TUAM / LONDON (IT BOLTWISE) – Bei Ausgrabungen auf dem Gelände einer ehemaligen Einrichtung für unverheiratete Mütter in Tuam wurden weitere zehn Säuglingsreste geborgen. Die Behörden beziffern die Zahl der insgesamt gefundenen Überreste mittlerweile auf 109. In den neuen Fällen fanden die Mitarbeitenden Hinweise auf Särge; zudem ordnen sie einen Teil der Funde einem Areal zu, das in historischen Aufzeichnungen als Begräbnisstätte beschrieben und später überbaut wurde. Parallel dazu läuft die forensische Auswertung in einem eigens eröffneten Labor- und Obduktionsbereich, während die Identifizierung über DNA-Vergleiche mit Familienreferenzen vorangetrieben wird.

Auf dem Areal der ehemaligen „Mother and Baby Institution“ in Tuam steigt die Zahl der bislang gefundenen Säuglingsreste weiter an. Die Office of the Director of Authorized Intervention at Tuam (ODAIT) meldete, dass bei der laufenden Ausgrabung weitere zehn Fälle geborgen wurden. Damit erhöht sich die Gesamtzahl auf 109 Fundstücke; die Entdeckung fällt in den Rahmen einer Arbeit, die über mehrere Grabungsabschnitte hinweg koordiniert wird und deren Ziel es ist, die Hinweise aus der Vergangenheit systematisch zu sichern und auszuwerten.
Technisch relevant ist vor allem, wie sich die neuen Funde in das bestehende Befundbild einordnen lassen. Laut ODAIT waren in jedem der zehn neu geborgenen Fälle Hinweise auf Särge vorhanden. Viele der Reste werden zudem mit einem Bereich verknüpft, der in historischen Aufzeichnungen als Begräbnisstätte beschrieben wird, der später jedoch mit Asphalt und Schotter überdeckt und als Zufahrt genutzt worden sein soll. Diese Kombination aus historischer Quellenlage und archäologischen Spuren hilft dabei, die Fundzusammenhänge räumlich zu rekonstruieren – und beeinflusst, wie Teams in den nächsten Schritten Sedimente erneut systematisch durchsuchen.
Die Behörden differenzieren dabei nach Grabungsbereichen: Für die konkrete Lokation innerhalb der Grundstücksgrenzen beziffern sie die Anzahl der gefundenen Säuglinge auf 32, während 77 weitere Säuglingsreste zuvor aus einem separaten Grabungsareal geborgen worden seien. Für das Projekt bedeutet das, dass die Gesamtzahl nicht aus einem einzigen zusammenhängenden Abschnitt stammt, sondern aus mehreren Suchzonen, die unterschiedliche historische und bauliche Bedingungen widerspiegeln. Genau diese Aufteilung ist entscheidend, weil sie später auch die forensische Auswertung und die mögliche Ableitung von Kontextinformationen strukturiert.
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Phase liegt auf der Erweiterung der Suchfläche im Bereich „Tent 2“. ODAIT teilt mit, dass die Arbeiten zur Bergung sämtlicher Reste, die mit dem ehemaligen Institutionsbereich im Tent-2-Gebiet verbunden sind, abgeschlossen wurden. Während dieser Phase wurde die bestehende Zeltstruktur demontiert und durch eine größere modulare Konstruktion ersetzt, die es den Ermittlern erlaubt, den Suchradius zu vergrößern – ausdrücklich auch über die zuvor beschriebene Umfassungsmauer hinaus. In der Praxis heißt das: Mit der neuen Infrastruktur können Teams Sediment- und Befundlagen in angrenzenden Zonen mit vergleichbarer Systematik bearbeiten.
Parallel zur Arbeit im erweiterten Zeltbereich läuft die Ausgrabung auch an Strukturen, die bereits aus früheren Rekonstruktionsversuchen bekannt waren. Die Meldung nennt eine unterirdische gewölbte Kammer, die in den 1840er Jahren errichtet worden sein soll. Dort hatten Ermittler zuvor mindestens einen Säuglingsbefund als „disartikulierte“ Knocheninnerhalb der Struktur geborgen. In der aktuellen Berichtsperiode durchsuchten und sortierten die Teams Sedimentmaterial aus der Kammer und fanden drei Zähne von Erwachsenen, die nun analysiert werden sollen. Zusätzlich wurden Artefakte geborgen, darunter zwei hölzerne Knöpfe und eine Metall-Klinke; solche Objekte können später helfen, Zeitstellung, Nutzung und mögliche Zusammenhänge einzelner Befunde abzugleichen.
Für die forensische Weiterverarbeitung verweist ODAIT darauf, dass die Identifizierung über DNA-Analysen vorbereitet wird. Das Verfahren stützt sich demnach auf Referenzproben: Die Behörde hat 74 DNA-Referenzproben von Familienangehörigen gesammelt und arbeitet an einer geplanten Erweiterung der Förder-/Teilnahmeberechtigung, die zunächst auf andere Verwandtschaftsgrade ausgedehnt werden soll, unter anderem auf erste Cousins. Parallel dazu laufe die forensische Analyse der geborgenen Reste in einem kürzlich eröffneten forensischen Labor und einer Obduktionsstätte in Tuam an. Damit verknüpfen die Behörden die archäologischen Schritte unmittelbar mit der biometrischen Spurensicherung – ein Ansatz, der in solchen Projekten die Zeit zwischen Bergung und belastbarer Zuordnung verkürzt.
In der Summe zeigt die aktuelle Meldung vor allem, dass der Fortschritt nicht allein von der Zahl neu geborgener Fälle abhängt, sondern ebenso von der Fähigkeit, Fundkontexte sauber zu trennen und forensische Prozesse parallel hochzufahren. Die Kombination aus erneuter Sedimentbearbeitung, einer vergrößerten Infrastruktur im Grabungsbereich sowie laufender Laboranalyse macht das Vorhaben für Ermittlerteams und wissenschaftlich-technische Unterstützungsteams besonders anspruchsvoll. Zugleich wird daran deutlich, wie stark solche Projekte auf die Verfügbarkeit verlässlicher Referenzdaten angewiesen sind: Ohne genügend DNA-Abgleiche bleiben viele Ergebnisse zwar archäologisch dokumentiert, aber identifikatorisch nur eingeschränkt nutzbar.
Auch wenn noch mehrere Arbeitsschritte folgen müssen, liefert die Entwicklung bereits jetzt konkrete Anhaltspunkte für den weiteren Verlauf: Die Erhöhung auf 109 geborgene Fälle ist ein messbares Etappenziel, während die Erweiterung der Suchfläche und die laufenden Laboranalysen darauf hindeuten, dass die nächste Phase nicht nur „mehr Tiefe“ in einem Areal sucht, sondern gezielt zusätzliche Zonen erschließt. Für Angehörige und für die Aufarbeitung historischer Verantwortung ist das mehr als eine rein archäologische Zahl: Es geht darum, aus fragmentierten Befunden eine möglichst vollständige Rekonstruktion zu machen – mit technischen Mitteln, die von der Grabungslogistik bis zur DNA-Auswertung reichen.
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