LONDON (IT BOLTWISE) – Meta nutzt einen geplanten Aktientausch mit stimmrechtslosen Aktien der Klasse C, um rechnerisch einen klassischen Split im Verhältnis 2:1 abzubilden. Der Konzern will damit vor allem frisches Kapital für den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur gewinnen, ohne Mark Zuckerbergs Stimmrechtsmehrheit anzutasten. Die neue Aktiengattung entsteht über eine Satzungsänderung, die spätestens ab Mitte Januar 2027 wirtschaftlich umgesetzt werden soll. Anleger müssen dabei vor allem mit einem möglichen Kursabschlag für die Klasse C und mit regulatorisch geprägten Handels- und Investmentrestriktionen rechnen.

Meta führt im Januar 2027 eine neue Aktiengattung ein: Zu jeder bestehenden Aktie der Klasse A soll der Konzern stimmrechtslose Papiere der Klasse C zuteilen, wodurch sich der Kurs der bisherigen Papiere rechnerisch halbieren dürfte. Wirtschaftlich entspricht das einem Aktiensplit im Verhältnis zwei zu eins, denn die Gesamtbewertung der Position bleibt zunächst gleich, während die Anzahl der Aktien verdoppelt wird. Der entscheidende Unterschied zum reinen Split liegt jedoch in der Governance: Klasse C ist zwar wirtschaftlich an der Entwicklung des Unternehmens beteiligt, aber ohne Stimmrecht. Damit kann Meta weiteres Kapital einwerben, ohne die Stimmenmehrheit von Gründer und CEO Mark Zuckerberg über die bestehenden Strukturen indirekt zu verwässern.
Der konkrete Zeitplan ist in einem Informationsdokument für die US-Börsenaufsicht SEC beschrieben. Dort wird festgelegt, dass die Satzungsänderung, die die neue Aktiengattung der Klasse C schafft, am 19. Januar 2027 in Kraft treten soll. Spätestens fünf Geschäftstage danach plant Meta die Ausgabe der neuen Aktien als Sonderdividende; Stichtag und Zahltag müssen der Verwaltungsrat später noch festlegen. Finanzchefin Susan Li rechnet damit, dass der Handel mit den neuen Papieren Ende Januar 2027 beginnt. Auf operativer Ebene bleiben die Aktien der Klasse A an der NASDAQ notiert; zugleich sollen die Aktien der Klasse C dort ebenfalls zugelassen werden.
Auch bilanziell behandelt Meta die Zuteilung wie einen Aktiensplit und passt Kennzahlen rückwirkend an, damit Vergleichbarkeit entsteht. Wirtschaftlich sind die neuen Aktien den bisherigen gleichgestellt: Sie sollen dieselbe Dividende erhalten, dieselbe Gegenleistung bei einer Übernahme abbilden und denselben Anteil an einer Liquidation liefern. Unterschiede entstehen erst an der Stimmrechtsseite. Bei Meta bündeln Gesellschaften von Zuckerberg rund 56 Prozent der Stimmrechte; genau diese Kontrolle soll durch die neue Konstruktion nicht weiter geschwächt werden. Im SEC-Dokument heißt es zudem, dass Meta künftige Platzierungen der Klasse C von Zeit zu Zeit vornehmen will, um Kapital aufzunehmen, ohne die Kreditwürdigkeit durch eine zu aggressive Schuldenaufnahme zu belasten oder die Kontrolle gegen die Interessen des Mehrheitsblocks zu verschieben.
Dass der Kapitalbedarf real und nicht nur theoretisch ist, untermauern die Zahlen aus dem Umfeld des Vorhabens. Für das dritte Quartal 2026 nennt Meta Investitionen von 34,9 Milliarden US-Dollar inklusive Leasingtilgungen; zugleich drehte der Free Cashflow auf minus 2,1 Milliarden US-Dollar, nach plus 10,6 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Aktienrückkäufe, die im dritten Quartal 2025 noch 3,3 Milliarden US-Dollar ausmachten, setzte der Konzern komplett aus. Für das Gesamtjahr 2026 plant Meta Investitionen zwischen 135 und 145 Milliarden US-Dollar und signalisiert auch für 2027 weiteren Druck aus dem Ausbau der Infrastruktur – ein Bereich, in dem KI-gestützte Systeme zunehmend von Rechenleistung, Netzwerkkapazität und Speichersystemen abhängig sind. Vor diesem Hintergrund wirkt die Klasse C wie eine Art „Aktienwährung“: Sie erlaubt Kapitalmaßnahmen, ohne dass sich der Stimmrechtsanteil von Zuckerberg strukturell verschiebt.
