STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ein neues Forschungsprojekt genehmigt, das sich auf die Nutzung des sehr niedrigen Erdorbits konzentriert. Ziel ist es, die Lebensdauer von Satelliten zu verlängern und deren Einsatz in der Erdbeobachtung und Kommunikation zu optimieren.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat kürzlich den Startschuss für den Sonderforschungsbereich “Advancing Technologies of Very Low Altitude Satellites” (SFB 1667 ATLAS) gegeben. Unter der Leitung der Universität Stuttgart zielt dieses Projekt darauf ab, die technologischen Grundlagen für die Nutzung des sehr niedrigen Erdorbits (VLEO) zu schaffen. Dieser Orbitbereich bietet vielversprechende Möglichkeiten, um sowohl wissenschaftliche als auch kommerzielle Satellitenmissionen zu verbessern.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, die Lebensdauer von Satelliten im VLEO von derzeit etwa sechs Monaten auf mehrere Jahre zu verlängern. Dies soll erreicht werden, ohne dass große Mengen an Treibstoff von der Erde mitgeführt werden müssen. Die Forscher der Universität Stuttgart und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeiten daran, kleine, wirtschaftliche und nachhaltige Satelliten zu entwickeln, die in Höhen von etwa 200 bis 450 Kilometern operieren können.
Der VLEO bietet erhebliche Vorteile für Erdbeobachtungsmissionen, da er eine höhere Auflösung ermöglicht. Kommunikationsanwendungen profitieren von geringeren Zeitverzögerungen. Zudem können Satelliten in diesem Orbit kleiner und leichter gebaut werden, was die Kosten für den Start in die Umlaufbahn reduziert. Ein weiterer Vorteil ist, dass Satelliten nach ihrer Lebensdauer nicht als Weltraumschrott zurückbleiben, da sie in die Atmosphäre eintreten und verglühen.
Eine der größten Herausforderungen im VLEO ist die starke Abbremsung der Satelliten durch die Restatmosphäre. Um diese Herausforderung zu meistern, werden im Rahmen des SFB ATLAS neuartige Antriebssysteme erforscht, die dieser Abbremsung entgegenwirken sollen. Die Forscher untersuchen, wie die verbleibenden Gaspartikel der Restatmosphäre genutzt werden können, um die Satelliten auf ihrer Bahn zu halten.
Das Projekt hat das Potenzial, die internationale Raumfahrtgemeinschaft mit neuen Methoden und Technologien zu bereichern. Diese könnten nicht nur die Erdbeobachtung und Kommunikation verbessern, sondern auch den Weg für neue quantentechnologische Anwendungen ebnen. Der Sonderforschungsbereich wird zunächst für vier Jahre von der DFG gefördert, wobei die interdisziplinären Forschungen auf einen Zeitraum von zwölf Jahren ausgelegt sind.
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