SAUDI-ARABIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Zum Monatsende geben die Ölpreise nach, obwohl die Handelswoche stark schwankte. Brent notiert bei 88 US-Dollar je Barrel, rund fünf Dollar unter dem Vortag. Laut Kpler passieren wieder mehr Tanker die Straße von Hormus, auch im Roten Meer läuft der Transit noch nicht vollständig leer. Gleichzeitig bleiben Fracht- und Versicherungskosten wegen Sicherheitsrisiken hoch.

Mehr Tanker durch Hormus dämpfen Ölpreise zum Monatsende – doch Risiken bleiben
Mehr Tanker durch Hormus dämpfen Ölpreise zum Monatsende – doch Risiken bleiben (Foto: IT BOLTWISE)
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Zum Monatsende wirkt der Markt kurzfristig beruhigt: Brent-Rohöl kostet am Morgen 88 US-Dollar je Barrel und liegt damit etwa fünf Dollar unter dem Vortag. Die Bewegung folgt weniger einer „Grundentspannung“ als einer spürbaren Verschiebung im Logistik-Track: Wie aus Marktdaten des Analyseunternehmens Kpler hervorgeht, passierten am Mittwoch 14 Tanker die Straße von Hormus in beide Richtungen. Das ist mehr als in der Vorwoche und hilft, die unmittelbare Befürchtung zu reduzieren, dass sich Engpässe in der Region dauerhaft verfestigen.

Technisch betrachtet sind es vor allem die Transportwege, die den Preisaufschlag treiben. Wenn mehr Schiffe die strategischen Meerengen passieren können, sinkt der Druck auf die sofortige Verfügbarkeit von Ladungen. Gleichzeitig lässt sich der Einfluss in der Praxis an einem zweiten Kostenblock festmachen: Selbst bei weiterem Transit bleiben Fracht- und Versicherungskosten wegen der Sicherheitslage auf einem hohen Niveau. Genau daraus entsteht der „geopolitische Risikoaufschlag“ im Ölpreis – also der Teil, den Händler nicht nur mit kurzfristigen Bestands- oder Nachfrageeffekten erklären, sondern mit dem Risiko künftiger Ausfälle.

Der Kontext bleibt jedoch widersprüchlich. Zwar wird die Militärlage zwischen den USA und dem Iran in der Berichtszeit als weiterhin angespannt beschrieben, doch offenbar kann gerade deshalb wieder mehr Seeverkehr durchfahren. Parallel deutet auch die Situation im Roten Meer nicht auf einen totalen Stillstand hin: Mehrere Schiffe liefen zuletzt in den Golf von Aden ein, vermutlich mit Ziel Yanbu. Das ist bemerkenswert, weil die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz erst vergangene Woche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt hatte. Politische Gespräche sollen derweil die maritime Sicherheit bündeln: Saudi-Arabien beriet am Donnerstag mit Vertretern aus 43 Staaten über eine internationale Koalition zum Schutz der Schifffahrt in Bab-al-Mandab und im Golf von Aden.

Während die Transportdaten kurzfristig Entspannung signalisieren, bleibt die Eskalationsdynamik im Hintergrund. In der TV-Ansprache wird laut Bericht eine weitreichende Eskalation und mehr militärische Angriffe angedroht, gleichzeitig werden Angriffe auf saudische Öl-Anlagen der Miliz zugerechnet. Außerdem verschiebt sich die Risikenicht in Richtung weiterer Konflikträume: Die politische Bilanz des Monats fällt nach den vorliegenden Angaben nicht gut aus, weil die zuvor fragile Feuerpause zwischen den USA und dem Iran endgültig zerbrach. Dazu kommt, dass jemenitische Huthi-Milizen aktiv in den Konflikt eingreifen und saudische Streitkräfte erstmals gemeinsam mit den USA an Angriffen auf iranisch unterstützte Gruppen im Irak beteiligt gewesen sein sollen.

Auch Europa und die Quartalsauswertung spielen mit hinein. Im Schwarzen Meer musste ein russisches Exportterminal, das einen großen Teil der Ölexporte aus Kasachstan abwickelt, bereits zum dritten Mal in diesem Monat schließen. Hintergrund sind ukrainische Drohnen, die zwei Tanker nahe des russischen Hafens Noworossijsk getroffen haben. Solche Unterbrechungen wirken wie ein zweites, zeitversetztes „Ventil“: Selbst wenn der Engpass bei Hormus kurzfristig weniger restriktiv wirkt, können anderswo wieder Ausfallrisiken auf den Transportkalender schlagen. In der Folge profitieren typischerweise Ölkonzerne von einem Marktumfeld, das sich weniger durch niedrige Volatilität als durch höhere Preise, bessere Margen und Handelsoptionen erklären lässt.

An den Terminbörsen setzt sich die Abwärtsbewegung fort: Brent notiert bei 87,88 US-Dollar je Barrel, WTI bei 82,26 US-Dollar je Barrel. Daneben bewegt sich Rotterdamer Gasoil bei 1283,50 US-Dollar je Tonne. Währungstechnisch notiert der US-Dollar bei 0,8682 Euro, der Euro bei 1,1515 US-Dollar. Auf der Unternehmensseite kommt zusätzlicher Kurstreiber hinzu: Die aktuellen Quartalszahlen von Shell werden im Marktumfeld als stark hervorgehoben beschrieben, und heute legen zudem die amerikanischen Vertreter von „Big Oil“ Quartalszahlen vor. Für die Preisfindung an Rohstoff- und Produkteniveaus ist das relevant, weil Erwartungen an Nachfrage, Raffineriemargen und weltweite Handelsströme oft kurzfristig in die Terminstruktur einkoppeln.

Auch im deutschen Markt für Heizöl zeigt sich eine ähnliche Grundtendenz: Die Heizölpreis-Tendenz liegt laut landesweiter Durchschnitt bei 133,00 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung (3.000 Liter). Das sind zwar immerhin ein Euro weniger als am Vortag, die Monatsbilanz fällt jedoch mit einem Preisanstieg von 20 Euro deutlich negativ aus. Die Kaufbereitschaft bleibt dadurch niedrig; Bestellungen seien weiterhin zurückhaltend, und in einer täglichen Lesereinschätzung überwiegt der Pessimismus (52 Prozent erwarten weiter anziehende Notierungen, 48 Prozent fallende Preise). Wichtig ist dabei: Die kurzfristige Entspannung an den Ölbörsen verändert die Risiko-Landkarte nur begrenzt. Solange der Irankonflikt andauert, kasachische Exporte über das Schwarze Meer ausfallen können und Spannungen im Dieselmarkt bestehen, können Heizölpreise jederzeit wieder nach oben drehen.


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