MUSKAT / LONDON (IT BOLTWISE) – Oman verlagert seinen Tourismus klar Richtung Luxus, Ruhe und Natur: Bis 2027 und 2028 sollen mehrere neue Resorts entstehen – von Wellnessanlagen über Eco-Glamping bis zu privaten Klippenvillen. Im Zentrum steht die Oman Tourism Development Company (OMRAN Group), die Projekte mit internationalen Marken und lokalen Partnern vorantreibt. Mit LEED-Ausrichtung und naturnaher Architektur will das Sultanat sich deutlich von den dichter gewordenen Golf-Standorten abheben. Für Hotelbetreiber, Zulieferer und Marken bedeutet das vor allem: ein Ausbaupfad mit klaren Nachhaltigkeits- und Erlebnisansprüchen.

Oman setzt seinen Kurs auf hochpreisigen Tourismus mit einer bemerkenswert langen Projektliste fort: In den kommenden Jahren sollen acht neue Luxus- und Lifestyle-Hotels sowie nachhaltige Eco-Resorts an den Küsten, in den Bergen und sogar in der Wüste entstehen. Während viele Destinationen der Golfregion den Fokus zunehmend auf Dichte, Beton und Standardisierung legen, versucht das Sultanat, sich als Gegenentwurf zu positionieren – mit Authentizität, Ruhe und einer klaren Naturdramaturgie. Im Ergebnis entsteht eine Art „Landschafts-Portfolio“: Wellness in Jabal Shams, Ausblicke auf den Golf von Oman, Klippenvillen in Musandam und Eco-Formate in Höhenlagen.
Technisch und operativ ist das weniger eine einzelne Hotelneuerung als vielmehr ein Bündel an Umsetzungsanforderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein Beispiel ist das Santani Wellness Resort, das die Oman Tourism Development Company (OMRAN Group) gemeinsam mit der sri-lankischen Marke Santani bis voraussichtlich 2027 in der Region Jabal Shams realisieren will. Geplant sind insgesamt 182 Zimmer über die beteiligten Häuser, mit Programmen rund um Stressmanagement, Detox, Yoga und Weight Management. Solche Schwerpunkte verlangen langfristig spezialisierte Infrastruktur: Trainingsräume, Gesundheitsprotokolle und eine durchgängige Service-Qualität, die mit dem Stil des Standorts konsistent bleibt.
Auch bei der anvisierten Anantara-Erweiterung zeigt sich, wie eng Erlebnisdesign und Immobilienentwicklung verzahnt werden. Das Anantara Bandar Al Khairan Resort soll 2027 eröffnet werden, etwa 45 Autominuten südöstlich von Muskat. Mit insgesamt 121 Unterkünften – darunter Gästezimmer, Chalets und Villen teils mit privaten Pools – wird eine Mischung aus familienfreundlichem Komfort und exklusiver Abschirmung angestrebt. Eigentümer ist Musstir, die Immobilien- und Entwicklungsgesellschaft der MB Holding Company, die bereits das Al Baleed Resort Salalah by Anantara an Omans Südspitze besitzt. Damit steht Oman nicht nur in Konkurrenz zu anderen Golfzielen, sondern auch im Wettbewerb innerhalb etablierter Markenportfolios.
Marktseitig ist vor allem das geplante Hyper-Luxusformat ALI? NIVAS interessant, weil es das Erlebnis nicht an einen „Beachfront-Standort“, sondern an eine abgeschirmte Erreichbarkeit bindet. Das Resort soll 2028 in einer privaten Lagune auf der Musandam-Halbinsel öffnen und über mehr als 30 exklusive Klippenvillen verfügen, die per Wasserflugzeug oder Helikopter erreicht werden. Solche Modelle erhöhen zwar die Ticketgröße, verschärfen aber auch das Last-Mile-Operations-Setup: Transportplanung, Wetter- und Sicherheitslogik sowie die Abstimmung von Servicefenstern. Aus der Branche ist ein klarer Trend erkennbar: Luxus reagiert immer weniger auf „mehr Zimmer“, sondern stärker auf kontrollierte Zugänglichkeit und personalisierte Logistik.
