HO CHI MINH CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Pandora hat eine 150-Millionen-US-Dollar-Fabrik in Ho Chi Minh City eröffnet, die das Unternehmen künftig auch unabhängig von Thailand weiter ausbauen soll. Die Anlage soll die globale Fertigungskapazität um rund 50 % steigern und bei Vollbetrieb bis zu 60 Millionen Schmuckstücke pro Jahr liefern. Perspektivisch rechnet der Konzern damit, dass Vietnam bis 2030 etwa ein Drittel der Gesamtkapazität abdecken kann. Zusätzlich setzt Pandora auf recycelte Edelmetalle, erneuerbaren Strom und eine Kapazitätserweiterung bei plattiertem Schmuck, um die Abhängigkeit vom volatilen Silbermarkt zu senken.

Mit der Eröffnung der neuen Fertigung in Ho Chi Minh City verschiebt Pandora einen zentralen Teil seiner Wertschöpfung erstmals deutlich über den eigenen Fertigungsschwerpunkt in Thailand hinaus. Das Unternehmen investierte dafür 150 Millionen US-Dollar in die größte Schmuckfabrik der Gruppe, die zugleich der erste Produktionsstandort außerhalb Thailands ist. In der Anlage werden laut Konzernangaben ab Vollauslastung bis zu 7.000 Beschäftigte arbeiten, während die Fabrik die weltweite Produktionskapazität insgesamt um rund 50 % erhöhen soll. Für den Markt bedeutet das vor allem eines: Das Wachstum der Marke soll künftig nicht mehr so stark von einer einzelnen geografischen Produktionsregion abhängen.
Technisch und operativ ist die neue Fabrik als flexibles Produktionssystem für feinen Schmuck ausgelegt. Pandora nennt als Jahresziel eine Kapazität von bis zu 60 Millionen Stücken und ordnet Vietnam damit als strategischen Produktionspfeiler ein, der nicht nur einzelne Exportmärkte bedienen soll. Auf der Werksebene wurden bei der Inbetriebnahme bereits mehrere Fertigungsschritte sichtbar, darunter das Schleifen von Teilen und die Qualitätskontrolle farbiger Steine, bevor die Prozesskette durch kleine pinkfarbene Roboter auf der Linie unterstützt wird. Diese Kombination aus manuellen Kontrollen und automatisierten Transport- bzw. Handling-Schritten zielt typischerweise darauf, Taktzeiten zu stabilisieren und Qualitätsstreuungen zu reduzieren – ein Ansatz, der in Schmuckfertigungen besonders dann wichtig wird, wenn die Stückzahlen stark steigen.
Die wirtschaftliche Dimension wird zudem durch die Zeitplanung und die Kapazitätsanteile konkret. Pandora verkauft nach eigenen Angaben 112 Millionen Schmuckstücke im Jahr 2025, bislang mit Produktion allein in Thailand, wo drei Werke betrieben werden. Für Vietnam kündigt das Management zunächst einen Einstieg an: Zu Beginn soll der Standort rund 15 % der globalen Kapazität abdecken. Mit der vollen Auslastung bis 2030 erwartet der Konzern jedoch eine deutlich höhere Rolle; dann soll Vietnam etwa ein Drittel der Gesamtfertigung tragen. Der Wechsel von der Startphase in die geplante Vollproduktion ist dabei auch ein Supply-Chain-Thema: Je früher Vorprodukte, Prozesse und Logistikketten stabil laufen, desto weniger Ausweichrisiken entstehen, wenn Nachfrage, Transportkosten oder Handelsbedingungen schwanken.
Im Hintergrund steht außerdem ein zweiter Hebel, der über die reine Mengenausweitung hinausgeht: die Material- und Produktstrategie. Pandora will die Produktion von plattiertem Schmuck erweitern und sich damit stärker diversifizieren – weg von der traditionellen Dominanz des Silberfokus hin zu einer breiteren Rohstoffbasis. Gerade weil Silbermärkte in der Regel spürbar schwanken können, reduziert eine breiter gefächerte Material- und Produktmischung die Sensitivität gegenüber Preisbewegungen. Gleichzeitig bleibt die Zielsetzung eindeutig global: Der Standort soll Nachfrage über das weltweite Geschäft abdecken, statt sich auf spezifische Exportdestinationen zu verengen. Neben der Handels- und Rohstoffseite spielt damit auch das Portfolio-Risiko eine Rolle, weil plattierter Schmuck eine andere Kosten- und Beschaffungslogik haben kann als eine rein silberbasierte Produktion.
Auch Nachhaltigkeit und Energieversorgung sind bei der Werkplanung nicht als Nebensatz, sondern als klar definierte Betriebsanforderung verankert. Pandora nennt für die Fabrik eine LEED-Gold-Zertifizierung und stellt den Betrieb auf erneuerbaren Strom um. Zudem sollen sowohl das verwendete Silber als auch das Gold am Standort recycelt werden. Ergänzend prüft das Unternehmen weitere Möglichkeiten, darunter eine Solarnutzung vor Ort und eine mögliche Partnerschaft für einen Solarpark. Für Unternehmen, die Zuliefer- und Produktionsrisiken steuern müssen, ist das vor allem deshalb relevant, weil Energiepreise und die Verfügbarkeit erneuerbarer Kapazitäten zunehmend als Planungsfaktor gelten. Eine saubere interne Steuerung – etwa über eigene Stromquellen und Recyclingprozesse – kann dabei helfen, Schwankungen besser abzufedern.
Die Standortwahl fügt sich zudem in ein geografisches Produktions-Cluster ein: Ho Chi Minh City liegt als wirtschaftlicher und industrieller Knotenpunkt direkt in Nachbarschaft zu einer Produktionsstätte des dänischen Konzerns LEGO. Pandora beschreibt Vietnam als besonders geeignet, unter anderem wegen einer qualifizierten Belegschaft, einer langen Tradition in der Schmuckherstellung, einer funktionierenden Infrastruktur und einem unterstützenden Geschäftsumfeld. Für den Technologieblick heißt das: Der Vorteil entsteht nicht nur aus Lohnkosten oder freien Flächen, sondern aus der Verfügbarkeit von Prozesswissen, das sich in Fertigungsqualität und Lernkurven niederschlägt. Gerade bei Schmuckformen, bei denen die Kombination aus Handarbeit, Präzision und Materialverarbeitung entscheidend ist, wirkt sich das häufig unmittelbar auf Ausschussquoten und Wiederholraten aus.
Schließlich ist die neue Fabrik auch eine Antwort auf Nachfrage- und Handelsunsicherheiten, die Pandora zuletzt stärker gespürt haben dürfte. Das Unternehmen berichtet aktuell von schwächerer Kundennachfrage insbesondere in den USA – dem größten Markt der Gruppe. In so einem Umfeld kann die Fähigkeit, Kapazitäten regional zu diversifizieren, helfen, Lieferzeiten und Produktionsauslastung besser zu steuern. Zusätzlich nimmt Pandora offenbar die Perspektive auf Handelsbedingungen ernst, da in der Kommunikation ausdrücklich die Möglichkeit höherer US-Zölle auf in Vietnam gefertigte Waren angesprochen wurde. Ob sich diese Risiken in der Praxis materialisieren, bleibt offen; die Investition in einen größeren, geografisch breiteren Maschinen- und Personalstamm schafft jedoch jedenfalls mehr Spielraum, um Produktions- und Logistikentscheidungen kurzfristiger nachzusteuern.
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