LONDON (IT BOLTWISE) – Strategie und Strive nutzen seit 2025 bevorzugte, „perpetual“ ausgestaltete Vorzugsaktien als Finanzierungshebel, um weiter Bitcoin zu akkumulieren. Laut einer Auswertung von Fidelity flossen bis zum 5. Oktober 2026 rund 135.979 BTC aus dieser Struktur in die Kasse der Emittenten. Gleichzeitig wächst der Druck durch wiederkehrende Dividendenscheine, während Rückkäufe der eigenen Vorzugsaktien um Kapital konkurrieren. Unklar bleibt, wie stabil dieses Modell bleibt, wenn Emissionen unter oder nahe an Parität weniger attraktiv werden und der Markt die Risikoprämie neu einpreist.

Bei der Frage, wie sich Bitcoin-Nachfrage im Unternehmensumfeld verstetigen lässt, rücken in den letzten Monaten weniger die „klassischen“ Spot-ETFs in den Fokus als vielmehr eine Zwischenform aus Kapitalmarkt und Krypto-Treasury: bevorzugte, teilweise als „perpetual“ strukturierte Vorzugsaktien. Für Strategie (MSTR) und Strive (ASST) sind diese Instrumente kein bloßes Finanzierungsdetail, sondern ein Bestandteil ihrer operativen Kapitalallokation. Der Mechanismus ist dabei vergleichsweise direkt: Die Gesellschaften platzieren Vorzugsaktien, erhalten dafür Cash, kaufen damit Bitcoin und bedienen Anleger anschließend mit laufenden Dividenden aus dem Kapitalstruktur-Setup zwischen Fremdkapital und Stammaktien.
Fidelity Digital Assets hat die Dynamik in einer Auswertung quantifiziert: Seit 2025 sollen Vorzugsaktien Käufe von insgesamt 135.979 BTC bis zum 5. Oktober 2026 ermöglicht haben. Damit entspricht die über diese Struktur abgebildete Akkumulation mehr als 0,5% des maximalen Angebots. Technisch wichtig ist, dass es sich um Wertpapiere handelt, die regelmäßige Auszahlungen leisten, aber keine Stimmrechte wie bei Stammaktien übertragen. Dadurch sinkt für das Management typischerweise der Refinanzierungs- und Kontrollstress im Vergleich zu klassischen Fremdkapitalaufnahmen, während zugleich Anleger mit einem Fokus auf laufende Erträge adressiert werden.
Auch die Marktmechanik spricht für das Interesse ertragsorientierter Investoren. Laut einer Einschätzung von StoneX erreichen „perpetual preferreds“ vor allem Einkommensanleger, die Bitcoin selbst ungern oder nicht direkt über Börsenhandelsplätze halten. In der Erwartung vieler Marktteilnehmer bleiben ETFs indes dennoch der größere Einzelkanal: Ryan Rasmussen von Bitwise sieht über die Zeit Spot-ETFs als Haupttreiber, während die Vorzugsstruktur als zweiter Rückenwind für eine andere Investorengruppe wirkt. Entscheidend ist dabei nicht nur die Nachfrage nach Bitcoin-Exposure, sondern die Frage, welche Anlegerprofile die Emittenten mit welcher Renditestruktur wirklich anziehen und wie stark sich diese Nachfrage in Stressphasen verändert.
Für das Timing und die Haltbarkeit des Modells spielt außerdem die Verzinsungskurve im Unternehmensformat eine Rolle. CoinShares-Forschung zufolge hob allein STRC im Jahr 2026 bis Ende Juli rund 7,5 Mrd. US-Dollar ein, wobei die Dividende variabel und aktuell grob im Bereich von etwa 12% liegt. Solche Größenordnungen machen sichtbar, warum die laufenden Verpflichtungen zum zentralen Engpass werden können: Mehr ausstehende Vorzugsaktien bedeuten auch mehr Dividendenscheine. In der Praxis entsteht daraus ein Dreiklang aus (1) Bedarf an neuem Cash für weitere Bitcoin-Käufe, (2) Erwartungsmanagement für Investoren in laufende Ausschüttungen und (3) die Frage, ob und in welchem Umfang das Unternehmen zusätzlich eigenes Kapital durch Buybacks „abziehen“ kann.