Ein zweiter Markttreiber ist Nachhaltigkeit als Standortargument – und hier liefert Oman konkrete Projektlogik, nicht nur Schlagworte. Beim ALI? NIVAS soll das Hotelprojekt mit der OMRAN-Nachhaltigkeitsstrategie im Einklang stehen und internationale Zertifizierungen wie „Leadership in Energy and Environmental Design“ (LEED) anstreben. Parallel entsteht mit ENVI Al Jabal Al Akhdar eine Eco-Lodge in Saiq auf über 2.000 Metern Höhe, die 2027 öffnen soll und zugleich den Markteintritt der Marke ENVI in Oman markiert. Geplant sind 30 luxuriöse Zelte mit Panoramablick auf das Hajar-Gebirge – ergänzt durch ein Farm-to-Table-Restaurant mit Produkten aus dem eigenen Garten. Für Betreiber bedeutet das: Nachhaltigkeitsplanung wird zu einem integrierten Planungs- und Betriebsprozess, nicht zu einer nachträglichen Marketingfolie.
Der Wettbewerb zu anderen Luxusdestinationen in der Region wird dadurch indirekt „verschoben“. Wer heute in Dubai, Abu Dhabi oder anderen stark verdichteten Knotenpunkten Urlaub plant, bekommt häufig dichte Infrastruktur und sehr standardisierte Abläufe. Oman setzt dagegen auf Landschaft, Distanz und spürbare Differenz. Das sieht man auch an der Erweiterung durch internationale Marken: OMRAN entwickelt derzeit ein Four Seasons Resort am Al-Bustan-Strand in Muskat mit 200 Hotelzimmern, 100 Villen, mehreren Restaurants und sogar einer eigenen Marina. Zusätzlich kommt mit Nikki Beach Resort & Spa Muscat die Beach-Club-Marke Nikki Beach erstmals nach Oman, mit 140 Zimmern und Suiten, 30 Villen mit privaten Pools, Spa-/Fitnessbereichen und Marina-Anbindung. In der Summe entsteht ein Segment, in dem Design, Freizeit und exklusive Club-Elemente zusammenlaufen.
Auch architektonisch und konzeptionell sucht Oman bewusst nach Differenzierungsmerkmalen, etwa beim The Chedi Wadi Bausher am Fuße des Jabal Bausher. Das vertikale Berghotel, gemeinsam mit Rawasi Development geplant, orientiert sich an der Topografie und nutzt die Höhenstaffelung als Teil des Erlebnisses. Damit wird aus „Unterkunft“ eher ein dreidimensionaler Raumplan, der den Gast in Aussichtslinien, Wegeführungen und Privatsphären hineinführt. Schließlich zeigt The Malkai Oman Ende 2026 einen anderen Ansatz: Statt eines klassischen Resorts gibt es eine kuratierte siebentägige Luxusreise mit drei Unterkünften in verschiedenen Regionen – von Dattelplantagen nahe Muskat über das Hajar-Gebirge bis in die Wüstenlandschaften der A’Sharqiya Sands. Das ist eine Alternative zum „Single-Location“-Modell und passt zur Positionierung als Authentizitätsdestination.
Für die Zukunft liegen mehrere Implikationen auf der Hand. Erstens dürfte Oman im Luxussegment weiter in Richtung Erlebnis-Ökonomie arbeiten: Resorts werden mit Wellness-Programmen, Farm-to-Table-Konzepten oder zielgerichteten Anreiseformen kombiniert, um die Wertschöpfung pro Gast zu erhöhen. Zweitens steigt damit der Bedarf an professionellem Betrieb über mehrere Standorte hinweg – vom Qualitätsmanagement bis zur Koordination externer Zulieferer. Drittens wird Nachhaltigkeit regulatorisch und operativ überprüfbar: LEED-orientierte Bau- und Energieentscheidungen müssen sich in Messgrößen spiegeln, während Genehmigungs- und Umweltauflagen in sensiblen Regionen wie Bergen oder Lagunen greifen. Und schließlich ist auch Datenschutz kein „Luxusdetail“: Wenn Buchungen, Profiling oder Gastkommunikation über digitale Kanäle laufen, müssen Hotels klare Richtlinien zur Verarbeitung von Besucherdaten verfolgen – besonders, wenn personalisierte Angebote und Service-Ökosysteme geplant werden.
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