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LONDON (IT BOLTWISE) – Nach offizieller Zulassung hat eine Augenklinik in Lübeck den Netzhautchip PRIMA als weltweite Erstimplantation in einer 80-jährigen Patientin eingesetzt. Der batterielose Chip mit 378 Pixeln wird subretinal platziert und über eine Spezialbrille mit Mikrokamera mit Nahinfrarotlicht (880 Nanometer) versorgt. Ziel ist, Sehfunktionen bei fortgeschrittener geografischer Atrophie der trockenen altersbedingten Makuladegeneration wieder nutzbar zu machen. Offene Punkte bleiben vor allem die Langzeitstabilität sowie die Frage, wie Rehabilitation und Kosten im Versorgungssystem organisiert werden.

Netzhautchip PRIMA: weltweit erste Implantation nach Zulassung
Netzhautchip PRIMA: weltweit erste Implantation nach Zulassung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die erste kommerzielle Implantation des Netzhautchips PRIMA setzt ein klares Signal für die nächste Phase bei der Behandlung fortgeschrittener Netzhauterkrankungen: An der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, wurde der Chip nach der offiziellen Zulassung in einer 80-jährigen Patientin eingesetzt, die durch geografische Atrophie im Spätstadium der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD) erblindet war. Operiert wurde der Eingriff von Prof. Dr. Salvatore Grisanti, während die Kanzlei McDermott Will & Schulte den Hersteller des Systems, die Science Corporation, bei den Verhandlungen mit dem UKSH Lübeck begleitete. Damit verschiebt sich das Thema von der reinen Forschung näher an reale Versorgungsabläufe, auch wenn die klinische Praxis natürlich noch viele Hürden bis zur breiten Verfügbarkeit klären muss.

Technisch betrachtet zielt PRIMA auf einen sensiblen Engpass ab: Bei geographischer Atrophie sind Photorezeptoren zerstört, während bestimmte nachgeschaltete neuronale Strukturen noch funktionieren können. Das 2×2 Millimeter große, batterielose Implantat wird subretinal eingesetzt und trägt 378 Pixel, die jeweils über eine Elektrode sowie zwei Photovoltaikzellen verfügen. Die Kopplung erfolgt über eine Spezialbrille mit Mikrokamera, die mit etwa 5 Megapixeln bei einer Bildwiederholrate von 30 Bildern pro Sekunde arbeitet. Ein integrierter Prozessor wandelt die Bildsignale in Nahinfrarotlicht mit einer Wellenlänge von 880 Nanometern um und projiziert dieses auf das Netzhautimplantat.

Die photovoltaischen Elemente übernehmen dabei die eigentliche „Übersetzungsarbeit“: Sie stimulieren dann die noch intakten Bipolar- und Ganglienzellen, sodass die verbliebenen Signalwege funktionell genutzt werden können. So lässt sich der Ansatz als konsequente Weiterentwicklung eines Prinzips verstehen, das in der Sehrestauration seit Jahren mit unterschiedlicher Technik verfolgt wird: Anstatt verloren gegangene Zellen nur zu ersetzen, soll vor allem die Weiterleitung über noch vorhandene Netzhautkreisläufe wieder angestoßen werden. Frank Brodie, Chief Medical Officer für Ophthalmologie bei der Science Corporation und an der University of California, San Francisco (UCSF) tätig, beschreibt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass die Technologie körpereigene Signalwege nutzt. Für die Patientin ist daher nicht nur „Sehen“ ein Ziel, sondern konkret eine alltagstaugliche Nutzbarkeit – insbesondere die Lesefähigkeit für mittelgroße Buchstaben, die nach Angaben zu einem gezielten Rehabilitationstraining gehört.

Genau an dieser Schnittstelle zwischen Implantattechnik und Versorgungsrealität entscheidet sich die langfristige Wirkung. Die Studie, aus der in den klinischen Daten der Science Corporation (Stand Oktober 2026) berichtet wird, umfasst 38 Patienten über 17 Zentren. Dabei konnte die funktionelle zentrale Sehschärfe bei bis zu 81 Prozent der Probanden wiederhergestellt werden; nach 12 Monaten zeigten 80 Prozent eine Sehverbesserung um mindestens 0,2 logMAR beziehungsweise 10 ETDRS-Buchstaben. Gleichzeitig bleiben mehrere organisatorische und medizinische Fragen offen: Langzeitstabilität des Implantats, Gesamtkosten, Versicherungsabdeckung sowie die Planung und Durchführung der Rehabilitation. Für Märkte wie Südkorea sind zudem noch keine bestätigten Termine genannt – ein Hinweis darauf, dass Zulassung und tatsächliche Rollout-Planung zeitlich auseinanderlaufen können.

