LONDON (IT BOLTWISE) – Morgan Stanley stuft SpaceX mit „Overweight“ ein und setzt das Kursziel auf 300 US-Dollar. Im Fokus steht eine Bewertung, die nicht nur die Raumfahrt, sondern vor allem das KI- und Cloud-Geschäft berücksichtigt. Aus der Analyse geht hervor, dass ein Großteil des Kurswerts auf die Enterprise-KI entfällt, während Starlink und weitere Services als weitere Bausteine gerechnet werden. Gleichzeitig nennt der Analyst mehrere Termine bis Jahresende, die die Anlegerstimmung rund um Starship, Grok und Rechenzentrumsverträge neu entfachen könnten.

Die Diskussion um die SpaceX-Aktie gewinnt neue Dynamik, weil Morgan Stanley das Papier erneut mit „Overweight“ versieht und ein Kursziel von 300 US-Dollar nennt. Ausschlaggebend ist weniger ein einzelner Kurstreiber, sondern eine Bewertungslogik, die die Erlösquellen des Raumfahrt- und Technologieunternehmens getrennt betrachtet: Raumfahrt, Konnektivität und ein auf KI ausgerichtetes Enterprise-Geschäft. Dass die Aktie auf diese Neubewertung mit einem Sprung reagiert, zeigt dabei vor allem, wie empfindlich der Markt auf eine plausibel klingende Unterteilung der Werttreiber reagiert.
Im Kern setzt Morgan Stanley auf eine Multiplikator-Rechnung. Laut der Analyse werde SpaceX etwa zum 30-Fachen des für 2028 geschätzten EV/EBIT gehandelt; als Vergleich werden Mega-Cap-Unternehmen aus dem KI-Umfeld mit einem deutlich niedrigeren Multiplikator von rund 16 genannt. Entscheidend ist jedoch der zweite Blick: Wachstumsbereinigt verschiebt sich das Bild stark. Dann liege SpaceX demnach bei dem 0,3-Fachen und damit rund 40 Prozent unter dem Mega-Cap-Median von 0,5. Genau diese Spannweite liefert dem bullischen Szenario die Argumentationsbasis, weil sie den Bewertungsabschlag nicht auf ein einzelnes kurzfristiges Ereignis zurückführt, sondern auf die angenommene Wachstumsleistung im KI- und Infrastrukturkontext.
Beim 300-USD-Kursziel rechnet Morgan Stanley den Wertbaustein detailliert durch. Ein großer Teil des ermittelten Ergebnisses soll auf das KI-Geschäft entfallen: Für Enterprise-KI werden 165 US-Dollar je Aktie angesetzt. Starlink-Konnekktivität kommt auf 118 US-Dollar, während externe Startdienstleistungen und Consumer-KI wie Grok jeweils mit 8 US-Dollar in die Rechnung einfließen. Die wachstumsbereinigte Betrachtung verortet die Gesamtbewertung bei etwa dem 0,6-Fachen und ordnet sie damit auf ein Niveau ein, das im Textbezug mit Amazon verglichen wird; gleichzeitig bleibe es unter Alphabet und Meta. Für Anleger heißt das: Wer SpaceX bislang primär als Raumfahrtstory gesehen hat, bekommt hier eine explizite Brücke zur KI-Infrastruktur – und damit zu einer anderen Bewertungsheuristik.
Was der Markt laut Morgan Stanley bereits einpreist, wird ebenfalls mit Zahlen unterlegt. Auf dem aktuellen Kursniveau sei demnach der größte Teil oder sogar der gesamte Wert von 127 US-Dollar je Aktie für Raumfahrt und Konnektivität abgebildet. Für den KI-Bereich nennt der Text dagegen rund 32 US-Dollar je Aktie, also etwa das Dreifache des für 2028 geschätzten EV/Umsatz eines Neocloud-Geschäfts. Sorgen rund um die Grok-Performance sowie um den Frequenzzugang für Starlink Mobile seien bereits eingepreist; zudem wird ein Konsens bei 17,60 US-Dollar pro Watt bei 4,1 Gigawatt Rechenleistung genannt. In dieser Logik wirkt die Wachstumsannahme besonders stark: Jeder zusätzliche Betrag von 10 US-Dollar pro Watt soll mehr als 40 Milliarden US-Dollar Umsatz nach sich ziehen. So wird aus einer Bewertungsdebatte schnell eine Messlatte für die Preis- und Auslastungsentwicklung im Rechenzentrumsumfeld.
Die zweite Seite der Medaille betrifft Risiken und Stimmung. Ein Rückgang auf 100 US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten sieht der Analyst nur bei einer deutlichen Verlangsamung des KI-Fortschritts, einem schweren Starship-Rückschlag oder einem erheblich verwässernden Ereignis. Auffällig ist außerdem die in der Quelle erwähnte Beobachtung, dass in einer Kundenrunde mit 40 Teilnehmern niemand angegeben habe, die Aktie zu besitzen. Dazu passt der Hinweis, dass die institutionelle Verbreitung laut den zitierten Marktinformationen auch mit der komplexen Unternehmensstruktur zusammenhänge: Mehrere eng verzahnte Geschäftsbereiche lassen sich schwer isoliert bewerten. Gerade für Portfoliomanager ist das relevant, weil institutionelle Investmentprozesse häufig klare Segmente und Vergleichbarkeit bevorzugen.
Als Katalysatoren werden mehrere Ereignisse bis Jahresende genannt: der nächste Starship-Flug, anstehende Quartalszahlen, ein weiterer Test vor Ende 2026, Veröffentlichungen rund um Grok sowie zusätzliche Neocloud-Verträge. Besonders hervorgehoben wird der 15. Starship-Testflug, der möglicherweise bereits Ende Oktober stattfinden könnte. Hier geht es weniger um die reine Durchführung eines Starts, sondern um den Versuch, die obere Stufe nach dem Flug „in der Luft“ aufzufangen („Ship Catch“). Historisch betrachtet hat das Thema Wiederverwendbarkeit in der Raumfahrt schon lange den Hebel für niedrigere Startkosten versprochen; entscheidend ist dabei, ob aus Pilot- und Demonstrationsphasen robuste, wiederholbare Betriebsprozesse werden. Wenn ein „Ship Catch“ gelingt, wäre das aus Analystensicht ein wichtiger Schritt Richtung eines vollständig wiederverwendbaren Raketensystems, und genau diese Abfolge kann auch die Erwartung an den zukünftigen Kosten- und Kapazitätsrahmen verschieben.
Für Anleger verdichtet sich daraus vor allem eine Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Fortschritte bei KI-Infrastruktur und die operative Entwicklung bei Starship gleichzeitig Tempo gewinnen – und zwar so, dass die wachstumsbereinigte Bewertung Bestand hat? Die Morgan-Stanley-Argumentation legt nahe, dass der Markt stark auf die nächsten Belastungstests reagiert: Sobald ein Starship-Outcome besser oder schlechter ausfällt als erwartet oder neue Daten zu Rechenzentrumsverträgen und Grok veröffentlicht werden, kann sich die Gewichtung der Wertbausteine schnell verändern. Gleichzeitig gilt: Eine Bewertung, die KI und Cloud stark priorisiert, macht die Aktie empfindlicher gegenüber Annahmen zu Preis pro Watt, Auslastung und Produktfortschritt. Wer SpaceX aktuell hält oder neu einsteigen will, sollte diese Wechselwirkung aus technischer Flugmeilensteinlogik und wirtschaftlicher KI-Unit-Ökonomie deshalb als zusammenhängendes Modell betrachten, nicht als lose Serie von News.
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