KENOSHA / LONDON (IT BOLTWISE) – Carthage College startet mit „Launch Kenosha“ ein kostenloses Entrepreneurship-Programm für lokale Gründer. Der Ablauf kombiniert einen sechswöchigen Business-Bootcamp-Block mit individuellem Coaching und Projektarbeit. Neu ist außerdem das Ausbildungskonzept mit Zertifikat für Absolventen – inklusive einer akademischen Anbindung an die University of Notre Dame. Bewerbungen für den Jahrgang 2026-27 sind bis zum 20. September möglich.

Carhthage College baut seine regionale Gründerförderung in Kenosha spürbar aus: Mit „Launch Kenosha“ geht ab Oktober ein kostenloses Programm an den Start, das City-Residents adressiert, die eine eigene Firma gründen wollen, aber bisher zu wenig Unterstützung hatten. Inhaltlich setzt die Hochschule auf ein in anderen Kontexten erprobtes Blueprint, das nicht nur Ideen sammelt, sondern Gründer in einen strukturierten Lern- und Umsetzungsmodus bringt. Die zeitliche Planung ist dabei klar: Nach einem sechswöchigen Business-Bootcamp folgen über Winter und Frühling eine persönliche Begleitung durch Mentoren sowie Projektunterstützung durch Studierende.
Bemerkenswert ist vor allem die Lernarchitektur: „Launch Kenosha“ arbeitet mit einem credentialed learning system, also einem Abschlussmodell, bei dem nicht nur Teilnahme zählt, sondern ein definierter Lernpfad zum Programmentgelt gehört. Laut Ankündigung erhalten Absolventen jeweils ein Zertifikat von Carthage und der University of Notre Dame. Als konzeptionelle Blaupause dient dabei ein international bekanntes Programm, das vom Notre-Dame-Professor Michael Morris entwickelt wurde. Für Unternehmen und potenzielle Gründer ist das relevant, weil Zertifikate in der Praxis häufig als Vertrauensanker fungieren – etwa bei der frühen Akquise von Kunden, Partnerschaften oder bei der Bewerbung um weitere Förder- und Inkubationsschritte.
Das Programm wirkt zudem wie eine konsequente Weiterentwicklung eines bestehenden Ansatzes: Professor Joseph Tenuta hatte bereits im vergangenen Jahr das regionale BizStarts Institute nach Kenosha geholt. Nach einem erfolgreichen Debüt entscheidet sich Carthage nun 2026-27 für eine neue Benennung und ein angepasstes Bild, behält aber laut Angaben einen großen Teil des ursprünglichen Curriculums bei. Damit wird ein häufiges Muster der Hochschul- und Startup-Ökosysteme sichtbar: Statt beim ersten Durchlauf bei der „Pilotlogik“ stehenzubleiben, wird der bewährte Lehrstoff in ein langfristig skalierbares Programmformat überführt. Für die Community bedeutet das vor allem Kontinuität: Gründer profitieren nicht von völlig neuen Lehrwegen, sondern von einem iterativ verbesserten Setup.
Wie dieses Setup im Alltag ankommt, zeigen die Erfahrungen aus dem ersten Jahrgang, der später als „Launch Kenosha“ fortgeführt wurde. Drei Studierende waren 2025-26 unter den 14 Kenosha-Unternehmern, die das Programm erfolgreich abgeschlossen haben. David Montesinos, 26, beschreibt, dass ihm ein strukturierter Rahmen geholfen habe, aus einer Idee tatsächlich eine tragfähige Geschäftspraxis zu machen. In seinem Fall geht es um ein Fitness- und Businessmodell, das über eine Gewichtsverlust-Erfahrung entstanden ist; zentral war für ihn die Kombination aus Mentoring, Feedback und einem kritischeren Blick auf Geschäftsmodell, Branding und langfristige Ausrichtung. Auch Chase Crippen, 28, hebt „actionable steps“ hervor: Für seine digitale Plattform im Bereich Wellness und Lifestyle-Optimierung habe das Programm die Strategie geschärft und aus Ideen eine klarere Route zur Umsetzung gemacht.
Daneben liefern die Beispiele aus unterschiedlichen Branchen einen wichtigen Hinweis auf die Zielsetzung des Programms: „Launch Kenosha“ will nicht nur Einzelwissen vermitteln, sondern Gründer in Entscheidungsprozesse bringen, die unabhängig von der jeweiligen Nische funktionieren. Bryson Palacio, 28, etwa hat über den Kenosha-Block Ressourcen für sein Kunstbedarfsunternehmen gefunden, das auf Comic-Panel-Templates, Character-Design-Sheets und Animation Storyboarding spezialisiert ist. Für ihn waren neben dem Curriculum vor allem die Menschen entscheidend: Er nennt Joseph Tenuta als prägenden Mentor und betont, dass der Unterricht durch Lehrende in der Startphase einen Beitrag zur Effizienz beim Vermarkten und Produzieren geleistet habe. Diese Mischung passt zu einem Enterprise-typischen Ansatz: Nicht nur „Content“ zählen lassen, sondern Interaktion, Feedback-Loops und die Übersetzung in konkrete nächste Schritte.
Für die technische Umsetzung des Programms im Sinne des Projektmanagements ist interessant, wie Carthage die Rollen verteilt: Die Bootcamp-Phase wird von Fakultätsmitgliedern aus der School of Business and Economics angeleitet, mit Sessions im Kenosha Innovation Center. Anschließend übernehmen erfahrene Mentoren das One-on-one Coaching, während studentische Consultants projektbezogene Unterstützung leisten. Diese zweite Ebene ist nicht nur didaktisch, sondern schafft auch eine Art „praktische Brücke“ zwischen Lehrumgebung und echten Unternehmensanforderungen. Parallel dazu verweist Carthage auf einen separaten BizStarts-Lauf in Racine, an dem im vergangenen Jahr weitere Studierende als bezahlte Berater mitwirkten.
Das betont auch die breitere Wirkung auf die Ausbildung: Pierce Bakker, 29, nennt aus seiner Tätigkeit als Consultant im Racine-Programm vor allem Einblicke in das Handwerks- und Vertragsumfeld – ausdrücklich aus der Perspektive eines Elektrikers. Für ihn lag der Mehrwert in den Nuancen, die ein traditionelles Büro-Setting so nicht abbildet, etwa bei der Buchungslogik und bei der Aufbereitung von Wissen über ein Paket-Template und eine Tutorial-Struktur für Buchhaltungssoftware. James Schweitzer, 26, wiederum arbeitete in Kooperationen mit unterschiedlichen Anbietern, um AI-Implementierungsstrategien für beide Fälle zu entwickeln; er erklärt, dass er bewusst zwei weit auseinanderliegende Geschäftsmodelle gewählt habe, um die spätere Beratungsfähigkeit nach dem Studium zu stärken. Praktisch bedeutet das: „Launch Kenosha“ ist zwar ein Gründerprogramm, aber es liefert gleichzeitig einen strukturierenden Kompetenzaufbau für angehende Berater.
Für den nächsten Jahrgang gilt die Deadline: Der Cohort 2026-27 startet im Oktober, die Bewerbungsfrist endet am 20. September. Interessierte können Fragen per E-Mail an [email protected] richten. Damit bleibt der Einstieg planbar, und zugleich können Gründer die Zeit bis zum Bootcamp nutzen, um Idee, Problemstellung und Zielkunden so vorzubereiten, dass sie im Bootcamp nicht bei der Erzählung hängenbleiben, sondern in ein belastbares Vorgehensmodell wechseln.
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