Der Markt- und Krankheitskontext macht deutlich, warum die Branche diese Schritte genau beobachtet. In Deutschland gelten altersbedingte Makuladegenerationen als eine der häufigsten Ursachen für gesetzliche Blindheit; nach aktuellen Berichten sind über eine Million Menschen betroffen. Weltweit liegen Schätzungen von Prof. Trifon Rotsos von der Demokrit-Universität Thrakien zufolge bei rund 200 Millionen Betroffenen, bis 2040 wird ein Anstieg auf etwa 300 Millionen erwartet. Gerade bei der trockenen Verlaufsform gilt zudem die frühzeitige Erkennung von Sehverschlechterungen als entscheidend, weil schleichende Veränderungen im Alltag oft zu spät auffallen und das Unfallrisiko im Alter entsprechend steigen kann. Diagnostisch werden typische Warnzeichen wie Verzerrtsehen (Metamorphopsie) primär mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) beurteilt.

Historisch zeigt der Vergleich zur feuchten AMD, weshalb technologische Alternativen nötig sind: Bei der feuchten Verlaufsform stehen seit Mitte der 2000er-Jahre intravitreale Anti-VEGF-Injektionen mit Behandlungsintervallen von teils bis zu rund vier Monaten zur Verfügung; in Einzelfällen kann der Rhythmus auch auf etwa 20 Wochen begrenzt sein. Bei trockener AMD waren therapeutische Möglichkeiten dagegen bislang stark limitiert. Laut den Angaben im Quellentext verlangsamen die beiden von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassenen Komplementinhibitoren zwar das Wachstum von Gewebeschäden, können aber verlorenes Sehvermögen nicht wiederherstellen. Vor diesem Hintergrund passt PRIMA als technologiegetriebener Ansatz in eine Landschaft, in der gleichzeitig mehrere Wege parallel getestet werden – etwa Revisions Implant, das im Oktober 2026 seine erste klinische Studie am Menschen für ein eigenes Netzhautimplantat gestartet hat.

Auch optogenetische Gentherapien sind weiterhin ein wichtiger Gegenpol in der Forschung. Das Unternehmen Nanoscope Therapeutics verfolgt nach den Angaben im Text Sonpiretigene isteparvovec (vormals MCO-010): Dabei soll ein viraler Vektor ein Gen einbringen, das ein breitbandig lichtempfindliches Opsin in verbliebenen Bipolarzellen erzeugt, sodass ausgefallene Photorezeptoren biologisch umgangen werden. Als Grundlage dienen bisher Daten zu Retinitis pigmentosa und Morbus Stargardt, um Tests auch bei fortgeschrittener geografischer Atrophie zu begründen. Für die Praxis bedeutet das: PRIMA steht nicht allein, sondern konkurriert bzw. ergänzt andere Ansätze – entscheidend ist, welcher Weg sich in der Langzeitstabilität, in der Alltagstauglichkeit und in der Skalierbarkeit der Versorgung durchsetzt. Bis dahin bleibt die Frage besonders relevant, wie schnell Kliniken das Zusammenspiel aus Implantationsprozess, Nachsorge und Rehabilitation so standardisieren können, dass der Nutzen der Technik für eine wachsende Patientenzahl tatsächlich erreichbar wird.

Parallel wird im Quellentext auch ein schneller Online-Sehtest beworben, der angeblich in etwa drei Minuten Auswertung bietet. Inhaltlich ordnet sich das in das übergeordnete Ziel ein, Veränderungen früh zu bemerken, denn genau diese Phase entscheidet häufig über den Behandlungs- und Rehabilitationsspielraum. Für Interessierte liegt der praktische Mehrwert weniger in einem einzelnen Tool als in der Sensibilisierung: Wer Verzerrungen oder anhaltend verschwommenes Sehen bemerkt, sollte die Abklärung über geeignete Diagnostik wie OCT nicht aufschieben. In der Summe zeigt die PRIMA-Erstimplantation vor allem eines: KI- oder datengetriebene Bausteine mögen zunehmend in der Bildverarbeitung und Signalumwandlung auftauchen, der klinische Fortschritt bei Netzhautchips wird aber am Ende daran gemessen, ob Systeme im Alltag zuverlässig funktionieren und sich nachhaltig in Versorgungspfade einbetten lassen.


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