungleich verteilt: Einige Anwendungsfälle liefern messbare Produktivitätsgewinne, andere bleiben bei Pilot-Charakter oder erfordern wiederkehrend teure Iterationen, etwa wenn Qualität erst im laufenden Betrieb erreicht wird. Gerade die marginale Rendite jedes zusätzlichen Tokens variiert je nach Anwendung deutlich, weil sich Input-Länge, Antwortkomplexität, Wiederholungsbedarf und Qualitätsanforderungen unterscheiden.
Für Aufsichtsräte und Finanzvorstände wird das zum Steuerungsproblem, nicht nur zu einem Kostenproblem. Hornby zieht daraus eine klare Schlussfolgerung: KI-Ausgaben sollten als normale Kapitalallokation behandelt werden. Das bedeutet in der Praxis, dass Teams schnell streichen müssen, was sich nicht rentiert, und dass Premiumpreise nur dort akzeptabel sind, wo sich Produktivitätszuwächse belastbar messen lassen. Gleichzeitig entlastet die Entwicklung bei den Stückkosten nicht automatisch, wenn Unternehmen zwar effizienter werden, aber parallel den Umfang der Nutzung stark ausweiten oder neue Use Cases nachziehen.
Marktseitig verschiebt sich damit der Fokus von „Modellpower“ zu Betrieb und Wirtschaftlichkeit. Sinkende Stükckosten bei skalierender Nutzung können weiterhin zu großen Rechnungen führen, wenn die Architektur und Prozesskette nicht sauber auf Kostenkurven optimiert sind. Beispiele aus der Praxis sind etwa RAG-Workflows mit langen Kontextfenstern, generative Assistants, die in Schleifen nachjustieren, oder automatisierte Dokumentenprozesse, bei denen die Ausgabeketten mehrere KI-Schritte erfordern. Solche Muster machen deutlich, warum Unternehmen nicht nur die Preislisten der Anbieter beobachten sollten, sondern auch die eigene Consumption-Strategie: Wie werden Anfragen gebündelt, wie wird die Antwortlänge begrenzt, und wo entstehen Wiederholungen durch Qualitätsanforderungen?
Für Investoren und Unternehmenslenker entsteht daraus eine Art Qualitätsfilter für KI-Programme. Wer diese Phase übersteht, behandelt KI-Budgets diszipliniert, stellt messbare Produktivitätsziele in den Vordergrund und kann Budgets auch dann verteidigen, wenn einzelne Token-Preise weiter fallen. Wer dagegen zu lange nur auf sinkende Stückkosten setzt, übersieht, dass „billiger pro Einheit“ bei wachsendem Volumen trotzdem „teuer im Gesamtbild“ bedeuten kann. Unterm Strich bleibt Hornbys Warnung: Die Kostenkurve bewegt sich, doch die Rechnung wird erst dann klein, wenn Unternehmen KI konsequent nach ROI steuern und nicht nach Neugier.
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