LONDON (IT BOLTWISE) – Mastercard startet gemeinsam mit Ripple, Gemini und WebBank einen Pilot für RLUSD-Stablecoin-Abwicklungen bei Kreditkartentransaktionen auf dem XRP Ledger. Ziel ist es, die Zahl der Abwicklungsschritte zu reduzieren und Zahlungsvorgänge näher an Echtzeit heranzubringen. Die Initiative knüpft an RLUSD an, das seit Dezember 2024 unter einem New Yorker Trust Charter in Umlauf ist und vollständig durch Barmittel sowie Barmitteläquivalente gedeckt sein soll. Noch hängen die nächsten Schritte jedoch von regulatorischen Freigaben ab.

Mastercard geht mit einem neuen Abwicklungsversuch über die klassische Karteninfrastruktur hinaus: Gemeinsam mit Ripple, Gemini und WebBank soll RLUSD künftig für Kreditkartenzahlungen über das XRP Ledger (XRPL) als Stablecoin-Settlement genutzt werden. Die Unternehmen stellten die Initiative beim Swell 2025-Event vor und wollen in den kommenden Monaten mit dem Onboarding von RLUSD auf XRPL beginnen. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb spannend, weil es einen der häufigen Engpässe im Zahlungsverkehr adressiert: Zwischen Akzeptanz beim Händler und Verfügbarkeit der Gelder bei den Beteiligten liegen im Regelfall mehrere interne und externe Clearing- und Abwicklungsprozesse, die typischerweise im Bereich von einem bis drei Tagen liegen.
Technisch betrachtet verlagert der Pilot einen Teil der Zahlungsabwicklung von traditionellen Abrechnungswegen hin zu einem tokenisierten Abwicklungsmechanismus auf einer öffentlichen Blockchain. RLUSD ist laut Darstellung der beteiligten Unternehmen im Dezember 2024 gestartet und fällt damit zeitlich in eine Phase, in der Stablecoins für regulatorisch unterstützte Use-Cases in den USA zunehmend an Profil gewinnen. Besonders hervorgehoben wird dabei die Konstruktion: RLUSD soll vollständig durch Barmittel sowie Barmitteläquivalente abgesichert sein und auf einem New Yorker Trust Charter aufbauen. Genau diese Mischung aus „Stabilität durch Reserve“ und „Settlement durch Blockchain“ ist entscheidend, damit sich der Wechsel für Kartenflüsse nicht wie ein reines Experiment mit hoher Kursvolatilität anfühlt.
Im Detail soll WebBank, die bereits Kartenemissionen im Umfeld von Gemini bereitstellt, Mastercard-Transaktionen über RLUSD auf XRPL testen. Diese Verknüpfung ist mehr als nur ein technischer Integrationstest: Sie führt eine On-Chain-Komponente in einen Zahlungsprozess ein, der traditionell über mehrere bilaterale Beziehungen zwischen Händlerbank, Kartenausgeber und jeweils zuständigen Intermediären organisiert wird. Aus Sicht der beteiligten Firmen liegt der Mehrwert in der Geschwindigkeit und Effizienz der Abwicklung; gleichzeitig wird ein regulatorisch abgesicherter Stablecoin in den Mittelpunkt gestellt. Ripple President Monica Long wird dabei mit dem Ziel zitiert bzw. in der Meldung mit dem Sinn geordnet, die bereits genutzten Zahlungsflüsse der Verbraucher durch Blockchain-Schnelligkeit zu verbessern.
Bemerkenswert ist zudem, wie stark die Initiative den Real-World-Anspruch betont: Ripple berichtet, dass RLUSD bereits die Marke von 1 Milliarde US-Dollar im Umlauf erreicht hat. Damit ist die Stablecoin-Basis für weitere Integrationen nicht bei null, was in frühen Piloten oft über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Chainlink Labs bringt in diesem Kontext ein technisches Argument in die Debatte: Mit dem Ansatz ließe sich eine „echtzeitnahe Abwicklung“ insbesondere für grenzüberschreitende Zahlungen unterstützen. Das passt zu einem wiederkehrenden Problem im internationalen Karten- und Überweisungsverkehr: Wenn mehrere Zeitscheiben, Währungsumrechnungen und Clearing-Netzwerke zusammenkommen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Verzögerungen. Eine On-Chain-Abwicklung kann diese Kette verkürzen, sofern die regulatorischen und operationalen Voraussetzungen der Teilnehmer sauber zusammenspielen.
Auch die Produktlandschaft rund um die Kartenpartner zeigt, dass die Beteiligten nicht bei einem einzelnen Pilot stehen bleiben wollen. Mastercard hat bereits im Juni digitale Asset-Partnerschaften erweitert und dabei mit Chainlink zusammengearbeitet, um direkte On-Chain-Käufe von Krypto über eine sichere Fiat-zu-Krypto-Umwandlung zu ermöglichen. Zusätzlich wurde am selben Tag eine Partnerschaft mit Humanity Protocol für „Open-Finance“-Technologiezugang angekündigt. Für den Markt ist das ein Signal, dass Kartenanbieter und Infrastrukturpartner Stablecoins und Blockchain-Mechaniken nicht isoliert testen, sondern in breitere Zahlungs- und Asset-Ökosysteme einweben wollen.
Für die nächsten Schritte bleibt jedoch die regulatorische Seite der entscheidende Taktgeber: Die Unternehmen wollen RLUSD in den kommenden Monaten für XRPL onboarden, aber ausdrücklich abhängig von behördlichen Genehmigungen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob sich der Pilot zu einer skalierbaren Betriebsvariante entwickelt oder zunächst auf den eingeschränkten Rahmen eines kontrollierten Testbetriebs zurückfällt. Wenn die Freigaben kommen, könnte der Ansatz für weitere US-Partner besonders relevant werden, weil die Meldung ihn als frühes Beispiel positioniert, in dem eine regulierte US-Bank traditionelle Kartenabrechnungen mit einem regulierten Stablecoin auf einer öffentlichen Blockchain verbindet. Unabhängig vom Ergebnis dürfte der Versuch die Debatte in der Enterprise-Software- und Zahlungsindustrie weiter anheizen: Viele Teams werden jetzt prüfen, welche Abwicklungslogik sich in ihre bestehenden Settlement-Workflows integrieren lässt, ohne Governance-, Risiko- und Audit-Anforderungen zu verfehlen.
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