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US-MEXICO BORDER / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pentagon hat dem Department of Homeland Security die Erlaubnis erteilt, ein militärisches Heat-Ray-System für Tests an der Südgrenze der USA auszuprobieren. Die im Memo genehmigte „temporary loan“-Regel umfasst ein Active Denial System für sieben Monate ab September. Das gerichtete Energiesystem sendet einen unsichtbaren elektromagnetischen Strahl und erzeugt bei Kontakt auf der Haut eine starke, zeitlich begrenzte Brennwirkung. Offen bleibt, wo und wie die Tests stattfinden sollen und welche Einsatzszenarien daraus folgen könnten.

Pentagon erlaubt DHS Tests mit Active Denial System an der US-Mexiko-Grenze
Pentagon erlaubt DHS Tests mit Active Denial System an der US-Mexiko-Grenze (Foto: IT BOLTWISE)
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Die jüngste Genehmigung aus dem Pentagon sorgt an der US-Mexiko-Grenze für neue Aufmerksamkeit rund um gerichtete Energiewaffen: Laut einem Memo, das laut Bericht mit einer Unterschrift von Verteidigungsminister Pete Hegseth verbunden ist, darf das Department of Homeland Security (DHS) ein Active Denial System (ADS) für Tests in einem potenziellen Operationskontext einsetzen. Der entscheidende Punkt liegt dabei weniger im technischen Kern als im Rahmen: Für die Dauer von sieben Monaten ab September wird ein einzelnes ADS-System als „temporary loan“ überlassen, ohne dass die Technologie durch DoD-Mitarbeiter betrieben werden soll. Damit verlagert sich die Verantwortung operativ auf das DHS – zumindest in der Phase, in der die künftige Taktik und der konkrete Umgang mit dem System definiert werden.

Technisch handelt es sich bei der „Heat Ray“-Wirkung um einen unsichtbaren Strahl aus elektromagnetischen Wellen, der nach US-Militärangaben Entfernungen von ein wenig mehr als einer halben Meile erreichen kann. Erst beim Kontakt mit der menschlichen Haut entsteht die typische Wirkung: Betroffene sollen eine brennende Empfindung verspüren, die Pentagon-nahe Vergleiche mit der Situation herstellen, wenn man eine heiße Ofentür öffnet. Die unmittelbare Wahrnehmung wird als „tingling effect“ beschrieben, der zwischen 10 und 15 Minuten anhalten kann und zugleich eine starke, schwer zu unterdrückende Veranlassung auslösen soll, wegzulaufen.

Gerade diese Kombination aus sichtbarer Abschreckung im Verhalten und zeitlicher Begrenzung macht das System für Grenz- und Crowd-Control-Szenarien attraktiv – gleichzeitig ist sie der Punkt, an dem Recht, Wirksamkeit und praktische Einsatzlogik aufeinanderprallen. Der Bericht beschreibt, dass eine spätere Nutzung grundsätzlich denkbar wäre, ohne dass die DHS-Anfrage im Memo konkrete Testorte oder -methoden festlegt. In der Vergangenheit gab es demnach interne Überlegungen, das System für das Zerstreuen von Menschen entlang der US-Mexiko-Grenze einzusetzen, etwa um den Versuch des illegalen Überquerens in bestimmten Bereichen zu verringern. Ebenso wird erwähnt, dass US-Behörden zeitweise darüber nachdachten, die Anlage in Momenten innerer Unruhen zu verwenden – selbst dort kam es jedoch nicht zu einem tatsächlichen Einsatz.

Dass es nicht bei früheren Ideen geblieben ist, zeigt sich auch an den bisherigen Hürden: In internen Diskussionen standen Fragen zur Wirksamkeit und zur rechtlichen Einordnung im Vordergrund, aber ebenso die praktische Folge von Verletzungen oder auch nur gesundheitlichen Risiken. Ein zentrales Argument war dabei die Möglichkeit, dass Menschen durch die Wirkung in gefährliche Situationen getrieben werden könnten – etwa dann, wenn das Umfeld ohnehin durch Wasser, Strömung oder Rettungsnotwendigkeiten geprägt ist. Ein weiterer Aspekt betrifft die Bewertung des Gesamtnutzens: Wenn Training, Einsatzrichtlinien und Kosten hinzukommen, muss das System in der realen Lage einen deutlich messbaren Effekt haben, statt nur eine theoretische Abschreckung zu liefern.

Für die Frage, wie „seriös“ ein Grenztest ausfällt, ist die Vorgeschichte besonders relevant. Laut Bericht hat eine CBP-Einheit den Systemansatz vor Jahren im El Centro-Abschnitt geprüft – der Bereich umfasst rund 70 Meilen entlang der Grenze – unter der Leitung von Rodney Scott, der später CBP-Kommissar wurde. Damals drehte sich die Überlegung um den Umgang mit einem erhöhten Zustrom in einem nahegelegenen Flussbereich: Ob eine Abwendung aus dem Wasser heraus die Zahl der riskanten Überquerungsversuche senkt, wurde ebenso diskutiert wie die Befürchtung, dass bei Handlungsunfähigkeit eher zusätzliche Rettungen entstehen könnten. Auch frühere Entscheidungen zeigen die Sensibilität: In 2018 wurde das Vorhaben laut Bericht bereits im Vorfeld von der damaligen Führung des Ministeriums abgelehnt, weil die Behandlung von Migrantinnen und Migranten mit einem militärisch geprägten Muster in Verbindung gebracht wurde.

Im aktuellen Verfahren scheint der Schwerpunkt daher weniger auf dem „Ja oder Nein“ zur Technologie zu liegen, sondern auf der Frage, wer während der Tests die operative Steuerung übernimmt und wie die daraus abgeleiteten Verfahren aussehen sollen. Das Memo legt fest, dass DHS für „system employment, use and development of tactics, techniques and procedures“ verantwortlich ist, während der DoD-Teil im Sieben-Monats-Zeitraum auf die temporäre Überlassung beschränkt bleibt. Nach Ablauf kann DHS eine weitere Anfrage zur Nutzung in Grenzoperationen stellen – ein Mechanismus, der zeigt, wie stark politische und organisatorische Entscheidungsschleifen mit technischer Erprobung verknüpft werden. Für Sicherheits- und Compliance-Verantwortliche in Organisationen, die mit Grenz- oder Einsatzprozessen indirekt zu tun haben, wird damit besonders relevant, wie klar sich Wirksamkeit, Risiken und Einsatzgrenzen während der Tests messen und dokumentieren lassen.

Auch aus Markt- und Innovationssicht ist das Signal bemerkenswert: Ein System, das bereits seit fast zwei Jahrzehnten existiert, bekommt damit einen neuen Anwendungsversuch im Grenzumfeld. Das kann für den Wettbewerb bedeuten, dass gerichtete Energiewaffen künftig stärker in Ausbildungs-, Taktik- und Verfahrenspakete integriert werden – nicht nur als isolierte Hardware. Gleichzeitig bleibt die Kernfrage offen, die in den bisherigen Debatten immer wieder auftauchte: Wenn sich die Lage verändert, niedrige Grenzfrequenz und mehr Personal die Notwendigkeit reduzieren, verliert ein Tool wie ADS dann tatsächlich an operativem Gewicht? Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Tests eher eine Bestätigung liefern oder ob rechtliche, praktische oder Wirksamkeitsgrenzen erneut zum Tragen kommen.


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