PORTUGAL / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Lufthansa soll einem portugiesischen Fernsehbericht zufolge beim Verkauf eines großen Teils von TAP den Zuschlag für 44,9 Prozent erhalten. Ausschlaggebend sei offenbar ein Angebot gewesen, das vollständig als Barzahlung strukturiert ist, während ein Wettbewerber mit einer Mischung aus Bargeld und Aktien antrat. Portugal will den Gewinner im Kabinett kurzfristig festlegen, der Verkauf braucht jedoch zusätzlich die Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörden. Unklar bleibt vorerst, welche Rolle Preis und Auflagen beim finalen Votum wirklich spielen.

Der Deal um die portugiesische Fluggesellschaft TAP wird damit konkreter: Laut einem portugiesischen Fernsehbericht befindet sich die Lufthansa im Rennen um den Zuschlag für 44,9 Prozent der Airline. Dem Bericht zufolge setzten die Deutschen vor allem auf ein reines Barangebot, während ein anderer ernsthafter Wettbewerber mit einem Mix aus Bargeld und Aktien argumentierte. Offiziell bestätigt ist die Entscheidung noch nicht; die Regierung wollte am Mittwoch in einer außerordentlichen Kabinettssitzung über den Gewinner befinden.
Für die Bewertung der Angebote ist nicht nur die Höhe des Kaufpreises relevant, sondern auch die Struktur, also wie die Käuferseite den Erwerb finanziell abbildet. Wenn ein Bieter den Kauf vollständig in bar ausweist, reduziert das aus Sicht des Verkäufers häufig die Komplexität rund um Bewertungsfragen und Kapitalmarktrisiken, die bei aktienbasierten Komponenten entstehen können. Genau dieser Punkt soll laut dem Bericht den Unterschied gemacht haben, zusätzlich zur Annahme, dass die Finanzlage der Lufthansa stärker war als die des Konkurrenzangebots.
Die Regierung in Portugal bleibt dabei aber in einem zweistufigen Entscheidungsprozess: Selbst wenn das Kabinett einen Gewinner benennen sollte, ist der Verkauf noch nicht durch. Erst die Freigabe durch die europäischen Wettbewerbsbehörden macht den Schritt endgültig. Damit richtet sich der Fokus in den kommenden Tagen auf zwei Prüfsteine, die für Käufer und Verkäufer gleichzeitig wichtig sind: Wie sich ein Minderheitsengagement auf Marktstrukturen auswirkt, und ob die vom Staat geknüpften Bedingungen tatsächlich im beabsichtigten Umfang erfüllt werden können.
Portugal verkauft im Zuge der Privatisierung einen Teil seiner Staatsairline: Insgesamt sollen bis zu 49,9 Prozent in private Hände übergehen. Davon entfallen 44,9 Prozent auf einen Referenzinvestor, während bis zu fünf Prozent für Beschäftigte vorgesehen sind. Interessenten gab es dabei nicht nur auf der Seite der Lufthansa und des französisch-niederländischen Konzerns; auch IAG, die unter anderem hinter Iberia und British Airways steht, hatte offenbar Interesse, zog sich aber wieder zurück. Als Grund wurde im Bericht das portugiesische Modell genannt, das nur eine Minderheitsbeteiligung vorsieht und damit nicht in IAGs bevorzugtes Setup mit Mehrheitskontrolle passt.
Technisch und finanziell liefen die Vorbereitungen bereits über Monate: Lufthansa und Air France-KLM reichten Ende Juli verbindliche Gebote ein, nachdem Finanzminister Joaquim Miranda Sarmento die Angebote zuvor als „sehr gleichwertig“ beschrieben hatte. Im April hatte man sich damit auf den Wettbewerb im Hintergrund eingestellt, Anfang September folgte eine letzte Verhandlungsrunde, in der beide Seiten nachbessern sollten. Später im September gaben die Bieter schließlich ihre endgültigen Gebote ab, allerdings ohne dass im Bericht konkrete Zahlen veröffentlicht wurden. Als Orientierung nennt der Text eine Schätzung von Analysten, wonach TAP insgesamt auf rund 1,5 Milliarden Euro bewertet sein könnte; daraus würden für 44,9 Prozent etwa 700 Millionen Euro resultieren. Wichtig ist dabei: Es handelt sich um eine Schätzung, nicht um einen offiziell kommunizierten Kaufpreis.
Neben dem Preis legt Portugal zudem strategische Leitplanken fest, die für jeden Investor bindend sind, selbst wenn es „nur“ um einen Minderheitsanteil geht. Dazu zählen der Erhalt der Marke TAP, die Sicherung des Hauptsitzes in Portugal, das Drehkreuz Lissabon sowie die Fortführung strategisch wichtiger Strecken. Außerdem nennt der Bericht Verbindungen zu den autonomen Regionen und zu portugiesischsprachigen Ländern, einen Ausbau in Porto, Investitionen in die Flotte und einen Zehn-Jahres-Wachstumsplan. Der Staat behält sich zudem das Recht vor, das Verfahren jederzeit ohne Entschädigung abzubrechen, falls die Gebote die strategischen Interessen nicht wahren.
Für die Lufthansa wäre TAP vor allem ein Hebel, um die Abdeckung ihres Netzwerks in Richtung Lateinamerika und Afrika zu stärken. Das Drehkreuz Lissabon bündelt in der Praxis viele Verbindungen in genau diese Richtung, während die Lufthansa-Gruppe dort bislang weniger stark aufgestellt ist. Gleichzeitig bleibt die Rechnung bei einem Minderheitskauf eine Balance aus Chancen und Grenzen: Synergien sind möglich, doch der Einfluss über operative Entscheidungen ist natürlicherweise geringer als bei einer Mehrheitsübernahme. Entscheidend wird deshalb weniger die Finanzierungsform als die Frage, wie gut die vertraglich vereinbarten Verpflichtungen – Marke, Standort, Strecken und Ausbauplan – in der täglichen Steuerung der Airline tatsächlich umgesetzt werden.
Finanzseitig liefert die aktuelle Geschäftslage einen weiteren Kontext: TAP beendete das erste Halbjahr dem Bericht zufolge mit einem Verlust von 99,2 Millionen Euro, den die Airline auf gestiegene Treibstoffpreise zurückführt. Der Staat stellt dem jedoch historisch hohe Verkaufszahlen gegenüber, was aus Investorensicht auf zwei gegenläufige Kräfte hinausläuft: Nachfrage auf der einen Seite, Kosten- und Margendruck auf der anderen. Genau diese Mischung kann für einen Käufer attraktiv sein, der ein Netzwerk, Einkaufsvorteile oder betriebliche Effizienzsysteme in das Zielunternehmen einbringen kann. Für die EU-Kartellfreigabe bleibt dennoch zentral, ob und wie sich die Beteiligung auf Wettbewerb und Marktzugänge auswirkt.
Am Ende sollten Beobachter deshalb vor allem drei Punkte im Blick behalten: die offizielle Kabinettsentscheidung, die Veröffentlichung des tatsächlichen Kaufpreises sowie die Haltung der EU-Kommission zur Wettbewerbsfrage. Solange die Freigabe aussteht, bleibt der Deal nicht nur politisch, sondern auch regulatorisch offen. Gleichzeitig zeigt der berichtete Fokus auf Barzahlung statt Aktienmix, dass Finanzierungslogik und Risikoallokation in solchen Privatisierungsverfahren unmittelbar in die Bewertung einfließen.
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