WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Österreichs neues Informationsfreiheitsgesetz, das das historische Amtsgeheimnis abgelöst hat, steht vor rechtlichen Herausforderungen. Erste Gerichtsurteile könnten den Fortschritt der Transparenzbewegung verlangsamen, während die digitale Infrastruktur Schwächen zeigt.

Österreich hat mit dem Inkrafttreten des neuen Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) einen bedeutenden Schritt in Richtung Transparenz gemacht. Das Gesetz, das am 1. September 2025 das seit 1925 bestehende Amtsgeheimnis ablöste, gewährt Bürgern ein grundlegendes Recht auf Informationen von Behörden. Diese müssen nun aktiv Verträge über 100.000 Euro, Gutachten und Studien veröffentlichen, vor allem auf dem Portal data.gv.at. Doch der Weg zu mehr Offenheit ist nicht ohne Hindernisse, wie erste juristische Auseinandersetzungen zeigen.
Ein zentraler Punkt der aktuellen Diskussion ist die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts Steiermark, das Teile des IFG als möglicherweise verfassungswidrig eingestuft hat. Konkret geht es um ein Auskunftsersuchen zu den Stromkosten einer Gemeinde, das laut Gericht gegen Artikel 118 des Bundes-Verfassungsgesetzes verstoßen könnte. Sollte der Verfassungsgerichtshof dieser Einschätzung folgen, könnten Verfahren vor Verwaltungsgerichten wieder deutlich länger dauern, was die Transparenzbemühungen erheblich bremsen würde.
Parallel zu den rechtlichen Herausforderungen offenbaren sich auch technische Schwächen. Das Innovationsministerium meldete einen fast 24-stündigen Ausfall seines E-Mail-Systems, wodurch mehrere Informationsersuchen verloren gingen. Diese Vorfälle unterstreichen die Notwendigkeit einer robusten digitalen Infrastruktur, um die neuen Transparenzpflichten effektiv umzusetzen. Unternehmen mit staatlicher Beteiligung stehen zudem vor der Herausforderung, den schmalen Grat zwischen Transparenzpflicht und dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen zu navigieren.
Die Einführung des IFG markiert einen tiefgreifenden kulturellen Wandel in der österreichischen Verwaltung. Während Bürger nun nicht mehr ihr Informationsinteresse begründen müssen, sind es die Behörden, die erklären müssen, warum Informationen geheim bleiben sollen. Transparenz-Initiativen kritisieren jedoch weiterhin Lücken im System, wie das Fehlen eines unabhängigen Informationsbeauftragten und wirksamer Sanktionen bei der Nichtherausgabe von Dokumenten. Das Jahr 2026 wird entscheidend sein, da der Verfassungsgerichtshof über die Vorlage aus der Steiermark entscheiden und erste Grundsatzurteile des Verwaltungsgerichtshofs erwartet werden.
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