Genau dort wird es operativ knifflig. Laut James Butterfill konkurrieren Vorzugsaktienkäufe im Unternehmen mit dem Wert von Rückkäufen: Die Nachfrage nach Vorzugsaktien sei reflexiv und funktioniere besonders gut, wenn die Titel nahe an Parität oder nahe am fairen Wert gehandelt werden. Sobald neue Emissionen unter Parität aus dem Blickwinkel neuer Investoren weniger attraktiv erscheinen, verschiebt sich die Firmenlogik häufig in Richtung Repurchases statt frischen Aufnahmen. In einer Beispielrechnung verwies Butterfill auf eine wöchentliche Aktualisierung von Strategie, wonach 193 Mio. US-Dollar für den Rückkauf von STRC eingesetzt wurden, während im gleichen Zeitraum nur 267 BTC gekauft worden seien. Dazu passt, dass Strategy seine Rückkauf-Ermächtigung auf 3 Mrd. US-Dollar erhöht hat.
Technisch ist diese Spannung weniger „Krypto-Mechanik“ als Kapitalmarkt-Mechanik. Alex Blume, Gründer und CEO von Two Prime, betonte, dass solche Produkte nicht nur wie ein reines Beta auf Bitcoin wirken: Der Preis reagiert auch auf die Einschätzung der Kapitalgeber zur Management-Qualität, auf die tatsächlichen Verpflichtungen der Emittenten und auf die jeweiligen Kapitalmarktbedingungen. Das Risiko einer solchen Kopplung wurde beispielsweise daran sichtbar gemacht, dass STRC zeitweise in den Bereich um 70 US-Dollar gefallen sein soll. In einer solchen Phase muss das Unternehmen gleichzeitig (a) weitere Bitcoin pro Stammaktie erhöhen wollen, (b) dollar-denominierte Dividendeverpflichtungen erfüllen und (c) vermeiden, dass ein ungünstiges Gleichgewicht eine tatsächliche Bitcoin-Veräußerung erfordert.
Auf der Nachfrage-Seite bleiben die Spot-ETFs laut den genannten Einschätzungen der dominante Hebel. Butterfill nannte für US-Spot-Bitcoin-ETFs etwa 57 Mrd. US-Dollar an kumulierten Nettozuflüssen und rund 106 Mrd. US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Dabei gilt: Zusätzliche ETF-Schöpfungen erhöhen unmittelbar die Bitcoin-Bestände, während Rückgaben das Interesse verringern können. Demgegenüber geben Vorzugsaktien dem Management mehr Flexibilität darüber, wann und wofür Kapital eingesetzt wird, weil die Emissionslogik nicht dieselbe tagesaktuelle Rücknahme-Mechanik wie bei ETFs hat. Gleichzeitig bleiben Vorzugsprodukte nicht immun gegen Stimmungsumschwünge: Wenn die Finanzierungskosten steigen oder die Akzeptanz neuer Emissionen sinkt, kann die unterstützende Wirkung auf BTC-Käufe schwächer werden.
Für Unternehmen und Finanzierer folgt daraus vor allem eine Frage der Modellwartung: Der langfristige Nutzen von Vorzugsstrukturen hängt daran, wie stabil das Zusammenspiel aus Dividendenlast, Titelbewertung nahe Parität und der internen Allokationsentscheidung zwischen Buybacks und neuen Bitcoin-Käufen bleibt. Wenn Kapitalmärkte riskanter werden, können sich die Bedingungen so drehen, dass das gleiche Instrument, das in stabileren Phasen Nachfrage schafft, im Stress eher zum Kostentreiber wird. Umgekehrt lassen sich Vorzugsaktien als „Ertrags-Schiene“ plausibel als Ergänzung zu ETFs lesen, weil sie eine Investorengruppe adressieren, die nicht zwingend die gleiche Krypto-Handelsinfrastruktur oder Risikoaffinität mitbringt. Ob sich daraus ein dauerhafter, skalierbarer Mechanismus entwickelt, hängt am Ende weniger an der Idee als an der wiederkehrenden Ausführung – also daran, ob Cash-Zufluss und Kapitalmarktpreise auch dann funktionieren, wenn die kurzfristige Stimmung kippt.
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