LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei neue UCITS-ETFs rücken zum Monatswechsel Themen ins Rampenlicht: einen gezielten China-Semiconductor-Ansatz über einen Index mit 10%-Kappung und eine aktiv gemanagte Security-Strategie. Der VanEck-ETF nutzt einen physisch replizierenden Indexkorb mit 25 Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette. Parallel setzt iShares auf eine flexible Titelauswahl im Verteidigungs- und Sicherheitssektor mit 1410 Positionen im Portfolio. Für Anleger wird damit besonders relevant, wie sich Indexdisziplin und aktives Stockpicking in teuren ESG-/Themennischen auswirken können.

Mit dem Start zweier neuer börsengehandelter Fonds im UCITS-Umfeld verschieben sich die Schwerpunkte gleich in zwei unterschiedliche Richtungen: einmal hin zu Chinas Aufholkurs in der Halbleiterindustrie, einmal in den Verteidigungs- und Sicherheitskomplex, der von staatlichen Modernisierungsprogrammen profitiert. Der VanEck China Semiconductor UCITS ETF adressiert dabei ganz bewusst nicht den „breiten“ Chipansatz, der sonst häufig über globale Branchenführer abgebildet wird, sondern konzentriert sich auf chinesische Unternehmen. Genau dieses Selektionsprinzip ist für den Fonds zentral, denn es macht aus der Halbleiterinvestition eine Wette auf eine regionale Industrialisierung.
Technisch und methodisch setzt der VanEck-ETF auf den MarketVector China Semiconductor 10% Capped Screened Index. Der physisch replizierende Ansatz bedeutet, dass der Fonds die im Index vorgesehenen Titel grundsätzlich direkt hält, statt nur synthetisch über Derivate zu exposure. Der Index umfasst aktuell 25 Unternehmen und deckt die gesamte Kette ab: von Chipentwicklung und -produktion über Fertigungsanlagen bis hin zu benötigten Materialien. Neuaufnahmen werden zudem über eine Umsatzbedingung gesteuert; mindestens 50 Prozent des Umsatzes müssen aus dem Halbleiterbereich oder aus entsprechenden Tätigkeiten stammen. Damit entsteht ein relativ „sauberer“ thematischer Zuschnitt, der das Risiko reduziert, dass sich im Index Industrieunternehmen verstecken, die nur am Rande mit der Halbleiterwelt verbunden sind.
Die größten Positionen zeigen auch, wie unterschiedlich die Spielarten in der chinesischen Chiplandschaft ausfallen können. Zu den Anteilsblöcken zählen Cambricon Technologies und Hygon Information Technology, die eigene Prozessoren sowie Rechenchips für KI- und Rechenzentrumsanwendungen entwickeln. Demgegenüber liefern NAURA Technology und Advanced Micro-Fabrication Equipment als wichtige Zulieferer Fertigungsanlagen, also das, was am Ende die Skalierung und Ausbeute in der Produktion ermöglicht. Die Indexlogik begrenzt die Gewichtung einzelner Unternehmen bei regulären Anpassungen auf zehn Prozent, wobei Kursbewegungen zu Verschiebungen zwischen den Rebalancings führen können. Gerade diese Mischung aus „Compute“-Anbietern und „Manufacturing“-Enablern ist für Anleger spannend, weil sie nicht nur auf Algorithmen setzt, sondern auch auf die Fähigkeit, Hardware im eigenen Ökosystem zuverlässig hochzufahren.
Das Timing wirkt in diesem Kontext nicht zufällig. Laut den im Artikel genannten IDC-Zahlen ist im ersten Halbjahr 2026 der Marktanteil von NVIDIA bei KI-Beschleunigern für chinesische Rechenzentren auf 34 Prozent gesunken; heimische Anbieter konnten dagegen Marktanteile gewinnen, wobei Huawei mit 28 Prozent besonders stark vertreten war. Der Bezug zur politischen Gemengelage wird dabei klar: Wenn der Zugang zu hochentwickelten KI-Chips und wichtigen Halbleitertechnologien zunehmend beschränkt wird, verlagert sich der Investitionsfokus in Richtung Eigenentwicklung und Importsubstitution. Gleichzeitig schaffen wachsende Investitionen in heimische Rechenzentren, KI-Modelle und Halbleiterfertigung zusätzliche Absatzmöglichkeiten für Firmen, die sowohl in der Chipentwicklung als auch in der Produktionsausrüstung aktiv sind.
Während der VanEck-Fonds das Thema über einen vorgegebenen Indexkorb strukturiert, folgt der iShares Global Defence & Security Active UCITS ETF USD (Acc) (ISIN: IE000VXXM2N0) einem anderen Prinzip: Er bildet keinen fest definierten Verteidigungsindex nach, sondern investiert aktiv gemanagt in Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung und Sicherheit. Das Fondsmanagement nutzt dafür fundamentale Daten, Bewertungen sowie technische Faktoren, um „besonders attraktiv“ erscheinende Firmen zu identifizieren, die potenziell von steigenden Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben profitieren. Die aktive Steuerung erlaubt es, Positionen stärker zu gewichten oder abzubauen, wenn sich Bewertungen verändern oder neue Entwicklungen auftreten. Aktuell umfasst das Portfolio 1410 Positionen, darunter neben klassischen Industrie- und Rüstungskonzernen auch Technologieanbieter.
Gerade in Marktphasen, in denen viele Rüstungsaktien nach starken Kursbewegungen bereits hoch bewertet sind, wird das aktiv gemanagte Design als Hebel gedacht: Ein Management kann versuchen, eher attraktive Einstiegsniveaus zu finden und langfristige Wachstumsaussichten stärker zu gewichten als starre Indexlogik. Allerdings kommt mit der Aktivität auch ein Kostenhebel. Mit einer TER von 0,73 Prozent ist der neue iShares-ETF deutlich teurer als zahlreiche passive Rüstungs-ETFs, die oftmals zwischen 0,40 und 0,55 Prozent kosten. Für Anleger bedeutet das: Die Strategie muss nicht nur „die Branche treffen“, sondern die Mehrkosten durch eine bessere risikoadjustierte Entwicklung erst einmal überkompensieren. Praktisch könnte der Fonds daher vor allem für Depotbeimischungen interessant sein, bei denen aktive Titelauswahl als Chance auf selektive Überrenditen verstanden wird.
Ergänzend zeigt die Aufnahme neuer Produkte in den letzten Handelswochen, wie breit das Themenrad beim UCITS-Angebot gerade aufgestellt ist. In einem Zeitraum vom 19. bis 30. Oktober 2026 wurden insgesamt 15 ETFs und ETPs neu handelbar gemacht, darunter auch ein kostengünstiger Welt-ETF mit 0,09 Prozent laufenden Kosten. Für das übergreifende Bild ist das relevant, weil es den Kontrast schärft: Während einige Produkte bewusst über niedrige laufende Kosten Marktbreite liefern, investieren die beiden neuen Fonds gezielt in Nischen – einmal in den chinesischen Halbleiteraufbau und einmal in den Verteidigungs- und Sicherheitssektor mit aktivem Stockpicking. Für institutionelle Investoren und fortgeschrittene Privatanleger stellt sich damit weniger die Frage, ob „Themen“ funktionieren, sondern wie sauber die jeweilige Konstruktion Risiken eingrenzt und Renditechancen verteilt.
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