Für bestehende Aktionäre liegt der Schwerpunkt der Risiken dagegen weniger in der Mechanik als in der Bewertung. Meta weist selbst darauf hin, dass die Aktien der Klasse C mit einem Abschlag gegenüber der Klasse A handeln könnten, weil ihnen das Stimmrecht fehlt. Falls der Markt diesen Abschlag dauerhaft ansetzt, müsste Meta für denselben Finanzierungsbetrag mehr Aktien ausgeben, was die Anteile aller Aktionäre rechnerisch stärker verwässern kann. Hinzu kommen praktische Hürden: Manche institutionelle Investoren dürfen stimmrechtslose Aktien nach internen Anlagevorgaben nicht halten, was kurzfristig Verkaufsdruck auf die neuen Papiere auslösen könnte. Unklar bleibt außerdem, wie Indexanbieter die Klasse C behandeln und ob Indexfonds ihre Bestände unmittelbar nach der Zuteilung anpassen können.
Was diese Konstruktion für Zuckerberg konkret bedeutet, zeigt das SEC-Dokument ebenfalls deutlich. Zum 1. Oktober 2024 hielt Zuckerberg rund 60,6 Prozent der Stimmrechte, wirtschaftlich aber nur etwa 13,4 Prozent des Unternehmens. Weil die neuen Aktien keine Stimmrechte tragen, kann er künftig Vermögen teilweise versilbern, ohne Kontrolle abzugeben: Ein Fünftel seiner Aktien der Klasse C darf er sofort frei verkaufen, entsprechend rund zehn Prozent seiner wirtschaftlichen Beteiligung. Für den Rest gelten gestaffelte Freigaben, die sich über Quartale erstrecken; nach acht Jahren sollen alle Anteile frei sein. Zusätzlich existiert ein Mechanismus für weitere Zuteilungen, wenn bestimmte Kurs- und Renditebedingungen erfüllt sind, etwa bei Verdopplungen des Kurses der Klasse C relativ zu einer Vergleichsbasis der Klasse A und wenn die jährliche Aktionärsrendite mindestens zehn Prozent erreicht.
Für Anleger vor dem Stichtag stellt sich damit weniger die Frage, ob ein „Split-Vorteil“ entsteht, sondern wie sich zwei Gattungen im Depot zueinander entwickeln. Wer die Aktie bis zum noch festzulegenden Stichtag hält, bekommt die neuen Aktien automatisch eingebucht; nach dem Stichtag gekaufte Papiere spiegeln entsprechend den niedrigeren, halbierten Kurs der Klasse C-Struktur. Viele Broker erlauben außerdem ohnehin den Handel mit Bruchteilen, sodass die optisch gesenkte Einstiegshürde praktischerweise weniger relevant ist. Entscheidend wird der Abstand zwischen Klasse A und Klasse C: Er zeigt, was der Markt für das Stimmrecht einpreist. In der Praxis dürfte dieses Stimmrecht allerdings nur begrenztes Gewicht für Entscheidungen im Unternehmen haben, weil eine Aktie der Klasse A eine Stimme trägt, während Aktien der Klasse B je Anteil zehn Stimmen bündeln und die Mehrheit damit strukturell abgesichert bleibt.
Mittelfristig hängt der Ausgang daher stark davon ab, wie konsequent Meta die neue Aktiengattung als Finanzierungsinstrument einsetzt. Jede Platzierung erhöht die Zahl der Aktien, auf die sich Gewinne verteilen. Technisch muss der Verwaltungsrat schließlich Stichtag und Zahltag festlegen, wobei die Ausgabe der neuen Aktien spätestens fünf Geschäftstage nach dem 19. Januar 2027 erfolgt sein soll. Wie groß der Kursabschlag der Klasse C am Ende tatsächlich ausfällt, wird sich erst an den ersten Handelstagen zeigen, wenn die Marktpreise die Bewertungslücke zwischen wirtschaftlicher Gleichstellung und fehlendem Stimmrecht gegeneinander setzen.
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