LONDON (IT BOLTWISE) – Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen durch verschärfte EU-Zertifizierungen und zunehmende Cyberangriffe. Die Integration von Risikomanagement und der Einsatz von KI-Tools werden immer wichtiger, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Die jüngsten Entwicklungen in der EU-Regulierung und die Zunahme von Cyberangriffen zwingen Unternehmen, ihre Sicherheitsstrategien grundlegend zu überdenken. Ein beunruhigender Fall zeigt, wie verwundbar selbst etablierte Unternehmen sind: Der Babykost-Hersteller Hipp wurde Opfer eines Erpressungsversuchs, bei dem eine entscheidende E-Mail fast drei Wochen unentdeckt blieb. Diese landete in einem gemeinsamen Postfach, das nur alle 14 bis 21 Tage überprüft wird, was die Reaktionszeit erheblich verzögerte.
Die europäische Datenschutzbehörde EDPB hat das Europrivacy-Zertifizierungssystem für den globalen Einsatz freigegeben. Dies ermöglicht es Unternehmen außerhalb der EU, Datenübermittlungen nach Artikel 46 der DSGVO rechtlich abzusichern. Diese Entwicklung ist besonders für US-Firmen von Bedeutung, da Verstöße gegen die DSGVO hohe Strafen nach sich ziehen können. Parallel dazu verschärfen einzelne US-Bundesstaaten ihre eigenen Datenschutzgesetze, was die Komplexität für internationale Unternehmen weiter erhöht.
Europäische Unternehmen stehen vor einer Regulierungswelle, die bis 2026 vier große Rahmenwerke umfasst: die NIS2-Richtlinie, der Digital Operational Resilience Act (DORA), der Cyber Resilience Act (CRA) und das EU-KI-Gesetz. Diese neuen Regelungen erfordern umfassende Compliance-Maßnahmen, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Eine Umfrage zeigt jedoch, dass sich nur 16 Prozent der betroffenen Firmen vollständig vorbereitet fühlen.
Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, setzen Unternehmen zunehmend auf Automatisierung. Der Softwareanbieter Aravo hat KI-Funktionen für sein Risikomanagement-System eingeführt, die manuelle Workflows automatisieren sollen. Diese Technologie birgt jedoch eigene Risiken, da nur wenige Organisationen über ein ausgereiftes KI-Governance-Modell verfügen. Datenschutz und Sicherheit bleiben die größten Sorgen, was die Notwendigkeit neuer Plattformen für ‘Identity Assurance’ unterstreicht.
Mit der Umsetzung des EU-KI-Gesetzes im August 2026 wird sich der Fokus von reaktiver Compliance hin zu digitaler Resilienz verschieben. Unternehmen müssen zentrale Steuerungsebenen entwickeln, um KI-Agenten, Datenzugriff und regulatorische Berichte zu managen. Ziel ist es, von fragmentierten Sicherheitsmaßnahmen zu einer einheitlichen Strategie gegen physische und digitale Bedrohungen zu gelangen.
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