LONDON (IT BOLTWISE) – OpenAI stellt „Auto-review“ für Codex künftig kostenlos bereit, wenn Nutzer ihre Codex-Automatisierung über ein ChatGPT-Konto starten. Ein zweiter KI-Agent prüft dabei geplante Schritte, bevor Codex Grenzen der Sandbox überschreitet. Dadurch müssen Nutzer weniger häufig manuell eingreifen, während die eigentlichen Rechte und Sicherheitsgrenzen unverändert bleiben. Die Aktivierung erfolgt in der ChatGPT-Desktop-App unter Berechtigungen oder per Codex-CLI über /permissions.

OpenAI erweitert den Codex-Auto-review-Modus und löst damit eine praktische Hürde für viele Entwickler und Power-User: Die automatische Prüfung ist nun für alle verfügbar, die Codex über ein ChatGPT-Konto nutzen. Bislang war die Funktion offenbar an einzelne Tarif- oder Kontingentlogiken gebunden; laut OpenAI belastet die zusätzliche Prüfung durch den zweiten KI-Agenten das Nutzungskontingent des jeweiligen Tarifs nicht. Inhaltlich bleibt das Prinzip gleich: Auto-review mischt sich nicht in jede Sandbox-Operation ein, sondern übernimmt die Freigabeprüfung gerade dort, wo Codex mit einer geplanten Aktion voraussichtlich über Grenzen der Umgebung hinausgeht.
Technisch betrachtet ist der Modus damit weniger ein „Extra-Rechte-Feature“ als ein Kontroll- und Entscheidungs-Layer zwischen Plan und Ausführung. OpenAI beschreibt, dass Codex Aufgaben wie das Bearbeiten von Dateien, das Ausführen von Befehlen oder den Zugriff auf das Internet übernimmt. Während Routinearbeiten innerhalb der Sandbox ohne zusätzliche Unterbrechung laufen, soll der zweite Agent die geplante Aktion gegen den ursprünglichen Auftrag, die aktuelle Umgebung und mögliche Folgen abgleichen. Dabei geht es ausdrücklich um typische Sicherheitsrisiken wie Datenabfluss, Zugriffe auf Anmeldedaten, gefährliche Änderungen an Sicherheitseinstellungen sowie um Löschaktionen, die sich später kaum oder nur schwer rückgängig machen lassen.
Die Umsetzung wirkt im Alltag vor allem über Berechtigungen steuerbar. In der ChatGPT-Desktop-App lässt sich Auto-review unter „Einstellungen“, „Allgemein“ und „Berechtigungen“ aktivieren. Danach taucht im Berechtigungsmenü unter dem Eingabefeld die Option „Für mich genehmigen“ auf, die dann automatisch greift, wenn Codex eine potenziell riskante Aktion vorbereiten würde. Für Nutzer, die Codex über die Kommandozeile betreiben, nennt OpenAI zusätzlich den direkten Einstieg: In der Codex CLI ist Auto-review über den Befehl „/permissions“ erreichbar. Damit gibt es sowohl einen UX-Weg für den schnellen Desktop-Workflow als auch eine klare Option für automatisierte Setups und Entwicklerumgebungen.
Interessant ist auch, wie häufig Auto-review tatsächlich eine menschliche Freigabe ersetzt. OpenAI nennt als grobe Kennzahl, dass Sitzungen mit Auto-review rund 200-mal seltener zu einer menschlichen Freigabe führen. In einem Beispiel prüfte der zweite Agent 720 von 10.000 Aktionen außerhalb der Sandbox, genehmigte 713 und lehnte sieben ab. Vier dieser Ablehnungen ließen Codex über eine sichere Alternative fortfahren, während bei drei Fällen ein Mensch entscheiden musste. Genau dieses Detail erklärt, warum der Modus nicht als reines „Automatik ja/nein“ funktioniert: Ablehnungen bedeuten nicht automatisch ein Abbrechen des gesamten Workflows, sondern häufig das Umschalten auf eine weniger riskante Ausführungsvariante.
Gleichzeitig stellt OpenAI klar, dass Auto-review Codex keine zusätzlichen Rechte verschafft. Die Grenzen für Dateien, Netzwerk und Befehle bleiben bestehen. Der Modus entscheidet demnach nicht darüber, ob Codex prinzipiell mehr darf, sondern nur darüber, wer Anfragen prüft, wenn es an die Schwelle zum Grenzübertritt geht. Damit adressiert OpenAI ein verbreitetes Missverständnis in solchen Systemen: „Bessere Automatisierung“ heißt hier nicht „mehr Zugriff“, sondern „bessere Entscheidungslogik“ unmittelbar an der Kontrollstelle. Für Unternehmen und Entwickler ist das relevant, weil sich Risikoabschätzung und tatsächliche Berechtigungen getrennt betrachten lassen.
Auch zeitlich ist die Änderung einordnungspflichtig. Auto-review ist laut OpenAI nicht völlig neu; den Modus führte der Anbieter bereits im April 2026 ein. Die aktuelle Anpassung betrifft vor allem Verfügbarkeit und Abrechnung: Während der Mechanismus bereits existierte, wird er nun auch Nutzern mit einem kostenlosen ChatGPT-Konto zugänglich gemacht. Für den Markt bedeutet das vor allem eine breitere Basis für Agenten-Workflows, bei denen Codex längere Aufgabenketten ohne ständige manuelle Freigaben durchläuft. Damit verschiebt sich der Fokus von „Kann ich das überhaupt nutzen?“ hin zu „Wie konfiguriere ich die Freigabe so, dass sie zu meinen Sicherheits- und Betriebsanforderungen passt?“
Aus praktischer Sicht lohnt sich für Teams die Betrachtung, wie „Für mich genehmigen“ in Berechtigungsketten wirkt und wie sie mit Ablehnungen umgehen. Wenn der zweite Agent innerhalb der beschriebenen Kategorien (z. B. Datenabfluss oder sicherheitsrelevante Änderungen) sieben von 720 potenziell kritischen Aktionen ablehnt, ist das ein Signal dafür, dass der Modus nicht nur Formalitäten abprüft, sondern konkrete Risikoindikatoren nutzt. Gleichzeitig zeigen die Beispiele, dass das System bei einem Teil der Fälle alternative Auswege findet und dadurch die Produktivität erhalten kann. Wer Codex in längeren Agentenläufen einsetzt, kann dadurch die Anzahl menschlicher Unterbrechungen senken, ohne die Grundidee unveränderter Sandbox-Grenzen aufzugeben.
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