STANFORD / LONDON (IT BOLTWISE) – Forscher der Stanford University haben erstmals gezeigt, dass maschinelles Lernen die Steuerung eines Roboters auf der Internationalen Raumstation sicher übernehmen kann. Diese Entwicklung ebnet den Weg für autonomere Weltraummissionen und könnte die Effizienz von Robotern im All erheblich steigern.

Die jüngsten Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz haben es Forschern der Stanford University ermöglicht, einen bedeutenden Meilenstein in der Roboternavigation auf der Internationalen Raumstation (ISS) zu erreichen. Durch den Einsatz von maschinellem Lernen konnte der Astrobee-Roboter, ein würfelförmiger, ventilatorbetriebener Roboter, autonom durch die komplexe Umgebung der ISS navigieren. Diese Entwicklung könnte die Tür zu einer neuen Ära der autonomen Weltraummissionen öffnen, bei denen Roboter Aufgaben übernehmen, die bisher von Astronauten manuell durchgeführt wurden.
Die ISS stellt eine herausfordernde Umgebung dar, die aus miteinander verbundenen Modulen besteht, die mit Computern, Lagerräumen, Verkabelungen und experimenteller Hardware gefüllt sind. Die Planung sicherer Bewegungen für den Astrobee-Roboter ist daher alles andere als trivial. Traditionelle autonome Planungsansätze, die auf der Erde erfolgreich sind, sind für die im Weltraum eingesetzte Hardware oft unpraktisch. Die Flugcomputer, die diese Algorithmen ausführen, sind oft ressourcenbeschränkter als ihre irdischen Pendants, und die Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit sind im Weltraum weitaus höher.
Um diese Herausforderungen zu meistern, entwickelte das Stanford-Team ein System, das auf einem Optimierungsverfahren namens sequentielle konvexe Programmierung basiert. Dieses Verfahren zerlegt komplexe Planungsprobleme in eine Reihe kleinerer, einfacher Schritte, um eine sichere und machbare Endtrajektorie zu erzeugen. Um den Prozess zu beschleunigen, wurde das System mit einem maschinellen Lernmodell erweitert, das auf Tausenden von früheren Pfadlösungen trainiert wurde. Dieses Modell bietet dem Roboter eine Art “Warmstart”, indem es Muster aufzeigt, wie beispielsweise die Existenz von Korridoren oder Hindernissen.
Bevor das System auf der ISS getestet wurde, führte das Team Tests an einem speziellen Teststand im NASA Ames Research Center durch. Dort operierte das KI-Modell einen Roboter, der dem Astrobee ähnelt, auf einer Granitplatte, die durch Druckluft in einer Art Mikrogravitation schwebte. Diese Tests zeigten, dass der Warmstart die Bewegungsplanung des Astrobee-Roboters erheblich beschleunigte, insbesondere in herausfordernden Situationen wie engen Korridoren oder bei Manövern, die eine Drehung erforderten.
Nach den erfolgreichen Tests auf der ISS erreichte das System die Technologie-Reifegradstufe 5, eine NASA-Klassifikation, die erfolgreiche Tests in einer realen Betriebsumgebung anzeigt. Diese Entwicklung ist ein wichtiger Schritt in Richtung autonomer Weltraummissionen, bei denen Roboter zunehmend Aufgaben übernehmen, die bisher von Menschen durchgeführt wurden. Die Forscher planen, ihre Arbeit fortzusetzen und die Warmstart-Techniken weiter zu verbessern, um die Autonomie von Robotern im Weltraum zu erhöhen.
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