BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesregierung plant eine umfassende Reform zur Entlastung der Rettungsdienste, die an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Mit kürzeren Arbeitszeiten und neuen Notfallzentren soll das System modernisiert werden. Die Finanzierung bleibt jedoch eine große Herausforderung.

Die Rettungsdienste in Deutschland stehen vor einem Systemkollaps, der durch steigende Einsatzzahlen, Personalmangel und veraltete Strukturen verursacht wird. Die Bundesregierung plant daher ein Notfallgesetz, das die Arbeitsbedingungen der Einsatzkräfte verbessern und die Patientenströme effizienter lenken soll. Ein umfassendes Reformpaket soll noch im April 2026 vom Bundeskabinett beschlossen werden.
Im Zentrum der Reform steht die Reduzierung der Arbeitszeiten. Derzeit arbeiten Rettungskräfte in vielen Regionen bis zu 48 Stunden pro Woche, was eine erhebliche Belastung darstellt. Erste Schritte zur Entlastung wurden bereits unternommen: Das Deutsche Rote Kreuz hat die maximale Wochenarbeitszeit auf 43 Stunden gesenkt, mit dem Ziel, bis 2028 auf 42 Stunden zu reduzieren. Doch in Bayern scheiterten die Verhandlungen über eine 42-Stunden-Woche, da der akute Personalmangel eine weitere Reduzierung erschwert.
Ein weiterer Kernpunkt der Reform sind die Integrierten Notfallzentren (INZ) an Kliniken, die eine zentrale Anlaufstelle für Patienten bieten sollen. Diese Zentren sollen entscheiden, ob eine klinische Notfallversorgung notwendig ist oder ob der ärztliche Bereitschaftsdienst ausreicht. Zudem sollen die Notrufnummern 112 und 116117 enger verzahnt werden, um eine qualifizierte Ersteinschätzung bereits am Telefon zu ermöglichen.
Die Finanzierung der Rettungsdienste stellt eine der größten Herausforderungen dar. Bisher wird der Rettungsdienst hauptsächlich als Transportdienstleistung betrachtet. Die Reform sieht vor, ihn als eigenständige medizinische Leistung im Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) zu verankern, um eine nachhaltigere Finanzierung zu gewährleisten. Dies ist notwendig, da die Einsatzzahlen in den letzten Jahren um etwa 15 Prozent gestiegen sind, was zu massiven Defiziten bei den kommunalen Rettungsdiensten führt.
Die aktuelle Krise ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung. Die Umstellung auf die 42-Stunden-Woche ist ein notwendiger Schritt, um einen Massenexodus des Fachpersonals zu verhindern. Doch der Übergang ist heikel, da das Personal, das die freigewordenen Schichten besetzen soll, nicht vorhanden ist. Ein Teufelskreis aus schlechten Bedingungen und Personalmangel erschwert die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
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