SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft baut Copilot zu einer zentralen Arbeitsplattform um und führt eine neue Dreiteilung ein: Home, Code und Autopilot. Der Chat wandert mit einem Agent-Ansatz zusammen, während Office-Funktionen direkt in die Copilot-Oberfläche integriert werden. Für Code- und Automatisierungsaufgaben setzt der Konzern auf Apps innerhalb von Microsoft 365 und eine gesicherte Infrastruktur. Zusätzlich stellt Microsoft ein neues Abrechnungsmodell in Aussicht und markiert damit einen strategischen Wechsel weg vom reinen Copilot-Plus-Label auf PCs.

Mit dem größten Copilot-Update seit dem Start verschiebt Microsoft den KI-Assistenten von einer einzelnen Chat-Funktion hin zu einer durchgängigen Arbeitsplattform. Im Kern soll Copilot künftig als Schicht funktionieren, die Modelle, Aufgaben und Oberflächen miteinander verbindet – nicht nur als Antwortgenerator, sondern als Navigations- und Ausführungsumgebung für alltägliche Arbeit. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil die Grenzen zwischen Kommunikation, Dokumentbearbeitung und Automatisierung enger werden: Was bisher in separaten Apps stattfand, soll stärker im Copilot-Kontext zusammenlaufen.
Die neue Architektur strukturiert Copilot in die drei Bereiche Home, Code und Autopilot. Home führt den Copilot-Chat mit dem Agenten Cowork zusammen und setzt auf automatisches Routing, damit Nutzer schneller zu den richtigen Kontexten gelangen. Ergänzend ist ein Dashboard namens Today vorgesehen, das Inhalte wie E-Mails, Meeting-Anfragen und Threads aus Microsoft Teams in einer personalisierten Übersicht bündelt. Entscheidend ist dabei auch die tiefe Office-Integration: Unter der Bezeichnung Office in Copilot sollen Word, Excel und PowerPoint direkt innerhalb der Copilot-Oberfläche nutzbar sein, inklusive Erstellen, Bearbeiten und Teilen von Dateien – ohne dass man für jeden Schritt die Arbeitsumgebung wechseln müsste.
Während Home die Arbeitsoberfläche neu ordnet, zielt Code auf die Erstellung von Anwendungen durch Nutzer ohne Programmierkenntnisse. Microsoft beschreibt diesen Ansatz als natürliche Spracheingabe, die auf der Technologie von GitHub Copilot basiert und als interne Apps in der Microsoft-365-Umgebung bereitgestellt werden soll. Damit rückt ein typischer Engpass in der KI-Praxis in den Fokus: Viele Teams können zwar mit bestehenden KI-Tools chatten, scheitern aber an der Umsetzung in Prozesse, Tracker oder Automatisierungen, die in die bestehenden Rechte- und Datenflüsse passen. Die geplante Bereitstellung in einer gesicherten Infrastruktur ist deshalb mehr als ein Marketingpunkt, weil sie direkt darüber entscheidet, wie stark solche Automationen später in produktiven Fachbereichen landen dürfen.
Autopilot wiederum positioniert Microsoft als cloudbasierten digitalen Teamkollegen mit eigener Identität, Gedächtnis und eigenem Arbeitsbereich. Der Agent soll Aufgaben auch dann fortführen können, wenn der Nutzer nicht aktiv ist, und sich in Programmen wie Outlook oder Teams direkt ansprechen lassen. Aus der Quelle wird zudem eine Demonstration angeführt, bei der ein Agent namens Dot bei der Vorbereitung auf den Black Friday Lieferprobleme in 18 Filialen identifizierte. Solche Beispiele zeigen vor allem, wie Microsoft den Schritt von „assistieren“ zu „arbeiten im Hintergrund“ operationalisiert: Nicht jede Aktion erfordert eine manuelle Klickkette, sondern soll über fortlaufende Arbeitskontexte laufen.
Damit das im Betrieb funktioniert, stellt Microsoft neue Infrastrukturkomponenten bereit, darunter Fabric IQ und Work IQ. Fabric IQ soll bereits für Chat und Cowork allgemein verfügbar sein, während für Work IQ eine öffentliche Testphase im nächsten Monat angekündigt wird. Für die Verwaltung der KI-Anwendungen führt der Konzern zusätzlich Agent 365 ein, das Funktionen für Berechtigungen und Prüfprozesse bereitstellen soll. Parallel passt Microsoft auch das Preismodell an: Die reguläre Lizenz für den kommerziellen Microsoft-365-Copilot bleibt laut Quelle bei 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat und umfasst Chat sowie die Nutzung in den Standard-Office-Anwendungen. Erweiterte Funktionen wie Autopilot, Code oder die Nutzung spezieller KI-Modelle werden künftig nutzungsbasiert abgerechnet, wobei ab dem 2. November die nutzungsbasierte Abrechnung standardmäßig für neue Geschäftskunden-Lizenzen eingeführt werden soll; IT-Administratoren sollen dabei über eine FinOps-Erweiterung Kontrolle über die anfallenden Ausgaben erhalten.
Auch außerhalb der Software macht Microsoft einen klaren Strich: Die Hardware-Marke „Copilot Plus PC“ wird laut Quelle zugunsten des allgemeinen Surface- und Windows-Ökosystems zurückgefahren. Neue Surface-Geräte, die auf dem Snapdragon-Summit vorgestellt wurden, tragen das Label nicht mehr, obwohl sie weiterhin die genannten technischen Anforderungen erfüllen, etwa eine NPU-Rechenleistung von mindestens 40 TOPS. Brett Ostrom, Vizepräsident der Surface-Sparte, bestätigte den Verzicht auf die Bezeichnung; gleichzeitig gehen Partner wie Qualcomm davon aus, dass die Marke künftig nicht mehr verwendet wird. Für Nutzer heißt das weniger ein Funktionsverlust, sondern eher eine Umstellung der Vermarktungslogik: KI-Features wie Recall oder Live-Untertitel sollen weiterhin Teil von Windows 11 bleiben.
Der Markt für KI-Assistenten ist zurzeit stark umkämpft. Microsoft verweist in diesem Zusammenhang auf mehr als 450 Millionen kommerzielle Office-365-Nutzer weltweit, während weniger als 7 Prozent über eine Lizenz für das KI-Zusatzangebot verfügen – eine Kennzahl, die den erwartbaren Zielkonflikt zwischen Reichweite und Monetarisierung offenbart. Wettbewerber haben in den letzten Monaten ebenfalls Werkzeuge für die Dokumentenbearbeitung präsentiert, was zeigt, dass die Differenzierung zunehmend weniger über einzelne Chat-Funktionen läuft, sondern über Integrationen in Arbeitsabläufe und über kontrollierbare Automatisierung. Für den nächsten großen Microsoft-Termin nennt die Quelle Ignite in San Francisco vom 17. bis 20. November – dort dürfte sich zeigen, wie schnell die neue Copilot-Struktur in die Breite gerollt wird und wie sich die nutzungsbasierte Abrechnung in typischen IT-Kalkulationen tatsächlich auswirkt.
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