LONDON (IT BOLTWISE) – Ledger Donjon beschreibt eine physische Schwachstelle in Tangem-Karten: Mit einer Labor-Laserattacke kann ein Angreifer den Kartengeheimcode über einen Passwort-Reset umgehen und anschließend Transaktionen signieren. Kritisch ist dabei vor allem die fehlende Patch-Möglichkeit, weil die Karten nach Angaben des Teams keine Firmware-Updates unterstützen. Gleichzeitig betont Tangem, dass der Angriff nicht skalierbar sei und teure Laborbedingungen erfordere. Für Unternehmen und Security-Teams verschiebt die Meldung den Fokus stärker auf Hardware-Schutz, Prozesssicherheit und physische Zugriffskontrollen.

Die Debatte um KI-gestützte Angriffe und Software-Schwachstellen erreicht diesmal die Hardware-Ecke: Ledger Donjon, das Security-Team des Wallet-Anbieters Ledger, berichtet über eine Laser-Fault-Injection gegen Tangem-Bitcoin-Wallet-Cards. Der Kern der Aussage lautet, dass die Karten sich unter bestimmten Voraussetzungen so manipulieren lassen, dass ein Angreifer den Passwortschutz aushebeln und später Transaktionen auslösen kann. Entscheidend ist jedoch der Angriffsweg: Laut Bericht braucht der Angreifer physischen Zugriff auf die Karte sowie teure Labortechnik und tiefes Know-how in der Hardware-Analyse. Damit ist das Szenario weniger „Remote-Hack“ und mehr eine Frage von Schutzketten im realen Betrieb.
Technisch wird das Problem als „critical vulnerability“ beschrieben, genauer: als Möglichkeit, die Karten zu einem Passwort-Reset zu bewegen, ohne das alte Passwort zu kennen. In der Wallet-Praxis ist das heikel, weil ein Passwortreset allein nicht automatisch Geld „entlädt“, aber eine Voraussetzung für das spätere Signieren darstellen kann. Ledger Donjon führt außerdem aus, dass die Schwachstelle „alle Tangem Cards“ in der aktuellen Nutzung betreffe. Der Grund dafür liegt laut Bericht in einer fehlenden Firmware-Update-Infrastruktur: Wer die Karte ausgerollt hat, erhält damit keinen sicheren Patch-Weg, der das Verhalten nachträglich korrigieren könnte. Für Security-Verantwortliche ist das ein typischer Risikofaktor bei Geräten ohne Lifecycle-Update.
Der Angriff selbst wird als Labor-Aufbau geschildert, der das Chip-Substrat gezielt unter Druck setzt. Ledger Donjon gibt an, dass die Einrichtung etwa 250.000 US-Dollar gekostet habe, und nennt als Voraussetzung zudem, dass die Karte geöffnet werden muss. Danach brauche es einen Laser-Puls auf einen „tiny part“ des Chips. Aus Verteidigungssicht ist das Muster gut bekannt: Fault Injection zielt darauf ab, Abweichungen in der deterministischen Ausführung zu erzeugen, etwa durch kurzzeitige Störungen an kritischen Logik- oder Speicherbereichen. Im Vergleich zu klassischen Seitenkanälen (Timing, Power, EM) ist Laser-basiertes Fault-Scanning deutlich aufwendiger, aber gerade deshalb für hochwertige Hardware relevant.
Im Marktkontext ist die Meldung weniger ein Tangem-spezifischer Einzelfall als ein weiterer Baustein in der breiteren Sicherheitsgeschichte von Krypto-Wallets. Historisch haben sich insbesondere drei Fehlerklassen immer wieder gezeigt: unsichere Seed-Phrase-Handhabung, Social Engineering und kompromittierte Endgeräte (z. B. Betrügerische Apps). Tangem argumentiert deshalb, der „real-world“-Schaden sei nicht skalierbar, weil der Angriff ein hochqualifiziertes Laborteam erfordere, das zudem potenziell mehrere Karten zerstören müsse, um die Chipcharakteristik zu erfassen. Branchenkenner ordnen solche Streitpunkte meist als Risiko-Spektrum: hochgradig relevant im Labor, weniger wahrscheinlich im Feld, aber nicht ignorierbar für Nutzer mit erhöhtem Profil.
