LONDON (IT BOLTWISE) – Ab 1. Januar 2027 soll das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot starten und Riester damit als nächster Schritt ablösen. Scalable positioniert sich dabei mit einem Standardangebot, das laut Anbieter für Depot und Sparpläne keine Gebühren verlangt. Die laufenden Kosten sollen in der ETF-Struktur bei höchstens 0,15 Prozent pro Jahr liegen, im ersten Jahr sogar bei 0,00 Prozent. Entscheidend wird für viele Anleger damit vor allem, wie sich kleine Kostendifferenzen über Jahrzehnte in der Rendite auswirken.

Mit dem Altersvorsorgedepot als Nachfolger der Riester-Rente verschiebt sich der Wettbewerb in Deutschland spürbar in Richtung Kosten statt Produktkomplexität. Der Start ist für den 1. Januar 2027 geplant, und an den Eckpunkten wird deutlich, warum ein neuer Preisdruck entsteht: Das Gesetz sieht eine Gebührengrenze von 1 Prozent für die jährlichen Effektivkosten vor. Scalable nutzt diesen Rahmen als Marketinghebel und will die Standardversion des geförderten Depots so gestalten, dass beim Depot selbst und bei Sparplänen sowie bei Käufen und Verkäufen keine Gebühren anfallen. Die Kosten entstehen dann im Wesentlichen nur noch innerhalb der eingesetzten ETFs.
Technisch betrachtet entscheidet bei solchen Modellen weniger die Frage, ob ein Anbieter „aktiv“ oder „passiv“ arbeitet, sondern wie hoch die Gesamtkostenquote über die Laufzeit ausfällt. ETFs bilden in der Regel Indizes nahezu eins zu eins nach und kommen ohne einen klassischen Fondsmanager aus, was sie im Schnitt günstiger macht. Für das geförderte Standarddepot setzt Scalable auf ETFs; laut Anbieter sollen deren laufende Kosten maximal 0,15 Prozent pro Jahr betragen. Zusätzlich will der Anbieter die ETF-Kosten im ersten Jahr auf 0,00 Prozent absenken, um Einsteiger früh an ein dauerhaftes Kostenprofil zu binden. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig Kostentransparenz für die Rendite ist: Schon wenige Prozentpunkte Unterschied bei den Kosten können sich nach Jahrzehnten in sehr unterschiedlichen Endvermögen niederschlagen.
Marktseitig steht Scalable mit diesem Ansatz nicht allein, aber der Timing-Vorteil ist offensichtlich. Der Anbieter drückt die Konkurrenz in Richtung „Gebührengrenze ausreizen“ oder mindestens „ohne Aufpreis erklären“. Um die Dynamik zu verstehen, lohnt der Blick auf Alternativen im gleichen gesetzlichen Rahmen: Union Investment kündigt an, dass es bei der Standardanlage nicht auf klassische, vollständig passive ETFs setzt, sondern auf sogenannte aktive ETFs. Dabei bleibt zwar ein Index Orientierungspunkt, doch ein Fondsmanager soll per Eingriffen eine bessere Wertentwicklung anstreben; gleichzeitig ist dieses Vorgehen typischerweise mit höheren Kosten verbunden. Die konkreten Kosten für diese Produkte will der Anbieter erst im Herbst bekanntgeben, wodurch das Vergleichsbild für Verbraucher kurzfristig weiterhin unvollständig bleibt.
Für den Umstieg ist außerdem die konkrete Nutzerführung entscheidend, weil selbst günstige Depots nur dann Wirkung entfalten, wenn Kunden den Wechsel ohne Reibungsverluste schaffen. Scalable will laut Angaben des Firmenchefs Erik Podzuweit einen Wechselservice anbieten, bei dem Kunden ihren bisherigen Anbieter, das Produkt und die Vertragsnummer nennen und der Rest zwischen den Anbietern koordiniert werden soll. „Wir werden einen Wechselservice anbieten“, sagte Podzuweit. Diese Art von Prozess-Entlastung adressiert ein strukturelles Problem des Sparens: Viele Interessenten scheuen Aufwand, Formulare und Abstimmungsrisiken, obwohl der wirtschaftliche Hebel bei der Kostenhöhe liegt. Der neue Rahmen soll damit nicht nur günstiger, sondern auch handhabbarer werden.
Wie stark Kosten wirken, lässt sich an der Beispielrechnung aus dem Umfeld der aktuellen Diskussion ablesen: Wenn jemand 40 Jahre lang monatlich 150 Euro einzahlt und dabei den maximal möglichen Kostendeckel von 1 Prozent pro Jahr ausreizt, ergibt sich bei einer angenommenen Rendite von 6 Prozent ein Bruttovermögen vor Steuern von rund 293.000 Euro. Lägen die Kosten hingegen bei nur 0,1 Prozent, wird das Bruttovermögen mit rund 365.000 Euro angegeben. Diese Größenordnung macht klar, warum ein Anbieter bereits im Einstieg in den Wettbewerb investiert: Die Preissignale zielen weniger auf die kurzfristige Performance ab, sondern auf die langfristige Renditelücke, die durch die Kosten strukturell entsteht. Interessant ist dabei auch die Frage, wie sich „Standarddepot“ und „selbstverwaltetes“ Modell unterscheiden, denn Scalable bietet neben dem Standarddepot auch eine Variante, bei der Sparer selbst bestimmen, welche Fonds oder ETFs im Depot liegen.
Gleichzeitig bleibt die neue Systematik mehr als ein Kostenvergleich, weil sich auch die Fördermechanik verändert. Die Zulagen sollen im neuen Modell nicht mehr primär am Einkommen ausgerichtet sein, sondern daran, wie viel Geld tatsächlich in das Vorsorgeprodukt eingezahlt wird. Darüber hinaus existieren Garantieprodukte; sie sind laut Quelle grundsätzlich weniger rentabel, weil Garantien Anbieter dazu zwingen, sicherheitsorientierter anzulegen und damit weniger Kapital am Aktienmarkt arbeiten kann. Parallel erhöhen Garantieprodukte häufig den Verwaltungs- und Serviceaufwand. Für Anleger heißt das: Wer Renditeoptimierung sucht, muss die Balance zwischen Kostenniveau, Anlagestrategie und Garantieanteil aktiv bewerten, statt sich allein auf „staatlich gefördert“ zu verlassen.
Schließlich zeigt die Einbettung in den Markt, wie groß das Potenzial für strukturellen Wandel ist. Ende 2025 gab es laut Angabe rund 14,7 Millionen Riester-Verträge in Deutschland mit einem geschätzten Vermögen von 240 Milliarden Euro; zusätzlich kommen potenzielle Einsteiger hinzu, die bisher noch nicht staatlich gefördert vorsorgen. Auch ein staatlich organisiertes Depot soll parallel existieren, allerdings ist noch unklar, wer die Durchführung übernimmt, wodurch der pünktliche Start zum 1. Januar 2027 laut Quelle immer unwahrscheinlicher wird. Für Anbieter bedeutet das: Wenn private Depots früh mit klaren Kostenprofilen und einfachen Wechselwegen überzeugen, könnten sie den Übergang in der Wahrnehmung der Kunden stark mitprägen.
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