MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutschlandtochter von Telefónica meldet für das zweite Quartal sinkende Umsätze und einen Rückgang beim operativen Ergebnis. Auslöser ist vor allem der Verlust von Großkunden 1&1, der seit dem Jahr 2024 schrittweise zu Vodafone gewechselt ist. O2 fährt daher ein hartes Sparprogramm, das noch 1100 Stellen und zusätzlich mehrere Shop-Schließungen vorsieht. Gleichzeitig steigen die Zahl der Mobilfunk-Vertragskunden leicht an und geben dem Management Spielraum für eine Rückkehr auf Wachstumskurs.

O2 unter Druck: Umsatzrückgang, Sparplan und erste Stabilisierung
O2 unter Druck: Umsatzrückgang, Sparplan und erste Stabilisierung (Foto: IT BOLTWISE)
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O2 steht in Deutschland spürbar unter Druck: Für das zweite Quartal nennt die Münchner Einheit von Telefónica einen Umsatzrückgang um 11,1 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der unmittelbare Treiber ist der Großkundenverlust 1&1. Der Kunde hatte das O2-Netz lange mitgenutzt und dafür Miete gezahlt, doch seit 2024 läuft die Umstellung zu Vodafone; bis Ende 2025 sollen rund 12 Millionen Handykunden auf das Vodafone-Netz umgebucht werden. Für das laufende Geschäft heißt das weniger Planungsmasse und weniger Cash in der laufenden Kasse – unabhängig davon, wie stabil andere Teile des Portfolios inzwischen wachsen.

Auch auf der Ergebnisebene zeigt sich der Anpassungsdruck. Das operative Ergebnis (Ebitda) sinkt im zweiten Quartal um 7,2 Prozent auf rund 0,6 Milliarden Euro. Auffällig ist dabei, dass der Ergebnisrückgang rechnerisch weniger stark ausfällt als der Umsatzrutsch: Offensichtlich wirken Sparmaßnahmen bereits dämpfend auf die Kostenkurve. Gleichzeitig trifft die Kostensenkung nicht jede Sparte gleich. Besonders deutlich werden die Einbußen im Verkauf von Smartphones und anderen Endgeräten; dieser Bereich sackt um etwa ein Viertel ab. Das ist strategisch relevant, weil Hardware-Umsätze und Margen typischerweise stärker schwanken, während Tarifierung und Netzbetrieb einen stabileren Unterbau liefern können, wenn die Kundenseite gehalten wird.

Der harte Sparkurs wird zudem personell und operativ konkret. Wie beschrieben, soll O2 noch dieses Jahr 1100 Stellen abbauen, was in der Relation etwa jedem sechsten Job entspricht; zu Jahresbeginn waren es 6820 Vollzeitstellen. Die Umsetzung soll laut Plan über freiwillige Wege erfolgen, etwa durch Frühverrentungen und Abfindungen. Operativ kommt die Filialstrategie hinzu: Von 800 O2-Shops sollen 60 geschlossen werden. Damit reduziert O2 nicht nur Kosten, sondern verändert auch die Vertriebskanäle – ein Punkt, der gerade im Wettbewerb mit Vodafone und der Deutschen Telekom unmittelbare Wirkung auf Neukundengewinnung und Servicekapazitäten entfalten kann. Für nächstes Jahr ist eine zweite Sparphase angekündigt, in der Kosten von Callcentern und im Vertrieb gedrückt werden sollen.

Bemerkenswert ist, dass sich parallel einzelne Wachstumstreiber abzeichnen. Im zweiten Quartal steigt die Zahl der Mobilfunk-Vertragskunden um 30.000 auf rund 32 Millionen. Während der Wettbewerber Vodafone im gleichen Zeitraum deutlich Kunden verliert, kann O2 damit zumindest im Kerngeschäft moderat gegensteuern. Auch beim Segment für Firmenkunden mit SIM-Karten für Maschinen – etwa für Fahrzeuge – legt O2 etwas zu. Ganz so stark wie die Deutsche Telekom und Vodafone ist das Unternehmen in diesem Bereich allerdings nicht. Diese Differenz ist für das Management wichtig: In einem Umfeld, in dem Plattform- und Vertriebsrechte bei Großkunden schneller wechseln, wird die Fähigkeit entscheidend, Anschlussgeschäft in weniger zyklischen Nischen zu entwickeln und Serviceleistungen stärker zu verknüpfen.

Finanziell führt der Spardruck zwar zu kurzfristig weniger Luft, doch O2 versucht zugleich, die Profitabilität für das nächste Geschäftsjahr zu stabilisieren. Der angekündigte Ausblick bleibt optimistisch: Das Management geht für das kommende Jahr davon aus, wieder bei Umsatz und Betriebsergebnis zu wachsen. Auffällig ist dabei die Logik hinter dem Timing: Erst wenn der Ergebnishebel aus der Kostenseite greift, lässt sich investieren, ohne die Bilanz dauerhaft zu belasten. Die Arbeitnehmerseite hat dem Vorhaben für dieses Jahr zwar „zähneknirschend“ zugestimmt, kritisiert jedoch eine mangelhafte Strategie und verlangt mehr Investitionen. Genau in dieser Spannung zwischen kurzfristiger Kostendisziplin und mittelfristigem Netzausbau oder Digitalisierungsprojekten entscheidet sich, ob aus dem „Sparen“ ein nachhaltiger Turnaround wird.

Im Gesamtkonzern ergibt sich derweil ein anderes Bild. Telefónica profitiert im zweiten Quartal von anhaltendem Wachstum in Spanien und Brasilien: Der Umsatz steigt um 3,0 Prozent auf knapp 8,3 Milliarden Euro, das bereinigte Ebitda um 6,4 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdient Telefónica im fortgeführten Geschäft zwar nur 87 Millionen Euro, rund zwei Drittel weniger als im Vorjahr; bereinigt um Sondereffekte liegt der Gewinn bei 473 Millionen Euro, ein Rückgang um ein Fünftel. Beim freien Barmittelfluss sinkt der Wert im Quartal um fast 30 Prozent auf 611 Millionen Euro, die Jahresprognose wird aber mit rund drei Milliarden Euro beibehalten. Für die Praxis ist das relevant: Wenn das Konzernumfeld weiterhin Liquidität liefert, kann die Deutschlandeinheit den Transformations- und Sparpfad mit mehr Planungssicherheit durchhalten – trotz des absehbaren Drucks aus der Großkunden-Umstellung.


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