LONDON (IT BOLTWISE) – Zwischen Mitte April und Mitte Mai 2024 soll ein Asteroid oder Komet auf dem Mond eingeschlagen sein. Das Ereignis hinterließ einen inzwischen „McGetchin“ getauften Krater mit 222 Metern Durchmesser und 43 Metern Tiefe. Die Auswertung von Lunar-Reconnaissance-Orbiter-Daten zeigt zudem eine Wärmeanomalie über ein Gebiet von mehr als sechs Kilometern. Forschende leiten daraus ab, dass Einschläge dieser Größenordnung weniger als einmal pro Jahrhundert auftreten können.

Der Mond liefert erneut einen Hinweis darauf, wie selten besonders große Einschläge sind. Zwischen Mitte April und Mitte Mai 2024 soll ein Asteroid oder Komet, der in seiner Ausdehnung grob in der Größenordnung eines Hauses mit drei bis sechs Stockwerken gelegen haben dürfte, auf der Mondoberfläche eingeschlagen sein. Die Folge ist ein neuer Einschlagskrater, der inzwischen den Namen „McGetchin“ erhalten hat und nach bisherigen Angaben einen Durchmesser von 222 Metern sowie eine Tiefe von 43 Metern erreicht.
Beim Vergleich ordnet sich das Ereignis auch zeitlich in die Reihe neuer Beobachtungen ein: Als Bezug wird ein späterer Einschlag genannt, bei dem eine Rakete auf den Mond gestürzt sein soll, mit etwa 20 Metern Durchmesser und einer Tiefe von fünf Metern. Der „McGetchin“-Krater liegt damit deutlich darüber und hilft, die Größenordnung besser zu fassen. Beobachter: innen gehen deshalb davon aus, dass ein Krater dieser Dimension weniger als einmal im Jahrhundert entsteht – eine Einschätzung, die sich auf Aussagen der NASA stützt.
Entdeckt wurde der neue Riesenkrater durch den Forscher Robert Wagner. Grundlage war die Analyse von Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiters (LRO), der den Erdtrabanten seit mehr als 17 Jahren umkreist. Der LRO-Umfang ist dabei nicht nur eine „Karten“-Aufgabe im engeren Sinn: Die Sonde wird genutzt, um die Oberfläche systematisch zu beobachten und Veränderungen zu erfassen, die durch Einschläge oder das dabei freigesetzte Material entstehen. In diesem Kontext berichtet das LRO-Team von rund 1.000 neu registrierten Einschlagskratern und etwa 100.000 weiteren Oberflächenveränderungen.
Die Detektion solcher Strukturen ist nicht nur eine Frage des „Auflösungsgrads“, sondern auch des Kontrasts in den Bilddaten. Die kleinsten Krater, die sich auf den LRO-Aufnahmen erkennen lassen, haben laut Bericht etwa neun Meter Durchmesser. Gerade deshalb fiel der „McGetchin“-Einschlag auffällig auf: Wagner beschrieb bei einem Routinecheck der LRO-Daten einen ungewöhnlich großen hellen Fleck mit einem dunklen Hof. Diese Kombination gilt als Indikator dafür, dass die Mondoberfläche in dem Bereich intensiv aufgewühlt wurde und damit einen klaren morphologischen Abdruck hinterlassen hat.
Für das Verständnis der geologischen Folgen reicht die reine Fotografie aber nicht. Eine anschließende Analyse erfolgte mit dem Wärmemessinstrument Diviner an Bord der LRO-Sonde. Die Messungen zeigen, dass ein Gebiet von über sechs Kilometern rund um den Krater nachts deutlich kälter ist als die Umgebung. Daraus leiten Forschende ab, dass das Regolith – also die oberflächennahe, regengebundene Lockermaterie – rund um den Einschlag aufgelockert wurde. Weniger dichte Deckschichten speichern Wärme anders; genau dieser Effekt wird als Mechanismus genannt, der die Beobachtung erklärt.
Besonders relevant ist dabei die räumliche Ausdehnung der thermischen Anomalie. Wenn nicht nur der Krater selbst, sondern ein deutlich größerer Bereich die physikalischen Eigenschaften der Oberfläche verändert, dann wirkt ein Einschlag stärker als „nur“ als lokales Ereignis. Für die weitere Forschung bedeutet das: Einschlüsse können die Oberfläche weit über den eigentlichen Krater hinaus umformen. Gleichzeitig liefert das eine praktische Randbedingung für zukünftige Missionen, etwa wenn Rover-Räder über solche aufgewühlten Zonen rollen und die Bodenhaftung sowie das Verhalten von Lockermaterial beeinflusst werden.
Aus Industriesicht ist genau diese Kopplung aus Beobachtungsdaten und physikalischer Interpretation interessant. Der LRO-Ansatz zeigt, wie sich aus Bildmerkmalen und Wärmeprofilen auf die mechanischen Eigenschaften des Untergrunds schließen lässt. Für Betreiber von Mondmissionen und Entwickler von Robotik ist das ein Baustein, um Fahrpläne, Sensorsysteme und Testszenarien realistischer zu gestalten. Und für die wissenschaftliche Statistik macht der neue „McGetchin“-Krater zugleich etwas Greifbares: eine konkrete Messung, an der sich ableiten lässt, wie selten Einschläge im Bereich mehrerer hundert Meter Durchmesser tatsächlich auftreten.
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