WIESBADEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Für Deutschland steigt die Bedeutung von Online-Plattformen im Ferienmarkt deutlich: Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 68,3 Millionen Übernachtungen allein über Airbnb, Booking und Expedia vermittelt. Das entspricht einem Plus von 13,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sogar 83,4 Prozent gegenüber 2019. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Buchungen aus dem Inland stärker zulegen als aus dem Ausland. Unklar bleibt dabei, wie viel der früher von einem weiteren Portal bereitgestellten Datenbasis künftig fehlt.

Die Buchung von Ferienhäusern und Ferienwohnungen findet in Deutschland zunehmend digital statt. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr über die großen Online-Plattformen Airbnb, Booking und Expedia insgesamt 68,3 Millionen Übernachtungen vermittelt. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das 13,0 Prozent mehr, und im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 sind es sogar 83,4 Prozent. Damit hat sich die Relevanz der Portale seit der Normalisierung nach der Pandemie spürbar erhöht.
Bemerkenswert ist dabei, wie stark sich die Marktstruktur in den letzten Jahren verändert hat: Die Daten zeigen nicht nur einen Ausgabenschub nach der Corona-Zeit, sondern auch eine anhaltende Verlagerung hin zu Online-Kanälen. Für die Einordnung ist relevant, dass 2024 bereits weitere Plattformdaten einbezogen waren und sich die Statistikgrundlage damit teilweise verschob. Denn TripAdvisor lieferte zuvor Daten mit ein, hat diesen Datenaustausch mit Eurostat jedoch beendet. Die aktuelle Auswertung für Deutschland stützt sich folglich auf die Eurostat-Daten, bei denen der frühere Anteil von TripAdvisor nicht mehr enthalten ist.
Für Statistiknutzer und Marktteilnehmer ist das mehr als eine Fußnote, weil der frühere Beitrag von TripAdvisor laut Bundesamt zwar zum kleinsten Anbieter gehörte, sein exakter Anteil aber vor dem Ausstieg nicht ausgewiesen wird. Das erschwert den direkten Vergleich mit früheren Monaten oder Jahren, wenn man die Zahl der über Portale vermittelten Übernachtungen als Proxy für den Gesamtmarkt heranzieht. Gleichzeitig bleibt die Kernaussage bestehen: Die drei genannten Anbieter decken einen großen Teil der Plattformbuchungen ab, und die Statistik dient als wichtige Ergänzung zur offiziellen Übernachtungsstatistik.
Auch die Herkunft der Gäste liefert Hinweise darauf, wie sich der Ferienmarkt derzeit neu ausbalanciert. Aus dem Inland stammten 48,5 Millionen über die Portale gebuchte Übernachtungen, was 2025 einem Anstieg um 15,3 Prozent entspricht. Von Gästen aus dem Ausland kamen 19,8 Millionen Buchungen; das sind 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Innerhalb der Auslandsmärkte sticht eine Gruppe besonders hervor: 2,9 Millionen Übernachtungen entfielen auf niederländische Gäste. Danach folgen Touristen aus Polen und den USA, was zur bekannten Rolle internationaler Ferienrouten in Europa passt.
Technisch betrachtet spiegeln diese Zahlen vor allem den Einfluss von Marktplätzen auf die Informations- und Buchungsprozesse wider. Plattformen aggregieren Verfügbarkeiten, Preise und Bewertungen in einem einzigen Reservierungskontext, wodurch Haushalte mit begrenzter Angebotsfläche schneller buchbar werden als über klassische Kanäle. Genau hier setzt auch die statistische Perspektive an: Denn nicht die gesamte Breite des Ferienhausmarkts wird von drei großen Datenlieferanten abgebildet. Die Statistiker werten die Plattformdaten dennoch als „wichtige Ergänzung“, weil die offizielle Übernachtungsstatistik im Kern nur Betriebe mit mindestens zehn Betten berücksichtigt.
Wie stark die Datenbasis die Angebotsseite abbildet, zeigt ein weiterer Wert: 94 Prozent der über Portale gebuchten Übernachtungen fanden in kleineren Einheiten statt, konkret 64,1 Millionen. Das ist ein deutliches Indiz dafür, dass der Plattformkanal besonders viele „mikrostrukturierte“ Gastgebererfahrungen bündelt, bei denen herkömmliche Statistiklogiken oft zu kurz greifen. Für die Marktbeobachtung bedeutet das: Wer nur die traditionellen Beherbergungsbetriebe betrachtet, sieht zwangsläufig einen anderen Markt als derjenige, der Plattformbuchungen einbezieht.
Für Unternehmen und Entscheider, die ihre Strategien rund um Vermietung, Vermarktung und Revenue Management ausrichten, folgt daraus eine klare Konsequenz: Online-Kanäle sind nicht nur Vertriebskanal, sondern prägen auch das Bild der Nachfrage. Gleichzeitig sollten Vergleiche über Zeiträume hinweg mit Vorsicht interpretiert werden, weil sich Datenlieferungen einzelner Plattformen verändern können. Die aktuelle Entwicklung macht damit zweierlei sichtbar: Erstens wachsen Plattformbuchungen weiter, zweitens wird die Genauigkeit von Zeitreihen stärker von den jeweiligen Datenabkommen beeinflusst als von reiner Nachfrage.
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