LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Peter Schiff kritisiert Strategies Bitcoin-Strategie und argumentiert, dass die Finanzierung über Aktienverkäufe zu einem Discount-Verhältnis führt und damit den Bitcoin-Anteil pro Aktie senken könne. Der Beitrag ordnet zudem die anhaltenden Käufe von Strategy sowie die Diskussion um die STRC-Vorzugsdividenden ein. Ergänzend wird die Bedeutung einer großen, lang inaktiven Whale-Übertragung anhand von On-Chain-Indikatoren eingeordnet.

Peter Schiff, Chef von Euro Pacific Capital, hat erneut Strategies Bitcoin-Kaufplan unter Beschuss genommen. In seinem Argumentationsstrang geht es weniger um die Frage, ob Bitcoin grundsätzlich langfristig relevant bleibt, sondern um die Mechanik, wie Strategy Kapital beschafft, um Bitcoin zu akkumulieren. Schiff stellt dabei einen historischen Vergleich her: Als MicroStrategy (MSTR) große Prämien auf den Nettoinventarwert (Net Asset Value) seiner Bitcoin-Bestände erhielt, funktionierte das Modell scheinbar anders als heute. Sein Kernvorwurf lautet, dass aktuelle Verkäufe von MSTR-ähnlichen Positionen typischerweise mit einem Discount erfolgen und dadurch die Kennzahl „Bitcoin pro Aktie“ rechnerisch schwächen könnten.
Technisch betrachtet hängt die Debatte an einer per-Share-Logik, die Anleger meist als Proxy für die Effizienz eines Krypto-Treasury-Modells nutzen. Wenn eine börsennotierte Gesellschaft Bitcoin erwirbt und gleichzeitig neue Aktien ausgibt oder bestehende Positionen in einem anderen Bewertungsband verkauft, verschiebt sich der Nenner: Wie viel Bitcoin entfällt am Ende auf eine Aktie, die von außen betrachtet dem gleichen rechtlichen Anspruch auf Unternehmenswerte entspricht. Schiff argumentiert, dass bei Discount-Emissionen der Gegenwert der Kapitalmaßnahme geringer ist als der neue Bitcoin-Bestand pro Aktie vermuten lässt. Die Folge könnte eine „negative Bitcoin yield“ sein, selbst wenn das Unternehmen zusätzliche Coins kauft.
Die aktuelle Nachrichtenlage liefert dafür den Ausgangspunkt: Strategy hat nach dem anfänglichen Kauf von 1.550 BTC im frühen Juni weitere 1.587 BTC nachgelegt, laut den Angaben im Kontext der Berichterstattung für rund 100 Millionen US-Dollar. Diese Fortsetzung passt zum Selbstverständnis des Konzerns, der sich öffentlich stark als „Buy-and-Hold“-Player positioniert und Bitcoin-Reserven konsequent aufbaut. Schiff stellt dem jedoch entgegen, dass die Wertschöpfung pro Aktie nicht nur vom Erwerb abhängt, sondern vom Preis, zu dem das Unternehmen die Gegenfinanzierung am Kapitalmarkt organisiert. Damit verschiebt sich der Fokus von „Wie viele BTC wurden gekauft?“ zu „Wie teuer war der Weg dorthin?“
Zusätzlich verschärft sich der Wettbewerb der Argumente über den Preferred-Stock-Bereich: Bei Strategy steht STRC im Zentrum der Diskussion um Dividenden und Kapitalstruktur. Schiff betont, dass die Belastung steigen kann, wenn STRC am Markt unter das gewünschte Preisniveau fällt. In einem solchen Szenario stehen Unternehmen typischerweise vor einem Zielkonflikt zwischen laufenden Ausschüttungen und dem Erhalt finanzieller Flexibilität. Die praktische Konsequenz wäre, dass höhere Zahlungen erforderlich werden, mehr Aktien platziert werden müssen oder vorhandene Cash-Reserven kurzfristig stärker beansprucht werden. Damit entsteht eine Schnittstelle zwischen Krypto-Strategie und klassischer Unternehmensfinanzierung, bei der die Börsenbewertung unmittelbar in den Ausschüttungsmechanismus hineinwirkt.
Unterdessen liefert der On-Chain-Kontext eine zusätzliche Marktschicht, die Anleger gern als möglichen Vorläufer für Verkaufsdruck interpretieren. Berichten zufolge wechselten 2.373 BTC, die lange inaktiv gewesen waren, ihren Status. Eine Einschätzung aus der Analystenszene verweist auf eine Inaktivitätsphase von etwa fünf bis sieben Jahren, womit der Transfer bei einem Bitcoin-Kurs im Bereich von rund 66.000 US-Dollar rechnerisch einem hohen zweistelligen Millionenwert entspricht. Allerdings ist eine Übertragung nicht automatisch ein Verkauf: Langfristige Halter verschieben Coins häufig aus Gründen wie Wallet-Updates, Verwahrungswechseln oder auch geplanten Liquiditätsmaßnahmen. Für die Marktmechanik sind daher meist Folgeschritte entscheidend, etwa ob Coins auf Börsenumgebungen oder für Austausch-Cluster aggregiert werden.
Branchenhistorisch erinnert die Debatte an frühere Phasen, in denen Krypto-Treasury-Modelle vor allem dann überzeugten, wenn die Aktienmärkte die Bestände mit Prämien honorierten. Dort konnte Kapital zur Bitcoin-Akkumulation potenziell „günstig“ relativ zu den implizierten Bitcoin-Werten eingekauft werden, was die Kennzahl „BTC pro Aktie“ stützte. Heute zeigt die Diskussion, wie stark die Resultate an die Kapitalmarktbewertung und an die kurzfristige Preiswirkung von Emissionen gekoppelt sind. Für Unternehmen und Entwickler ergibt sich daraus ein klarer Implementierungsimpuls: Risikomanagement, Treasury-Controlling und Transparenz über Annahmen müssen in der gleichen Tiefe wie die On-Chain-Überwachung gedacht werden. Ergänzend spielt die Regulierung eine Rolle, da je nach Jurisdiktion Reporting-Pflichten, Marktzugangsregeln und Compliance-Standards im Umgang mit Emissionen und Vermögensnachweisen die Gestaltung der Kapitalmaßnahmen beeinflussen.
Der Ausblick hängt damit weniger an einer einzelnen Zahl als an der Folgekommunikation des Marktes: Kann Strategy weiterhin Kapital zu Konditionen beschaffen, die den Discount-Mechanismus entschärfen? Bleibt STRC für Anleger attraktiv und berechenbar, oder zwingt die Dividendenlogik zu Maßnahmen, die den Krypto-Fokus kurzfristig überlagern? Während Bitcoin zuletzt nach einem Rücksetzer wieder oberhalb des mittleren 60.000-US-Dollar-Bereichs notiert, bleiben sowohl klassische Akteure wie Miner als auch börsengehandelte Bitcoin-Produkte (ETFs) und einzelne große Wallets im Blick. Wenn sich die Kette von „Kauf“ und „Finanzierung“ nicht rechnerisch verbessern lässt, könnten sich weitere Debatten wie die von Schiff verstärken. Umgekehrt würde eine beständigere Kapitalmarktprämie oder eine strukturierte Anpassung der Kapitalmaßnahmen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Anleger den per-Share-Mechanismus als stabil betrachten.
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