Ein wichtiger Wettbewerbspunkt ist dabei der Vergleich zur eigenen Silokonzept- und Update-Strategie anderer Hardware-Ökosysteme. Ledger steht als Referenz hier doppelt im Spiel: Einerseits liefern die gleichen Sicherheitsprinzipien einen Prüfrahmen für andere Karten, andererseits hat Ledger selbst in der Vergangenheit Maßnahmen betont, die Hardware-Angriffe erschweren (z. B. Durch Schutzarchitekturen und Härtung). Tangem positioniert sich dagegen häufig über Einfachheit und „kartenbasiertes“ Handling, was die Update-Fähigkeit in der Praxis stärker beeinflusst. Neben Ledger werden in der Branche auch Wallet-Designs wie Geräte mit Secure-Elements oder kontrollierten Firmwarepfaden diskutiert, weil sie Fault-Angriffe wenigstens teilweise über Härtung, Monitoring und klaren Gerätelebenszyklus abfangen können.
Aus Unternehmenssicht verschiebt die Meldung den Fokus weg vom „Patchen einer Softwareversion“ hin zu Prozessen rund um physische Sicherheit und Zugriffskontrolle. Wenn Karten keine Firmware-Updates besitzen, wird die operative Frage dringlicher: Wie werden Karten gelagert, ausgegeben, transportiert und im Worst Case zurückgenommen? In Hochrisiko-Umgebungen (z. B. Treasury, häufiges On-Chain-Handling, große Bestände) gewinnt die Kombination aus geofenced Zugriffen, manipulationssicheren Versandwegen und „dual control“ an Bedeutung. Ergänzend sollten Security-Teams die Risikoannahmen regelmäßig gegen den eigenen Bedrohungsaktualisierungsplan prüfen: Ein teurer Laborangriff ist zwar selten, aber die Kosten dafür müssen nicht mit dem individuellen Schadenpotenzial korrelieren.
Regulatorisch und datenschutzbezogen ist die Lage anders gelagert als bei vielen KI- oder Cloud-Themen: Hier geht es vor allem um Sicherheit und Integrität, weniger um personenbezogene Daten. Dennoch berührt die Meldung Compliance-Themen, weil Organisationen, die Krypto-Assets halten, häufig interne Richtlinien zu Risikoanalysen, Dokumentationspflichten und Incident-Response umsetzen müssen. Außerdem spielt „Accountability“ eine Rolle: Wenn ein Gerät ohne Update-Pfad ausgeliefert wird, sollte die interne Risikoanalyse klar beschreiben, warum trotz fehlender Patchfähigkeit akzeptiert wird. Das hilft auch bei Prüfungen durch interne Audit-Teams oder externe Regulatorik-orientierte Reviews.
Für die Zukunft ergeben sich zwei realistische Handlungsstränge. Erstens: Wallet-Hersteller dürften Fault-Injection-Tests stärker standardisieren, weil Laser-/Glasfaser-Varianten und ähnliche Störmethoden in Labors gut reproduzierbar werden. Zweitens: Käufer werden vermutlich noch genauer zwischen „einfach bedienbaren“ Karten und „härtungs- plus lifecycle“-fähigen Geräten unterscheiden. Analystisch lässt sich erwarten, dass mehr Anbieter Update-Mechanismen, sicherere Authentisierung und Schutz gegen physische Manipulation integrieren. Bis dahin gilt: Tangem-Nutzer müssen nicht automatisch von einem verbreiteten Angriff ausgehen, aber Security-Verantwortliche sollten den Schritt von „Seed-Schutz“ hin zu „gesamter Geräte- und Besitzkette“ ernst nehmen.
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